> > > Reznicek, Emil Nikolaus von: Symphonische Suite No.1, Traumspiel-Suite, Karneval-Suite: Weimarer Staatskapelle, Stefan Solyom
Donnerstag, 23. Mai 2019

Reznicek, Emil Nikolaus von: Symphonische Suite No.1, Traumspiel-Suite, Karneval-Suite - Weimarer Staatskapelle, Stefan Solyom

Und jetzt die Kür


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Drei Orchesterwerke Emil Nikolaus von Rezniceks aus der zweiten Reihe in hochrangigen Interpretationen.

Nachdem die orchestralen Hauptwerke Emil Nikolaus von Rezniceks (1860–1945) allesamt bei jpc eingespielt worden sind, geht es nun an Werke, die man teilweise wohl als Nebenkompositionen bezeichnen kann. Hier versammelt sind die 'Karneval-Suite im alten Stil', die 'Traumspiel'-Suite und die frühe 'Symphonische Suite' Nr. 1 e-Moll – letzteres die substanziellste Komposition auf der CD. Die aus drei umfangreichen Sätzen (Ouvertüre, Adagio und Scherzo finale) bestehende Komposition des knapp Zweiundzwanzigjährigen ließe sich auch als verkappte Sinfonie bezeichnen – faktisch wurden die ersten beiden Sätze im Februar 1882 als Teile einer Sinfonie zur Aufführung gebracht, ehe drei Monate später die Suite in ihrer heute bekannten Form zur Uraufführung gelangte.

Aus heutiger Sicht ist die Komposition eklektisch in der sogenannten Leipziger Tradition, die aber keineswegs so trocken-akademisch war, wie heute gerne behauptet wird. Echos Mendelssohns sind ebenso wenig überhörbar wie die instrumentatorischen Fertigkeiten Reineckes oder Jadassohns – der Booklettext vergleicht das Werk in seiner harmonischen Avanciertheit mit Glasunovs Erster Sinfonie aus derselben Zeit –, und gerade das Adagio und das Finale lassen die ‚normalen‘ Fähigkeiten eines Konservatoristen der damaligen Epoche hörbar weit hinter sich. Die Weimarer Staatskapelle unter seinem Generalmusikdirektor Stefan Solyom ist Rezniceks Musik ein inspirierter und qualitätvoller Sachwalter – die Abstimmung der einzelnen Orchestergruppen, die Balance im Orchester lässt keinerlei Wünsche offen. Warum der unzeitgemäßen Unart gepflogen wurde, die tiefen Streicher am äußersten rechten Rand der Klangpalette aufzustellen, bleibt ein Rätsel und bedeutet die einzige Einschränkung einer ansonsten vorbildlichen, auch aufnahmetechnisch und editorisch sorgsam präsentierten Veröffentlichung.

Phantasmagorische Einfälle

1915 hatte Reznicek Schauspielmusik zu Strindbergs 'Traumspiel' geschrieben und stellte hieraus 1921 eine sechssätzige Suite für Kammerensemble oder kleines Orchester zusammen (der Booklettext vermischt an dieser Stelle irreführend Informationen zur Schauspielmusik mit jener zur Suite). Die intrikate Konstellation des kleinen Orchesters gelingt der Weimarer Staatskapelle nicht an allen Stellen rundum souverän, doch versöhnen Spielfreude, feines Gespür für die phantasmagorischen Einfälle des Komponisten, Enthusiasmus und harmonisches Verständnis der Musiker mit einigen wenigen kleinen Unsicherheiten.

Die 'Karneval-Suite im alten Stil' entstand als Intermezzo in der Mitte der einaktigen Tragischen Oper 'Der Gondoliere des Dogen' (1931), deren Uraufführung in Stuttgart stattfand; 1935 wurde die Partitur der siebensätzigen Suite zur Veröffentlichung revidiert. Hier haben wir ein ‚historistisches‘ ‚Tableau‘ à la Rameau (eher denn im Stil des Venezianischen Barock), was vor allem an der raffinierten Orchestrierung liegen mag, die Respighi oder Strauss würdig wäre. Vielleicht hätte Solyom den Sätzen noch ein wenig mehr ‚Feuer‘ geben können – so bewundert man vor allem die hohe Spielkultur des Thüringer Orchesters. Auch wahrlich nicht wenig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reznicek, Emil Nikolaus von: Symphonische Suite No.1, Traumspiel-Suite, Karneval-Suite: Weimarer Staatskapelle, Stefan Solyom

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203505623


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Reznicek, Emil Nikolaus von
 - Karneval-Suite im alten Stil - Feierlicher Marsch - Tempo di marcia solemne
 - Karneval-Suite im alten Stil - Introduktion - Grave
 - Karneval-Suite im alten Stil - Gigue - Allegretto
 - Karneval-Suite im alten Stil - Furlana - Andante maestoso
 - Karneval-Suite im alten Stil - Passepied - Tempo di Allegro
 - Karneval-Suite im alten Stil - Arie - Andante
 - Karneval-Suite im alten Stil - Tempo di marcia
 - Traumspiel-Suite - Heiterbucht und Schmachsund - Scherzino
 - Traumspiel-Suite - Herbst und Frühling
 - Traumspiel-Suite - In der Fingalshöhle
 - Traumspiel-Suite - Wind und Wellen-Walzer
 - Traumspiel-Suite - Der Advokat
 - Traumspiel-Suite - Der Tochter Abschied
 - Symphonische Suite Nr.1 e-Moll - Ouvertüre - Sehr gehalten
 - Symphonische Suite Nr.1 e-Moll - Adagio - Sehr ruhig, aber nicht schleppend
 - Symphonische Suite Nr.1 e-Moll - Scherzo finale. Sehr rasch und bewegt


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Dirigent(en):Solyom, Stefan
Orchester/Ensemble:Staatskapelle Weimar


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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