> > > Ristori, Giovanni Alberto: Missa, Litaniae, Miserere: Sächsisches Vokalensemble, Batzdorfer Hofkapelle, Matthias Jung
Donnerstag, 21. März 2019

Ristori, Giovanni Alberto: Missa, Litaniae, Miserere - Sächsisches Vokalensemble, Batzdorfer Hofkapelle, Matthias Jung

Dresdner Größe


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für Giovanni Alberto Ristori und seine Musik zu plädieren ist sicher notwendig und auch angemessen. Hörenswertes Repertoire ist es unbedingt, vom Sächsischen Vocalensemble und der Batzdorfer Hofkapelle überzeugend zum Leben erweckt.

Der Italiener Giovanni Alberto Ristori (1692–1753) ist im Kontext des Dresdner Hofes keine unbekannte, aber offenkundig prekär überlieferte Größe im Halbschatten hinter Hasse, Heinichen oder Zelenka. Dabei trug er als Komponist immer wieder wesentliche Lasten, gerade für den kirchenmusikalischen ‚Normalbetrieb‘ – den repräsentiert eine Missa in C-Dur auf der aktuellen cpo-Platte des Sächsischen Vocalensembles und der Batzdorfer Hofkapelle. Dazu tritt mit der 'Litanei auf den heiligen Franz Xaver' eine echte Dresdner Spezialität, bevor ein Miserere in c-Moll den Bogen beschließt.

Ristori wird selten gespielt; entsprechend dünn ist die diskografische Lage. Zu verzeichnen waren bislang eine Platte mit Soprankantaten, gesungen und gespielt von María Savastano und Johannes Pramsohlers Ensemble Diderot, dann eine wirklich schöne Produktion mit geistlichen Duetten und Instrumentalwerken, gesungen von Dorothee Mields und Franz Vitzthum, gespielt von Echo du Danube. Es gab eine Produktion der Oper 'Le Fate'. Und darüber hinaus war Ristori auf gemischten Alben vertreten, bei Miriam Feuersinger und Flavio Benedetti-Ferri. Obwohl sich also namhafte Künstlerinnen und Künstler für Ristoris Werk starkgemacht haben, scheint der Funke bislang nicht endgültig übergesprungen. Das mag daran liegen, dass zum Beispiel Jan Dismas Zelenka in sehr verwandtem Repertoire aus gleicher Zeit und identischem Umfeld eine hochverdiente Renaissance von bemerkenswertem Ausmaß erlebt. Die problematische Überlieferung bei Ristori wurde schon angesprochen.

Hochstehende Gebrauchsmusik

Dabei lohnt es sich, genauer hinzuhören: Die Messe ist ein schönes Beispiel für hochstehende Gebrauchsmusik – eine solch harmonische, klangsinnliche Komposition an einem der normalen Sonntage aufzuführen und hören zu können unterstreicht Rang und Ambition des sächsischen Hofes. Litaneien auf Franz Xaver waren dem Wirken der seit 1709 an der Hofkirche tätigen Jesuiten zu verdanken: Neben der hier zu hörenden existieren teils bekanntere Beispiele von Zelenka und Heinichen. Bei Ristori wie bei seinen Kollegen oder auch älteren Beispielen von Monteverdi und Zeitgenossen ist es beeindruckend, wie die extrem starre responsoriale Form der Litanei fruchtbar gemacht wird, wie eine alte textliche Struktur in ein bemerkenswert elegantes Gewand gekleidet wird. Schließlich ist das Miserere ein angemessen expressives Werk, das attraktiv für Ensembles und Solisten ist.

Expertise auf Seitenwegen

Matthias Jung hat mit seinem Sächsischen Vocalensemble eine Reihe interessanter Platten aufgenommen, mit Musik von Schütz oder Homilius; dazu sind vor allem Produktionen mit Schumann-Chören und Beispielen aus der Hiller-Sammlung in bester Erinnerung, auch ein Programm mit geistlicher Musik von Petr Eben machte Eindruck. Charakteristisch ist also eher der Weg neben den Hauptstraßen des Repertoires, das ist auch mit Ristori ein Erfolgsweg. Das Ensemble profiliert sich mit Noblesse neben der solierenden Gruppe, klangsinnlich in der Grundhaltung, ohne alle Härten und mit frisch blühenden Registern. Phrasiert wird mit kluger Natürlichkeit, sprachsensibel und mit wachem Sinn für die feinen Linien. Intoniert wird niveauvoll, oft in fein gehörtem Akkordgeschehen. Die dynamische Grundanlage ist harmonisch, worin sie der wenig konfliktgeneigten Prägung der Musik entspricht. Die Soli mit der Sopranistin Heidi Maria Taubert, dem Altus David Erler, dem Tenor Andreas Post und dem Bass Cornelius Uhle bilden ein harmonisches Quartett, das vor allem in illustren Ensembles gefordert ist. Gelegentlich sich bietende Optionen, sich auch selbstbewusster in echter Solo-Geste zu zeigen, werden beherzt genutzt, wie Cornelius Uhle im 'Tuba resonans' der Litanei eindrucksvoll zeigt.

Die Batzdorfer Hofkapelle nimmt durch delikates Spiel für sich ein; alles wirkt elegant grundiert vom behänden Spiel im reich aufgefächerten Basso continuo. Die von Daniel Deuter angeführten Streicherregister nuancieren fein. Freilich fordert Ristori in den hier erklingenden Werken wenig exzeptionelles instrumentales Spiel. Klanglich ist vor allem das versöhnte Verhältnis von Strukturabbild und Raumklang prägend, in dem alle Stimmen und Sphären angemessen präsent sind.

Für Giovanni Alberto Ristori und seine Musik zu plädieren ist sicher notwendig und auch angemessen. Vielleicht spiegelt sich in diesem Programm nicht in jedem Takt Individualität von erratischen Ausmaßen – schöne Musik und in der Summe hörenswertes Repertoire ist es unbedingt, vom Sächsischen Vocalensemble und der Batzdorfer Hofkapelle überzeugend zum Leben erweckt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ristori, Giovanni Alberto: Missa, Litaniae, Miserere: Sächsisches Vokalensemble, Batzdorfer Hofkapelle, Matthias Jung

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203520022


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Ristori, Giovanni Alberto
 - Missa in C major - Kyrie
 - Missa in C major - Gloria
 - Missa in C major - Credo
 - Missa in C major - Sanctus
 - Missa in C major - Benedictus
 - Missa in C major - Agnus Dei
 - Litanieae de Sancto Xaverio - Kyrie
 - Litanieae de Sancto Xaverio - Vas electionis
 - Litanieae de Sancto Xaverio - Tuba resonans
 - Litanieae de Sancto Xaverio - Pouperime Xaveri
 - Litanieae de Sancto Xaverio - Agnus Dei
 - Miserere in C minor - Miserere mei, Deus
 - Miserere in C minor - Averte faciem tuam
 - Miserere in C minor - Quoniam si voluisses
 - Miserere in C minor - Tunc imponent
 - Miserere in C minor - Gloria Patri
 - Miserere in C minor - Et in saecula saeculorum


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Dirigent(en):Jung, Matthias
Orchester/Ensemble:Batzdorfer Hofkapelle
Interpret(en):Erler, David
Post, Andreas
Uhle, Cornelius
Taubert, Heidi Maria


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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