> > > Mahler, Gustav: Symphony No.5: Piano Duo Trenkner/Speidel
Sonntag, 25. Oktober 2020

Mahler, Gustav: Symphony No.5 - Piano Duo Trenkner/Speidel

Die ganze Welt auf 88 Tasten


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mahler wollte nach eigener Aussage 'mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen'. Kann das auch durch die, verglichen mit dem Orchester, durchaus begrenzten Mittel des Klaviers gelingen?

Neben Gustav Mahler wird vielleicht lediglich Richard Strauss so stark mit einem komplexen Orchesterapparat und entsprechenden Klangmassen assoziiert. Es muss jedem Musikliebhaber zunächst sonderbar erscheinen, diese Klangfülle auf das Klavier – und sei es auch zu vier Händen – zu reduzieren. Denkt man an den Beginn der fünften Sinfonie Mahlers, an die solistischen Trompeten und den plötzlichen Übergang in eine überwältigende Klangfülle, mag man sich das noch weniger vorstellen. Wenn das Wagnis überhaupt gelingen soll, darf die Bearbeitung keine Fließbandware sein. Im vorliegenden Fall hat Mahler die Bearbeitung von Otto Singer selbst korrigiert und schließlich autorisiert. Das Booklet informiert dazu ausführlich mit Zitaten aus dem Briefwechsel Mahlers mit dem Verlag C. F. Peters.

Wie aus einem Guss

Das Duo (Evelinde) Trenkner und (Sontraud) Speidel existiert bereits seit den 1990er Jahren und wagt sich nicht zum ersten Mal an eine Sinfonie Mahlers: die erste, zweite, sechste und siebte Sinfonie liegen bereits vor, auch Bruckner (3. Sinfonie) und Beethoven (7. Sinfonie) haben die beiden Pianistinnen schon eingespielt (jeweils MDG). Die jahrzehntelange Zusammenarbeit hört man dem Duo an: Das Spiel klingt wie aus einem Guss, präzise, dabei mit der nötigen minimalen Asynchronität, die die Durchhörbarkeit der Polyphonie unterstützt. Was die Klangfarben angeht, so vermute ich, dass man sich entweder schnell umstellt und die Orchesterfarben im reich nuancierten, warmen Klang des Steinway-D von 1901 wiederfindet oder diese Umstellung schlicht nicht mitmacht. Paradoxerweise gelingt der Klaviertranskription häufig die Wiedergabe von Orchestertuttis besser als die solistischen oder kammermusikalischen Abschnitte. Im berühmten Adagietto zum Beispiel ist die Harfe eigentlich unverzichtbar.

Die Praktik, Klavierauszüge bzw. Klavierbearbeitungen von Opern, Orchesterwerken etc. herzustellen, stammt aus einer Zeit, in der die Reproduktionsmedien, die uns heute erlauben, jede beliebige Musik jederzeit anhören zu können, noch nicht existierten. (Übrigens kennen wir auch Mahlers eigenes Spiel, zumindest des ersten Satzes der fünften Sinfonie, denn für die Firma Welte spielte er diesen 1905 auf Rolle ein.) Auch wenn diese wichtige Funktion heute wegfällt, hat die Klavierbearbeitung nach wie vor ihren Wert, vor allem für das Studium des Werkes, auch um ein altbekanntes Werk wieder neu hören zu lernen, und die gelungensten Bearbeitungen dürfen sogar beanspruchen, vollgültige eigene Versionen zu sein. Wenn man sich mit der Idee, Mahler auf dem Klavier zu hören, anfreunden kann, dann greife man zu dieser CD. Mir hat die sehr schöne und technisch makellose Aufnahme des Trenkner-Speidel-Duos viel Freude bereitet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Symphony No.5: Piano Duo Trenkner/Speidel

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623207063


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Mahler, Gustav


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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