> > > Bruckner, Anton: Symphony No.7
Donnerstag, 6. Oktober 2022

Bruckner, Anton - Symphony No.7

Nur noch guter Durchschnitt


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‘Meine herrliche Kapelle. Otmar Suitner und die Staatskapelle Berlin’ heißt ein Buch, das Dirk Stöve 2002 herausgebracht hat und wer mehr über den Österreicher Otmar Suitner wissen möchte, der es 30 Jahre lang freiwillig in der ehemaligen DDR ausgehalten hat, für den ist dieses Buch ein Muss! Eine Generation lang war Suitner nämlich Mr. Staatskapelle. Hier erfährt der Leser über dessen Lebenswerk: Die Rückführung der Staatskapelle auf internationales Niveau. Es ist die Geschichte eines großen Dirigenten und seines Orchesters. Als der damals 42-jährige gebürtige Innsbrucker Otmar Suitner 1964 in Berlin als erster ‘geschäftsführender Generalmusikdirektor’ die Leitung der Staatsoper Unter den Linden und der Staatskapelle übernahm, war er angetreten, das 1961 durch den Mauerbau und die Ausgrenzung vieler Mitarbeiter beeinträchtigte Niveau des Orchesters wie der Opernbühne wieder zu heben. Suitner, der vor seinem Amtsantritt in Berlin bereits als Leiter der Dresdner Staatskapelle vier Jahre sozialistische Kulturluft geatmet hatte, konnte schnell Erfolge verbuchen. Unter ihm reifte die Staatskapelle Berlin zu einem internationalen Spitzenorchester, das zahlreiche gefeierte Tourneen und Schallplattenproduktionen absolvierte. Und trotzdem war Suitner ein unabhängiger Geist - sogar in der DDR! Er setzte im sozialistischen Kulturbetrieb die ersten szenischen Realisierungen von Wagners ‘Parsifal’ und Pfitzners ‘Palestrina’ durch. Als persönliche Anerkennung wertete er sein Stelldichein bei den Bayreuther Festspielen 1965 bis 1967. Der heute 81-Jährige - der viel zu dem Buch beitrug - prägte über 26 Jahre die Staatskapelle Berlin.

Auf musikalischem Gebiet ist die Wiedervereinigung Deutschlands leider (?) auch nicht spurlos an Ostdeutschland inklusive Berlin (West) vorübergezogen. Es kracht derzeit mächtig im Gebälk und Auflösungsgeschwätz mal über jenes Orchester, mal über jenes Opernhaus dröhnen unüberhörbar über uns alle herein. Das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen ist durch diese ‘Abwicklungen’ mächtig angeknackst. Doch jetzt drängen mit der vorliegenden Aufnahme ‘wieder’ Mitschnitte aus DDR-Produktion (ETERNA) via BERLIN CLASSICS auf den Markt.
Leider hat die Aufnahme der 7. Sinfonie von Anton Bruckner mit der Staatskapelle Berlin unter Otmar Suitner heute höchstens noch durchschnittlichen Wert. Sie konkurriert mit Aufnahmen der Westdeutschen Rundfunkorchester wie namentlich dem des BR (Colin Davis), des WDR und NDR (beides Günter Wand), des RSO-Frankfurt (Inbal) oder auch des Saarländischen Rundfunks unter Stanislaw Skrowatschewski, der gerade mit letzterem Orchester auf einer Japan-Tournee mit Bruckner-Programmen weilt, aufgrund einer japanischen Auszeichnung seiner Bruckner-Einspielungen mit diesem Orchester.
Die Luft am Plattenhimmel wird dünner, obwohl, das muss man ausdrücklich sagen, die hier gezeigte Leistung der Staatskapelle Berlin grundsolide ist. Doch an das Chicago SO (Solti) oder die Berliner Philharmoniker unter (Barenboim) reicht die Staatskapelle Berlin nicht heran.

Schon der Einstieg in den ‘Allegro moderato’-Kopfsatz fällt bei der Staatskapelle leicht faulig aus; denn wenn Horn und Celli nicht 100%ig korrespondieren, sowohl von ihrer Intonation, als auch rhythmisch, gibt es eben nicht die Höchstnote. Das gleiche gilt in Takt 25/26. Außerdem: Die Balance zwischen ‘Unterbau’ und Melodiestimme ist hier (T. 43 ff.) nicht perfekt. Ein gutes Beispiel für eine bessere Performance gibt Sir Georg Solti, der durch geringfügige artikulatorische Modifikationen (Weglassen von Bindungen T.16,18,20 usw.) mehr Plastizität erreicht. Sein dynamischer Aufbau atmet, das Spiel der Amerikaner ist feuriger als jenes der Staatskapelle. Und, das Chicago Sinfonie Orchestra verfügt über die strahlenderen Blechbläser. Beim Scherzo fällt bei der Staatskapelle ein vergleichsweise lapidarer Beginn auf. Die absolut tongleichen fünf einleitenden Takte zeigen bei den Ostberlinern keinerlei Entwicklung. Solti hat auch hier die Nase vorn.
Das Deutsch/Englisch verfasste Booklet ist - ebenfalls mit einem fundierten Beitrag von oben erwähntem Dirk Stöve - mit Kompetenz zusammengestellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Symphony No.7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
04.08.2003
63:11
1989
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0782124837525
0183752BC


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Bruckner, Anton


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Dirigent(en):Suitner, Otmar
Orchester/Ensemble:Staatskapelle Berlin


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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