> > > Kozeluch, Leopold: Symphonies 2: Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Marek Stilec
Donnerstag, 9. Juli 2020

Kozeluch, Leopold: Symphonies 2 - Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Marek Stilec

Die Bandbreite böhmischer Klassik in Wien


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mittlerweile liefern schon einige Tonträger ein gutes Bild von Leopold Kozeluch als Symphoniker. Die Serie auf dem Label Naxos erlaubt ein preiswertes, künstlerisch zufriedenstellendes Kennenlernen.

Leopold Kozeluchs (1747-1818) symphonisches Schaffen beschränkt sich offenbar auf den Zeitraum Mitte der 1770er Jahre bis zum Erscheinen zweier abschließender Sammlungen bis 1787 (opp. 22 und 24, u.a. in Paris bei Boyer). Nicht alle der geschätzt um die 30 symphonischen Werke sind erhalten, es waren aber mehr als in der nach Milan Poštolkas älterem Werkverzeichnis erfolgten Auflistung der MGG von 11 gezählten Werken. Viel und Genaueres weiß man über die einzelnen Symphonien kaum; auch der spezialisierte Musikhistoriker Allan Badley kann im (nur englischsprachigen) Booklettext keine genaueren Entstehungsdaten und Hintergründe liefern (etwa zur unbekanntesten der vier als zweite Folge eingespielten Symphonien, einer dreisätzigen in D-Dur (PV I:D3). 

Koželuchs stilkritische Einordnung durch Badley zwischen dem Sturm und Drang Joseph Haydns, den Instrumentationskünsten von Cimarosa oder auch Dittersdorfs Klangbildern treffen natürlich im Allgemeinen: Man hört in den Ecksätzen meist drängende Grundrhythmen ‚con fuoco‘ oder zumindest ‚con brio‘, auch viel melodisch ansprechendes Gedankengut und einen schönen kontrapunktischen Gegensatz in den ergänzenden Bläser- und tieferen Streicherstimmen. Das ist durchaus dicht, aber auch luzide und auch gar nicht so Mozart-fern gearbeitet (nimmt man dessen spätere Salzburger Symphonien zum Vergleich). ‚Zweit-klassisch‘ ist diese Musik eigentlich nicht: Wie im Klavier-Sektor darf man den Wien einst lange erfolgreich erobernden Böhmen direkt hinter die klassische Trias setzen und einige Originalität feststellen.

Dass diese drängenden Partituren noch stürmischer klingen und überzeugen können, macht ein Vergleich mit den rund zwanzig Jahre alten Koželuch-Aufnahmen von Concerto Köln oder den etwas halliger aufgenommenen London Classical Players unter Matthias Bamert deutlich: Das tschechische Kammerorchester aus Pardubice wird von Marek Štilec zwar auf sorgfältigere Artikulation getrimmt als jüngst in der neuen Auber-Serie mit Dario Salvi, bleibt aber dennoch ein im Zusammenspiel und dynamischen Prozessen eher vorsichtig agierendes und im Expressiven deshalb oft hörbar limitiertes Ensemble. Ein schöner eigener Farbtupfer, aber auch manchmal merkwürdig das sporadisch hervortretende Cembalo (aufführungspraktisch eigentlich so weder in einer Continuo- noch Direktionsfunktion begründbar). Unterhaltsam und für Sammler attraktiv sind die bislang umfassendsten Einspielungen dieser Naxos-Serie zweifellos.


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    Kozeluch, Leopold: Symphonies 2: Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Marek Stilec

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:
CD
747313387274

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Kozeluch, Leopold


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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