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Donnerstag, 23. Januar 2020

Martinu, Bohuslav: What Men Live By, Symphony No.1 - Czech Philharmonic, Jiri Belohlavek

Ein Tscheche in Amerika


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten.

Für den tschechischen Dirigenten Jiří Bělohlávek war es eine Herzensangelegenheit, Komponisten seiner Heimat dem internationalen Publikum, im Konzertsaal oder auf Tonträgern, näher zu bringen. Viele Aufnahmen sind in diesem Zusammenhang entstanden, von Smetana, Dvořák, Suk bis zu Bohuslav Martinů. Von letzterem brachte Bělohlávek mit dem BBC-Orchester, dem er von 1995 bis 2012 zunächst als erster Gast-, dann als Chefdirigent verbunden war, eine Kollektion sämtlicher sechs Sinfonien heraus. Eine weitere Auseinandersetzung mit Martinůs Schaffen war geplant, diesmal mit der Tschechischen Philharmonie, deren Leitung er 2012 übernommen hatte. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Bělohlávek starb 2017 – der Auftakt der Serie ist zu seinem künstlerischen Vermächtnis geworden.

Der 1890 geborene Bohuslav Martinů war ein Weltenbürger. Nach seiner Ausbildung als Geiger in Prag zog er 1923 zum Studium bei Albert Roussel nach Paris, wo er mit Unterbrechung bis 1940 lebte. Als die Deutschen in Frankreich einfielen, floh der Anhänger des tschechischen Widerstands in die USA. Dort etablierte er sich an verschiedenen Hochschulen als Kompositionslehrer. Er hinterließ ein breites und alle Gattungen umfassendes Œuvre, darunter über 20 Bühnenwerke, deren stilistische Buntheit auch Ausdruck der kosmopolitischen Einflüsse ist.

Stimmige Atmosphäre

Beide Stücke des Albums stammen aus Martinůs amerikanischer Zeit. Der als ‚Pastoraloper‘ bezeichnete, erstmalig eingespielte Einakter 'What men live by' nach einer Erzählung von Tolstoi hatte 1955 im Rahmen einer Hochschulaufführung in New York Premiere. Er handelt von einem vereinsamten Schuster, der im Bibellesen Sinn sucht und auf den Besuch von Jesus hofft. Als er auf drei Bedürftige trifft und ihnen hilft, erkennt er, dass sich in der Nächstenliebe Christus zeigt. 'What men live by' trumpft niemals auf, sondern erzeugt durch sparsame, zurückgenommene musikalische Mittel, durch eingängige Songs und schlichte Choreinsätze eine stimmige religiös-volkstümliche Atmosphäre.

Jiří Bělohlávek modelliert mit der Tschechischen Philharmonie feinste dynamische Schattierungen heraus und ist ein behutsamer Sängerbegleiter. Dem Ensemble mit Ivan Kusnjer als Schuster im Zentrum gelingt es, auch den kleinen Episodenrollen Individualität zu verleihen. Der filigranen Oper steht die 1942 komponierte erste Sinfonie gegenüber. Man hört ein vorwärtsdrängendes, rhythmisch pulsierendes, orchestrales Breitwandgemälde mit Anleihen an tschechische und amerikanische Musik. Bělohlávek lässt es in seiner ganzen Größe erstehen, ohne je die Transparenz aus dem Auge zu verlieren. Die Aufnahme, ausgestattet mit einem lesenswerten Begleittext und dem Libretto, ist nicht nur künstlerisch, sondern auch klanglich herausragend. Nur stimmt sie ein wenig wehmütig, weil sie ein Solitär bleiben wird.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Martinu, Bohuslav: What Men Live By, Symphony No.1: Czech Philharmonic, Jiri Belohlavek

Label:
Anzahl Medien:
Supraphon
1
Medium:
EAN:

CD
099925423322


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Martinu, Bohuslav


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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