> > > Martinu, Bohuslav: What Men Live By, Symphony No.1: Czech Philharmonic, Jiri Belohlavek
Montag, 16. September 2019

Martinu, Bohuslav: What Men Live By, Symphony No.1 - Czech Philharmonic, Jiri Belohlavek

Ein Tscheche in Amerika


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten.

Für den tschechischen Dirigenten Jiří Bělohlávek war es eine Herzensangelegenheit, Komponisten seiner Heimat dem internationalen Publikum, im Konzertsaal oder auf Tonträgern, näher zu bringen. Viele Aufnahmen sind in diesem Zusammenhang entstanden, von Smetana, Dvořák, Suk bis zu Bohuslav Martinů. Von letzterem brachte Bělohlávek mit dem BBC-Orchester, dem er von 1995 bis 2012 zunächst als erster Gast-, dann als Chefdirigent verbunden war, eine Kollektion sämtlicher sechs Sinfonien heraus. Eine weitere Auseinandersetzung mit Martinůs Schaffen war geplant, diesmal mit der Tschechischen Philharmonie, deren Leitung er 2012 übernommen hatte. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Bělohlávek starb 2017 – der Auftakt der Serie ist zu seinem künstlerischen Vermächtnis geworden.

Der 1890 geborene Bohuslav Martinů war ein Weltenbürger. Nach seiner Ausbildung als Geiger in Prag zog er 1923 zum Studium bei Albert Roussel nach Paris, wo er mit Unterbrechung bis 1940 lebte. Als die Deutschen in Frankreich einfielen, floh der Anhänger des tschechischen Widerstands in die USA. Dort etablierte er sich an verschiedenen Hochschulen als Kompositionslehrer. Er hinterließ ein breites und alle Gattungen umfassendes Œuvre, darunter über 20 Bühnenwerke, deren stilistische Buntheit auch Ausdruck der kosmopolitischen Einflüsse ist.

Stimmige Atmosphäre

Beide Stücke des Albums stammen aus Martinůs amerikanischer Zeit. Der als ‚Pastoraloper‘ bezeichnete, erstmalig eingespielte Einakter 'What men live by' nach einer Erzählung von Tolstoi hatte 1955 im Rahmen einer Hochschulaufführung in New York Premiere. Er handelt von einem vereinsamten Schuster, der im Bibellesen Sinn sucht und auf den Besuch von Jesus hofft. Als er auf drei Bedürftige trifft und ihnen hilft, erkennt er, dass sich in der Nächstenliebe Christus zeigt. 'What men live by' trumpft niemals auf, sondern erzeugt durch sparsame, zurückgenommene musikalische Mittel, durch eingängige Songs und schlichte Choreinsätze eine stimmige religiös-volkstümliche Atmosphäre.

Jiří Bělohlávek modelliert mit der Tschechischen Philharmonie feinste dynamische Schattierungen heraus und ist ein behutsamer Sängerbegleiter. Dem Ensemble mit Ivan Kusnjer als Schuster im Zentrum gelingt es, auch den kleinen Episodenrollen Individualität zu verleihen. Der filigranen Oper steht die 1942 komponierte erste Sinfonie gegenüber. Man hört ein vorwärtsdrängendes, rhythmisch pulsierendes, orchestrales Breitwandgemälde mit Anleihen an tschechische und amerikanische Musik. Bělohlávek lässt es in seiner ganzen Größe erstehen, ohne je die Transparenz aus dem Auge zu verlieren. Die Aufnahme, ausgestattet mit einem lesenswerten Begleittext und dem Libretto, ist nicht nur künstlerisch, sondern auch klanglich herausragend. Nur stimmt sie ein wenig wehmütig, weil sie ein Solitär bleiben wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Martinu, Bohuslav: What Men Live By, Symphony No.1: Czech Philharmonic, Jiri Belohlavek

Label:
Anzahl Medien:
Supraphon
1
Medium:
EAN:

CD
099925423322


Cover vergössern

Martinu, Bohuslav


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Hochexpressive tschechische Sonaten: Vor allem die Sonaten für Violine und Violoncello aus der Feder von Viktor Kalabis (1923–2006) sind höchst gelungene Gattungsbeiträge, die Klarinettensonate hingegen weniger. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Hausmusik von herber Schönheit: Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Karin Coper:

  • Zur Kritik... Nostalgie im Breitwandsound: Riccardo Chailly und das Orchester der Mailänder Scala widmen dem Komponisten Nino Rota eine Anthologie mit Filmmelodien. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Aufregende Euryanthe: Die junge Joan Sutherland und ein Ausnahmeensemble erinnern in Carl Maria von Webers Ritteroper 'Euryanthe' an beglückende historische Opernzeiten. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Appetitanreger: Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester gratulieren Franz von Suppé mit einem Ouvertüren-Bouquet zum 200. Geburtstag. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von Karin Coper...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Besonderes Erlebnis: Auf ihrem Debüt-Album kann Moné Hattori ihr immenses Talent voll ausspielen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Formexperimente: Piet Kuijken bietet ein überzeugendes Plädoyer für Johann Ladislav Dussek. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich