> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Jugendsinfonien
Dienstag, 17. September 2019

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Jugendsinfonien

Ausgereifter Masur


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In der wirklich optisch schmucken Eterna-Kollektion des Labels Berlin Classics sind jetzt die sage und schreibe 32 Jahre alten Aufnahmen (VEB Deutsche Schallplatten Berlin) der Jugendsinfonien I-VI von Felix Mendelssohn Bartholdy wiedererstanden. Eine Wohltat! Am Pult des Gewandhausorchesters Leipzig hört der Rezipient den damals 44-jährigen, heute bereits 75-jährigen, zu großen Ehren gekommenen Kurt Masur. Unter seinem Dirigat (1970-1996) erreichte der sächsische Klangkörper Weltruhm. Leipzigs Affinität zu Mendelssohn ist bekannt: Hier trat 1835 der damals 26-jährige Komponist als einer von Masurs historischen Vorgängerpersönlichkeiten den verlockenden Posten des Gewandhauskapellmeisters an. Er hatte ihn zwölf Jahre bis zu seinem Tod 1847 inne.

Auf der Platte wird auffallend frisch, fast jovial musiziert. Anscheinend machte die Arbeit Spaß, weil die Sinfonien des jungen Mendelssohn bereits die signifikanten Züge des späteren Genius in sich tragen: An Bach geschulte Kontrapunktik, Leidenschaftlichkeit und unerschrockene Handhabung der technischen Möglichkeiten der Streichinstrumente. Zu seiner Zeit wurden die Werke deshalb auch nur von den besten Profis - Mitgliedern der Berliner Hofkapelle - im Hause Mendelssohn aufgeführt. Vater Abraham Mendelssohn zählte zum begüterten Personenkreis und konnte sich kostspielige Musiker ohne weiteres leisten. Die vorliegende CD bietet die erste Hälfte der insgesamt zwölf Streichersinfonien, die bereits 1821 entstanden ist.

Die erste Sinfonie C-Dur nimmt Masur mit der nötigen Vitalität und spornt die Instrumentalisten im Andante zu blühender Moll-Farbenpracht an. Pizzikati laufen voller Gefälligkeit, Bratschen schauen solistisch über den Tellerrand. Hier wird Musik erlebt. Von nicht allzu herbem Charakter, aber durchaus mit Seele und markanten Unisoni getragen galoppiert das Allegro-Finale daher. Die fugierte Durchführung ist ein typischer Mendelssohn. Insgesamt bringt es die Sinfonie auf elf Minuten ungetrübte Musizierfreude.

Die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur atmet sehr viel Weltläufig- und Großzügigkeit. Man vermeint zu hören, dass sich im Elternhause Mendelssohn die edelsten und einflussreichsten Personen der damaligen Gesellschaft ein Stelldichein gaben. Mozarts Divertimenti KV 136-38 wird der Komponist auf jeden Fall gekannt haben: sein Stil lehnt sich unüberhörbar daran an. Das Andante ist ideell von Bachs Oratoriengedankengut nicht weit entfernt. Man spürt, wie der 12-jährige, der phänomenale polyphone Einfälle hat, experimentiert. Das abschließende Allegro Vivace hat noblen, repräsentativen, royalen Charakter.
Die 3. Sinfonie in e-Moll lotet die Gefühlswelten des weiblichen Tongeschlechts aus. Immer steht in diesen Werken die fast martialische Rhythmik im Vordergrund und Masur hebt das in seiner Interpretation deutlich hervor. Das Andante ? quasi ein Menuett ? kann selbstredend noch nicht den lyrischen Tiefgang eines erwachsenen Komponisten erreichen, doch bezeugt es das bereits hochentwickelte Empfindungssystem des Tonschöpfers. Attacca mündet der Satz ins Allegro-Finale, das wiederum streng geführt wird. Dynamisch bewegen sich die Musiker zunächst im oberen Drittel der Bandbreite ? können aber auch ausblenden und Einzelstimmen hervortreten lassen.

Die vierte Sinfonie in c-Moll bringt eine langsame Einleitung à la Haydn. Zu Recht stellt Eberhard Rudolph in seinem guten Einführungsartikel die These auf, dass in diesen Jugendwerken die späteren Charakteristika des Meisters Mendelssohn vollgültig angelegt sind. Sie erwerben eine technisch überlegene, musikalisch überzeugende, ausgereifte Einspielung in Analogtechnik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Jugendsinfonien

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
01.09.2003
54:40
1971
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0782124326821
0032682BC


Cover vergössern

Mendelssohn Bartholdy, Felix


Cover vergössern

Dirigent(en):Masur, Kurt
Orchester/Ensemble:Gewandhausorchester Leipzig


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Grenzensprengend: Drei Musiker bieten Kammermusik in höchster harmonischer Vollkommenheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Manuel Stangorra:

  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Zwei Erste: Der erste Schritt hin zur Gesamteinspielung: Michaels Sanderling dirigierte die Dresdner Philharmonie bei zwei sinfonischen Erstlingen von Beethoven und Schostakowitsch. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Lebensweisheiten – nicht nur für Klavierspieler: Dieses überaus lesenswerte Buch versammelt Gespräche mit András Schiff und inspirierende Essays des Pianisten. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von Manuel Stangorra...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Besonderes Erlebnis: Auf ihrem Debüt-Album kann Moné Hattori ihr immenses Talent voll ausspielen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Formexperimente: Piet Kuijken bietet ein überzeugendes Plädoyer für Johann Ladislav Dussek. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich