> > > Kuhnau, Johann: Complete Sacred Works Vol.4: Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer
Montag, 23. September 2019

Kuhnau, Johann: Complete Sacred Works Vol.4 - Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer

Mehr als nur ein Vorgänger


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Johann Kuhnau in seine Rechte einzusetzen: Gregor Meyer und seinen Ensembles gelingt das überzeugend.

Johann Kuhnau (1660–1722), Thomaskantor von 1701 bis 1722, ist eine bis heute erstaunlich weitgehend unterschätzte Größe. Das mag am langen Schatten liegen, den sein Nachfolger im Amt, Johann Sebastian Bach, auf fast all seine Vorgänger und im Grunde alle Nachfolger geworfen hat und noch immer wirft. Auch die publizistischen Scharmützel, die sich Kuhnau mit den komponierenden Leipziger Junghelden Telemann, Heinichen und Fasch lieferte, dürften schon der zeitgenössischen Reputation kaum genützt, der langfristigen Rezeption aber deutlich geschadet haben. Klar ist: An der Qualität seiner Musik liegt es nicht. Das zeigt auch die vierte Folge der lobenswerten Gesamteinspielung der geistlichen Musik Kuhnaus, die seit einigen Jahren bei cpo erscheint, künstlerisch verantwortet von Gregor Meyer und seinen Ensembles Opella Musica und camerata lipsiensis. Kuhnau wird als hochinteressantes Scharnier zwischen, sehr grob gefasst, dem reifen Geistlichen Konzert des 17. Jahrhunderts und der ausgeprägten lutherischen Kantate mitteldeutscher Prägung im 18. Jahrhundert präsentiert.

Sieben Werke stehen auf dem vielgestaltigen Programm der aktuellen Platte: zwei charaktervolle Begräbnisgesänge, dazu eine knappe Missa brevis, zwei solistische Psalmvertonungen für Alt und Sopran, beide mit etlicher Ambition geschrieben, die Stimmen technisch deutlich fordernd. Dazu kommt mit der Kantate 'Muss nicht der Mensch auf dieser Erde ein steter Streiter sein?' ein Bravourstück für Solo-Tenor. Schließlich mit 'Was Gott tut, das ist wohlgetan' eine Choralkantate von erstaunlich konziser Faktur, die eine Form spürbar mitprägt, die sein Amtsnachfolger zu üppiger Blüte führen sollte. Und auch hier zeigt sich Kuhnau inspiriert und variantenreich.

Stilkundler

Das ist bei Gregor Meyer und seinen versierten Stilisten in besten Händen. Das Vokalensemble Opella Musica bildet in der Besetzung mit den Sopranistinnen Isabel Schicketanz und Heidi Maria Taubert, dem Altus und gleichzeitig als Herausgeber der Werke Kuhnaus bei Breitkopf & Härtel fungierenden Altus David Erler, mit dem Tenor Tobias Hunger und dem Bass Friedemann Klos eine wirklich homogene Gruppe, charaktervoll in der Formung der Einzelstimmen, dazu sprachmächtig, ausgewogen und balanciert im Zusammenklang. Intoniert wird ohne jede Trübung; artikuliert wird mit entwaffnender Natürlichkeit.

Gregor Meyer leitet seine Ensembles von der Orgel aus zu frischen, wahrhaft entstaubten Tempi an, ohne je Überdruck zu riskieren. Das einfach besetzte Orchester besticht durch leichtes, behändes Spiel, dennoch belebt durch Temperament und Glut, getragen von technischer Souveränität. Artikuliert wird ungemein plastisch, gleichsam in permanenter Co-Deutung des entsprechenden Ansatzes der Vokalisten. Eine im wahrsten Sinne des Wortes hervorgehobene Rolle spielt im Rahmen der in der Marienkirche zu Rötha entstandenen Aufnahme die dortige Orgel: eine von Kuhnau selbst geprüfte und für gut befundene Silbermann-Orgel von schönster Farbigkeit, die dem Continuo Wucht und Größe verleiht, ohne zu dominieren. Man kann die Entscheidung aufführungspraktisch nicht hoch genug würdigen, eine solche Orgel zu verwenden – sind doch die heute allfälligen Truhenorgeln mit Sicherheit nicht das, was im 17. und 18. Jahrhundert erklang, wenn es um Continuo-Orgeln im Kontext vokal-instrumentaler Besetzungen ging. Allzu selten wird das in der historisch informierten Praxis umgesetzt. Und wenn, dann, so wie hier, mit schönsten Ergebnissen. Auch mit Blick auf das Klangbild, das aufgeräumt und klar strukturiert ist, plastisch und in feiner Balance befindlich.

Johann Kuhnau in seine Rechte einzusetzen – ohne anderen Protagonisten Vorwürfe zu machen oder eine lange Jahre verzerrende Rezeption zu beklagen: Das haben sich Gregor Meyer und seine Ensembles zum Ziel gesetzt. Und sie schaffen es, mit kluger Durchdringung und musikantischer Frische. Das trägt die Reihe spürbar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Kuhnau, Johann: Complete Sacred Works Vol.4: Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203519026


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Kuhnau, Johann


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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