> > > Telemann, Georg Philipp: Christmas Oratorios: Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
Freitag, 18. Januar 2019

Telemann, Georg Philipp: Christmas Oratorios - Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Weihnachts-Telemann


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Beseelter, erfüllter, begeisterter kann man diese köstliche Musik von Telemann kaum singen und spielen. Das Weihnachtspräsent von Michael Alexander Willens und seiner Kölner Akademie ist in dieser Saison exzellent geraten.

Die alljährliche Weihnachtsgabe, mit der Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie das Repertoire bereichern und die eigenen Fähigkeiten präsentieren, ist in diesem Jahr ganz Georg Philipp Telemann gewidmet. Im Programm sind drei Oratorien genannte, dramatisch grundierte weihnachtliche Festkantaten aus dem 'Oratorischen Jahrgang' des Kirchenjahres 1730/31 auf Texte von Albrecht Jacob Zell, hier erstmals eingespielt. Die Kompositionen sind ganz den Wünschen des Hamburger Publikums entsprechend gestaltet: Die mild-dramatische Form in der Kirchenmusik mit all den historischen Figuren und vor allem allegorischen Größen, die miteinander in lebhaften Austausch treten, hatte offenbar entschiedene Anhänger. Dazu kommt eine 'Kirchenmusik zum 3. Weihnachtstag' aus der Sammlung 'Musicalisches Lob Gottes' von 1744. Auch das ist eine wunderbare Kantate auf einen Text von Erdmann Neumeister, mit dem Telemann eine langjährige Zusammenarbeit verband.

In allen Kompositionen sind kleinteilige Satzformen zu erleben, mit für Telemann typisch schlicht harmonisierten Chorälen, arios vielfältig, im chorischen Bereich von intensiver Textinspiration und -deutung geprägt. Die Soli sind in das Geschehen mit Eleganz und Eloquenz integriert, selten in dominanter Ausdehnung und Geste. Eine wahrlich bezaubernde, hörbar inspirierte Mischung, die kennenzulernen deutlich lohnt.

Beseelt

Michael Alexander Willens hat dafür ein sehr harmonisches Vokalquartett aus der Sopranistin Monika Mauch, der Altistin Nicole Pieper, dem Tenor Georg Poplutz und dem Bass Klaus Mertens formiert, ergänzt um die kleinere solistische Rollen übernehmenden Bässe Raimonds Spogis, Manfred Buhl und Joel Urch. Der ‚Stammvierer‘ glänzt mit üppigen Qualitäten und starker Präsenz. Technisch, lyrisch und in Sachen Diktion werfen die Vokalisten ihr ganzes stimmliches Vermögen in die Waagschale. Monika Mauch brennt ein technisch brillantes Feuerwerk ab, Nicole Pieper nimmt mit perfekt ineinander verblendeten Registern und schönem Stimmstrom für sich ein, Georg Poplutz balanciert wie stets behände auf dem schmalen Grat von lyrischer Schönheit und klarer, erzählerisch starker Sprache. Und schließlich Klaus Mertens: Der hat die größten ariosen Anteile und nutzt diese Chance zu einer souveränen Deutung im besten Sinne, mit beeindruckender stimmlicher Präsenz, nach wie vor unangefochten.

Den Chor bilden die vier Solisten mit jeweils einer weiteren Ripieno-Stimme. Ergebnis ist ein wunderbar luzides Musizieren, technisch anspruchsvoll, in einem ungemein leichten Klangideal und höchst erstaunlicher Sprachmacht – dank klarster Diktion. Im schlank besetzten Orchester vollzieht sich ungemein vielfarbiges Spiel, mit etlichen prägnanten Facetten: Manches wirkt keusch und gedeckt, anderes strahlend und lebensprall. Insgesamt ist viel behändes, durchsichtiges, auf Agilität setzendes Spiel zu erleben – was der Faktur und Ästhetik der Kompositionen Telemanns deutlich entspricht. Die orchestrale Artikulation ist eine Ohrenweide, voller sinnerfüllter Kleinteiligkeit, die so nah an der Sprache siedelt wie irgend möglich. Die nahezu ideal gestaltete vokale Sphäre wird instrumental nahtlos fortgesetzt. Intoniert wird durchweg makellos; die fließenden Tempi unterstreichen das Moment des Luziden. Genauso das Klangbild: Das ist blitzblank, expliziert die feine Substanz klar und in stimmiger Balance.

Beseelter, erfüllter, begeisterter kann man diese köstliche Musik von Telemann kaum singen und spielen. Das Weihnachtspräsent von Michael Alexander Willens und seiner Kölner Akademie ist in dieser Saison exzellent geraten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Christmas Oratorios: Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203525423


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Telemann, Georg Philipp
 - Schmecket und sehet - Dictum Schmeckt und sehet
 - Schmecket und sehet - Aria Kommt, sehet!
 - Schmecket und sehet - Recitativo Ja gehet hin
 - Schmecket und sehet - Dictum Uns ist ein Kind geboren
 - Schmecket und sehet - Recitativo Seht hier, hier liegt das Heil der Welt
 - Schmecket und sehet - Arioso Hier ruhet der Himmel
 - Schmecket und sehet - Recitativo Allein, lass doch mein Herz die Krippe sein
 - Schmecket und sehet - Aria Mein Herze wallet sanft
 - Schmecket und sehet - Recitativo Wohl mir
 - Schmecket und sehet - Aria So ruhe sanft - erwache
 - Schmecket und sehet - Choral Ach, mein herzliebes Jesulein
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Aria Im hellen Glanz der Glaubenssonnen
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Recitativo Das Wort ward Fleisch
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Dictum O, welch eine Tiefe des Reichtums
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Recitativo Scheint deiese der Vernunft zu hoch zu sein
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Aria Setzt an, setzt an
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Recitativo Du aber, wesentliches Wort
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Dictum Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Recitativo Ach! Könnte nur mein ganzes Leben
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Aria Lass die lichten Strahlen scheinen
 - Im hellen Glanz der Glaubenssonnen - Choral Warum willt du draußen stehen
 - Herr Gott, Dich loben wir - Choral Herr Gott, Dich loben wir
 - Herr Gott, Dich loben wir - Recitativo Der schnelle Lauf der regen Zeit
 - Herr Gott, Dich loben wir - Aria Wer wirbelt das feurige Rennen der Sonnen
 - Herr Gott, Dich loben wir - Dictum Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
 - Herr Gott, Dich loben wir - Recitativo Ja, ja, und will ich dies erwägen
 - Herr Gott, Dich loben wir - Aria Senke Dich, ermattter Geist
 - Herr Gott, Dich loben wir - Recitativo Allmächtge Lilebe, weise Macht
 - Herr Gott, Dich loben wir - Aria Schütte doch die heilge Salbe
 - Herr Gott, Dich loben wir - Recitativo Wird aber mein Gebet
 - Herr Gott, Dich loben wir - Dictum Es segne und Gott
 - Herr Gott, Dich loben wir - Recitativo Wer zweifelt wohl hieran?
 - Herr Gott, Dich loben wir - Coro Großer Schöpfer, Dein Erhalten
 - Und das Wort ward Fleisch - Spruch


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Dirigent(en):Willens, Michael Alexander
Orchester/Ensemble:Kölner Akademie
Interpret(en):Mauch, Monika
Poplutz, Georg
Mertens, Klaus
Spogis, Raimonds
Urch, Joel
Pieper, Nicole
Buhl, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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