> > > Bruch, Max: Die Loreley: Münchner Rundfunkorchester, Stefan Blunier
Donnerstag, 20. Juni 2019

Bruch, Max: Die Loreley - Münchner Rundfunkorchester, Stefan Blunier

Romantische Rheinlegende


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Popularität seines 1. Violinkonzerts hat das übrige Schaffen des Komponisten Max Bruch gnadenlos überschattet. Welche Meisterwerke Bruchs es wieder zu würdigen gilt, zeigt die vorliegende Ersteinspielung seiner großen Romantischen Oper 'Loreley'.

Die Popularität seines 1. Violinkonzerts hat das übrige Schaffen des Komponisten Max Bruch gnadenlos überschattet. Welche Meisterwerke Bruchs es wieder zu würdigen gilt, zeigt die Ersteinspielung seiner großen Romantischen Oper 'Loreley' beim Label cpo. Auf drei CDs ist die konzertante Aufführung vom November 2014 im Münchner Prinzregententheater akustisch eindrücklich dokumentiert. Seit vielen Jahren ist der Bayerische Rundfunk mit seinem Münchner Rundfunkorchester um Raritäten bemüht, deren Unterhaltungswert in Vergessenheit geraten ist. Und da gibt es gerade im 19. Jahrhundert so einiges zu entdecken. Max Bruch war gerade erst Anfang Zwanzig, als der die 'Loreley' komponierte – gegen den Willen des Textdichters Emanuel Geibel, der das Libretto ursprünglich für Felix Mendelssohn Bartholdy verfasst hatte. Dennoch begann Max Bruch mit Feuereifer sein Opernprojekt und setzte seinen Willen durch – 1863 kam die 'Loreley' in Mannheim zur Uraufführung.

Das Werk hat alles, was eine ordentliche deutsche Romantische Oper so braucht: Ländliche Chöre, Lieder, Balladen, Duette, Romanzen, üppige Finali und großdimensionierte Szenen, deren geisterhaftes Personal für schaurig-schöne Stimmung sorgt. Immer wieder winken der 'Freischütz' und Co. herüber, aber Bruchs Oper ist handwerklich so treffsicher in Töne gesetzt, dass das Schauermärchen von der schönen Todbringerin am Rhein kaum effektvoller sein könnte. Die Geschichte ist schlicht und vorhersehbar, aber fraglos opernkompatibel: Pfalzgraf Otto hat ein Verhältnis mit dem Mädchen Lenore, die seine wahre Identität nicht kennt. Als eine standesgemäße Hochzeit für Otto ansteht, fliegt der Schwindel auf und Otto verleugnet obendrein die nun verlassene Lenore. Sie sinnt auf Rache und verkauft ihre Seele den Rheingeistern – sie wird zur Loreley, die mit ihrem Gesang allen untreuen Männern den Tod bringt. Sie bezirzt nicht nur erneut ihren Otto, sondern auch die Repräsentanten der Kirche. Für Otto endet das Spiel tödlich, während Lenore endgültig zur geisterhaften Königin des Rheins erklärt wird.

Finale am Rhein

Allein schon für dieses großartige Finale an den Ufern des Rheins sollte man sich den Münchner Mitschnitt zu Gemüte führen. Ebenso mitreißend ist die Geisteranrufung der Lenore im zweiten Akt und auch darüber hinaus gibt es eine Fülle an tadelloser Theatermusik mit wunderbar melodischen Einfällen zu hören. Freilich bezieht Bruchs Musik klar Stellung zu klassisch-romantischen Idealen – vom zeitgleichen Musikdrama Richard Wagners will die 'Loreley' wenig bis nichts wissen. Aus heutiger Sicht stört dieser unzeitgemäße Umstand überhaupt nicht. Vielmehr blitzt mit der 'Loreley' eine reizvolle Oper auf, die als Alternative zum 'Freischütz' oder den leidlich gängigeren Weber-Werken auf den Spielplänen durchaus denkbar wäre.

Die Besetzung dieser Münchner Wiederbelebung agiert fast durchweg überzeugend, auch wenn hier keine vokale Sternstunde zu verzeichnen ist. Einen Tenor, der die fordernde Partie des Pfalzgrafen Otto so textverständlich und robust umzusetzen in der Lage ist wie Thomas Mohr, muss man erstmal finden: Er hat die Kraft und den Strahl, auch in unbequemen Lagen souverän zu agieren. Besonders attraktiv oder jugendlich klingt sein Otto vielleicht nicht, er tendiert schon eher in Richtung Charaktertenor mit hörbar heldenhafter Vergangenheit. Aber eindrucksvoll ist das allemal. Michaela Kaune pflegt als Lenore bei aller geforderten Dramatik einen betont kindlichen Tonfall, der im ersten Akt und bei den singenden Verführungsszenen seine Wirkung nicht verfehlt. Gerade in den Finali würde man sich aber ein wenig mehr Klang und einen entschiedeneren stimmlichen Zugriff wünschen, der dem rauschhaften Gestus der Musik adäquat wäre. Kaune gelingt aber im Ganzen ein glaubhaftes Rollenporträt, das mit farblicher Differenzierung und klarer Artikulation punktet.

Zauberhafte Tonschönheit

Ein wahrer Glücksfall für die Partie der unglücklichen Bertha ist die junge Sopranistin Magdalena Hinterdobler. Ihr lyrischer Sopran erzeugt in ihrer Kavatine des dritten Aktes wahre Magie und im direkten Aufeinandertreffen mit Michaela Kaune blitzen Momente von zauberhafter Tonschönheit auf, die auch einer Loreley gut anstehen würden. Als alter Fährmann Hubert überzeugt Sebastian Campione mit markanten Basstönen, während Thomas Hamberger als Erzbischof bei aller Souveränität überraschend leichtgewichtig und wenig Ehrfurcht gebietend erscheint. Außerdem gibt es ein Wiederhören mit Jan-Hendrik Rootering, dessen unverwechselbares Timbre die Kommentare des Minnesängers Reinald veredelt. Der Prager Philharmonische Chor singt klangschön, aber völlig textunverständlich.

Mit Stefan Blunier am Pult lassen es die Musikerinnen und Musiker des Münchner Rundfunkorchesters ordentlich krachen. Und das ist genau das, was Bruchs 'Loreley' in diesem Zusammenhang guttut: Sie reißt den Hörer mit ihren Klangwogen mit sich, lullt ihn ein in die klaren Melodien und macht mit Energie das wett, was dem Werk vielleicht an Raffinesse und Originalität fehlt. Diese 'Loreley' ist ein lebendiger Opernabend, der Lust auf eine szenische Produktion macht, die auch über vier Jahre nach der BR-Produktion noch auf sich warten lässt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruch, Max: Die Loreley: Münchner Rundfunkorchester, Stefan Blunier

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
Medium:
EAN:

CD
761203700523


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Bruch, Max
 - Die Loreley - 1. Akt - Einleitung
 - Die Loreley - 1. Akt - Wir sind am Ort
 - Die Loreley - 1. Akt - Seit ich von mir geschieden
 - Die Loreley - 1. Akt - Lenore!
 - Die Loreley - 1. Akt - Ave-Maria!
 - Die Loreley - 1. Akt - Rührt Euch frisch
 - Die Loreley - 1. Akt - Doch sprich, Vater Hubert
 - Die Loreley - 1. Akt - Wir grüßen Dich fein
 - Die Loreley - 1. Akt - Lasst im Wind die Banner wallen
 - Die Loreley - 2. Akt - Woher am dunkeln Rhein?


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Dirigent(en):Blunier, Stefan
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester
Interpret(en):Kontora, Danae
Campione, Sebastian
Hamberger, Thomas
Rootering, Jan-Hendrik
Mohr, Thomas
Hinterdobler, Magdalena
Kaune, Michaela
Eder, Benedikt


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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