> > > Das neugeborne Kindlein - Christmas Cantatas: La Petite Bande, Sigiswald Kuijken
Samstag, 30. Mai 2020

Das neugeborne Kindlein - Christmas Cantatas - La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Lichte Weihnachten


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Platte bietet mehr als nur ein charmantes, intimes Weihnachtsprogramm: Bach und Telemann werden von Sigiswald Kuijken und La Petite Bande ästhetisch aus dem Geist Buxtehudes geboren und entfaltet.

Ein diskografisches Lebenszeichen ist zu vermelden, ein künstlerisch exquisites dazu: Sigiswald Kuijken hat mit seinem Ensemble La Petite Bande ein feines Weihnachtsprogramm eingespielt – barock, aber nicht beliebig. Dietrich Buxtehude rahmt mit zwei charmanten, intimen Werken das Programm. Die heimeligen Kantaten 'Das neugeborne Kindelein' und 'In dulci jubilo' sind alles andere als unterkomplex, weisen aber mit ihrer schlichten Grundgeste und ihren offenkundigen Herzensqualitäten den Weg. Der wird mit Georg Philipp Telemann fortgesetzt. Und das mit einem eher raren Beitrag, einer Kyrie-Gloria-Messe, die als Missa sopra 'Ein Kindelein so löbelich' zeigt, dass der barocke Großmeister über profunde kontrapunktische Kenntnisse verfügte, die er geradezu blitzend fruchtbar zu machen verstand. Das impliziert, dass sich auch hier, in formal strengeren Gefilden, verlässlich Charme und unverwechselbarer Personalstil Bahn brechen. Telemanns zweiter Beitrag zum Programm ist die choralbasierte Kantate 'O Jesu Christ, dein Kripplein ist mein Paradies', die einen schlichten, reduzierten Kern in duftig-leichtem Ton zu blühender Schönheit entfaltet und mit all ihrer funkensprühenden, quasi opernhaften Eleganz ein ideales Vehikel für einen ambitionierten Solo-Sopran darstellt. Im Zentrum steht mit BWV 133 'Ich freue mich in dir' eine Choralkantate, die Johann Sebastian Bach 1724 für den dritten Weihnachtstag komponiert hatte: Ein schönes Beispiel für all die Werke Bachs, die hinter seinem Weihnachtsoratorium zurückstehen müssen. Dass das keine qualitativen Ursachen hat, macht diese Einspielung deutlich. Auch das ist hocherfreulich.

Frisches Ensemble

Sigiswald Kuijken ist einer der kundigsten, entschiedensten und zugleich in seiner Geste versöhnlichsten, am wenigsten dogmatischen Verfechter des Prinzips, dass jede vokale Stimme nur von einem Sänger gesungen wird, auch in den Chören. Das hat er mit seiner Kantaten-Reihe praktisch und mustergültig gezeigt, die für jeden Sonntag im Kirchenjahr eine Bach-Kantate in solistischer Besetzung vorgestellt hat. Und hier setzt er das selbstverständlich bei Telemann als Zeitgenossen Bachs fort; für ältere Musik ist das Verfahren ohnehin gebräuchlich. Kuijken bringt eine frische Besetzung an den Start, mit der Sopranistin Anna Gschwend, der Altistin Lucia Napoli, dem Tenor Sören Richter und dem Bass Christian Wagner. Die harmoniert prächtig, wirkt ausgeglichen qualitätvoll. Da ist agiler, leichter, leuchtkräftiger und sprachmächtiger Gesang zu hören, sicher intoniert und motiviert durch eine subtile Textdeutung voller Delikatesse und Behutsamkeit. Solistisch herausragend ist sicher – natürlich auch dem Programm geschuldet – Anna Gschwend, die sich die Telemann-Chance nicht entgehen lässt und deutlich reüssiert, auch bei Bach einen hervorragenden Eindruck macht. Bei letzterem beweist sich dann Lucia Napoli arios sattelfest.

Das Instrumentalensemble besteht aus vier Violinen, einer Viola, einem Violone und Orgel; bei Bach treten zwei Oboe d‘amore dazu. Eine schmale Besetzung, die den luziden Ansatz der Vokalisten stützt und unterstreicht, eine Besetzung die insgesamt ein betont durchscheinendes, silbriges Klangideal pflegt. Der Basso continuo wirkt, obwohl präzis artikuliert, nicht allzu klar gezeichnet. Ein Aspekt, den man auch der technischen Realisierung zurechnen kann. Ansonsten überzeugt diese, indem sie das Durchscheinende, Klare, gut Disponierte des interpretatorischen Ansatzes fein balanciert in Klang transferiert: Struktur und Transparenz sind die prägenden Größen.

Die Platte bietet mehr als nur ein charmantes, intimes Weihnachtsprogramm: Bach und Telemann werden von Sigiswald Kuijken und La Petite Bande ästhetisch aus dem Geist Buxtehudes geboren und entfaltet. Die Weiterung hin zu Telemanns galantem Ton gelingt mit bemerkenswert leichter Hand.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Das neugeborne Kindlein - Christmas Cantatas: La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
05.10.2018
Medium:
EAN:

CD
4015023243484


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Bach, Johann Sebastian
Buxtehude, Dietrich
Telemann, Georg Philipp


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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