> > > Schubert, Franz: Symphony No. 1 & No. 6: B'Rock Orchestra, René Jacobs
Mittwoch, 20. Februar 2019

Schubert, Franz: Symphony No. 1 & No. 6 - B'Rock Orchestra, René Jacobs

Schubert mit Sprengkraft


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Barock trifft auf Romantik: René Jacobs dirigiert die Schubert-Sinfonien Nr. 1 und 6.

Die Schubert-Sinfonien zählen auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis zu längst erschlossenem Gebiet – und für die traditionelle Orchesterpraxis sowieso. Dass mit vorliegender hybrider SACD mit den Sinfonien Nr. 1 und 6 gleichwohl eine referenzwürdige Aufnahme daherkommt, hat mehrere Gründe. Denn zum einen bewegt sich diese Interpretation von René Jacobs mit dem B'Rock Orchestra auf einem ähnlich hohen Niveau wie die Mozart-Sinfonien mit Jacobs, auch wenn aus labeltechnischen Gründen diesmal also nicht das Freiburger Barockorchester zu hören ist. Zum anderen handelt es sich, wenn nicht alles täuscht, um die erste reine orchestrale Aufnahme von Jacobs im Mehrkanal-Format. Und das ist schon eine Besonderheit. Denn dank des ausgezeichneten Klangbildes fühlt man sich im Surround-Modus mitten in die Musik versetzt, sodass das für Jacobs typische Wirbelflirren der Streicher, der kernig federnde Tuttiklang mit Pauken und Trompeten und die betörenden Holzbläsersoli noch überwältigender daherkommen als sonst. Durch das maximal transparente Klangbild lässt sich so auch im wildesten Tutti vernehmen, wie subtil Jacobs hier die orchestrale Balance ausgestaltet. Wo anderswo die Hörner mit ihren ‚Fülltönen‘ gerne auch mal untergehen oder die Flöten von den Streichern übertönt werden, hört man hier wirklich jede, aber auch jede Klangfarbenmischung heraus.

Spannungsvolle Gewandtheit

Dass Jacobs die Wiener Klassik aus der Perspektive des Barock betrachtet, dabei aber zugleich auf die klangliche Sprengkraft gerade der Schubert-Sinfonien abhebt, ist ein kleiner Glücksfall. Auf diese Weise wirft im Finale der 'Kleinen' C-Dur-Sinfonie schon das Finale der 'Großen' C-Dur-Sinfonie mit seinen Blitzgewittern seine Schatten voraus. Im Andante dieser Sechsten hingegen entfesseln Pauken und Trompeten ein Kriegsgetöse, als wäre es für die Opernbühne gedacht. Insofern prallen hier barocker Gestenreichtum und die fantastischen, grenzüberschreitenden Klangwelten der Romantik aufeinander. Glücklicherweise erweist sich auch das B'Rock Orchestra für Jacobs als kongenialer Partner. Es würde ewig dauern, all die subtilen Details aufzuzählen, die hier bei Schubert zu hören sind. Alleine der leicht verzögerte Übergang zur Reprise im Kopfsatz der Ersten Sinfonie in den Flöten klingt zum Einrahmen schön. Wer hören möchte, wie sehr ein Gegenrhythmus beim frühen Schubert nach Swing klingen kann, sollte auf die Nebenstimmen im zweiten Thema des Kopfsatzes achten. Und wo das Hauptthema im ersten Satz der Sechsten aufgrund seiner häufigen Wiederholungen Gefahr läuft, banal zu klingen, vermeidet Jacobs dies hier gekonnt, indem er den Variantenreichtum jener Wiederholungen zum Vorschein bringt. Der Auftakt zu diesem Schubert-Zyklus ist also mehr als gelungen. Bleibt nur zu hoffen, dass die weiteren Teile bald folgen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Symphony No. 1 & No. 6: B'Rock Orchestra, René Jacobs

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
EAN:

827949070761


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Schubert, Franz


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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