> > > Haydn, Joseph: String Quartets Vol.10: Leipziger Streichquartett
Mittwoch, 16. Oktober 2019

Haydn, Joseph: String Quartets Vol.10 - Leipziger Streichquartett

Vier Könner


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Musiker des Leipziger Streichquartetts setzen ihre Auseinandersetzung mit Haydn fort und überzeugen mit ihrer Lesart von drei Quartetten aus op. 64.

Drei Quartette aus Opus 64 bilden die neue Aufnahme in der Serie der Haydn-Quartette, die das Leipziger Streichquartett vorlegt. Abgesehen von der ersten Periode aus Haydns Quartettschaffen – gemeint sind die Quartette vor op. 20 – haben die Leipziger sich inzwischen mit allen künstlerischen Perioden des Komponisten per Aufnahmesitzung auseinandergesetzt, knapp die Hälfte der geplanten Gesamteinspielung ist mit dieser zehnten Folge auf dem Label MDG geschafft. Beim Hören fällt die spielerische Gelassenheit der vier Musiker auf. Vieles erscheint wie beiläufig. Die Tempi sind nicht übermäßig flott, die Dramatik hält sich in Grenzen, die Stimmen sind ausgewogen mit einem leichten Übergewicht des Cellos. Nichts beeindruckt unmittelbar, etwa durch dynamische Kontraste oder zur Schau gestellte Virtuosität.

Beim zweiten Hören stellt sich dann aber Bewunderung ein darüber, dass hier wahrhaftig vier Könner gleichwertig musizieren, dass die Dynamik ausgeklügelt ist, dass auch die Beiläufigkeit schwieriger Stellen (besonders in der 1. Geige, aber auch in den Mittelstimmen) gekonnt sein will, dass kleine agogische Veränderungen in allen Stimmen haargenau aufeinanderpassen und höchster Wert auf eine genaue Artikulation gelegt wird. Und so wird es für den Zuhörer immer spannender. Dazu kommt, dass hier die weniger geläufigen Quartette aus Opus 64 zu hören sind –  die, die eben nicht gleich mitgesungen werden können oder gar einen populären Beinamen haben (wie etwas op. 64,5, das sogenannte ‚Lerchenquartett‘).

In dieser Aufnahme kommt alles zum Vorschein, was Haydn als den ‚Erfinder‘ des Streichquartetts ausmacht: Mithilfe aller kompositorischen Möglichkeiten in Themenverarbeitung, Motiventwicklung oder Modulationseffekten kommunizieren die vier Stimmen gleichwertig miteinander, ohne dass irgendwo eine Schieflage entsteht, die das Ganze aus der klassischen Ausgewogenheit herausfallen ließe. Die Leipziger setzen dieses Ideal wie selbstverständlich um, und man kann als Hörer nur erahnen, wieviel Arbeit und Mühe dahintersteckt. Wie selbstverständlich scheint auch Stefan Arzberger wieder in das Quartett zurückgekehrt zu sein, nachdem er Jahre der Turbulenzen mit amerikanischen Gerichten hinter sich hat (die Zeitungen berichteten ausführlich).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: String Quartets Vol.10: Leipziger Streichquartett

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD
760623209326


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Haydn, Joseph


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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