> > > Cello Concertos von Lutoslawski und Dutilleux: Johannes Moser, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Thomas Sondergard
Samstag, 4. Juli 2020

Cello Concertos von Lutoslawski und Dutilleux - Johannes Moser, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Thomas Sondergard

Lyrik und Drama


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Johannes Moser und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin bestechen mit Interpretationen von zwei Cello-Konzerten, die einst für Mstislaw Rostropowitsch entstanden.

Das muss man sich mal vorstellen: Im Juli 1970 präsentiert Mstislaw Rostropowitsch die Uraufführung des Celllo-Konzerts von Henri Dutilleux und im Oktober des gleichen Jahres das Konzert von Witold Lutosławski. Neben all seinen sonstigen Auftritten dazwischen diese beiden technisch und musikalisch so schwierigen neuen ‚Brocken‘ zu lernen, nötigt jedem gehörige Hochachtung vor Rostropowitschs Leistung ab. Seitdem ist einige Zeit vergangen, andere Cellisten haben sich mit beiden Werken beschäftigt und einen eigenen Zugang zu ihnen gefunden. Zu ihnen gehört auch Johannes Moser, der gar erst neun Jahre nach der Uraufführung geboren wurde.


‚‘

Während der Altmeister seine ganze Kraft und Kämpfernatur in die Musik legt, sieht Moser ganz andere Seiten. Das beginnt bereits bei Lutosławski: Schon der sich ewig wiederholende erste Ton d mit anschließendem, ausführlichem Solo des Cellos ist pure Erzählung von einem, der auszog, die Welt der Töne zu erobern – ein Till Eulenspiegel oder ein Jung Siegfried –, bis die Trompeten den Übermütigen in die Schranken weisen. Auch im Zusammenspiel mit dem Orchester des Berliner Rundfunks spinnt Moser die Abenteuergeschichte weiter. Es ist eine Freude, diesem Musiktheater zuzuhören, dem Wechselspiel zwischen einer Art ‚Pas de deux‘ mit den übrigen Streichern und den machtvollen Blechbläsern, die beinahe die Oberhand gewinnen, bis das Cello die Sache auf dem Ton a beendet. Das Orchester macht willig und gekonnt mit, ist aber nicht ganz so entspannt bei der Sache wie der Solist, was kein Wunder ist, denn es hat z. B. aleatorische Abschnitte zu bewältigen, die in der Gruppe enorme Schwierigkeiten bereiten. Klanglich wird alles ausgereizt, was Instrumente und Technik hergeben, ohne allerdings irgendwelche Grenzen an Hall oder Lautstärke zu überschreiten.

Im Dutilleux-Konzert fällt dagegen vor allem auf, dass Moser nie forciert, dass er geradezu zärtlich mit seinem Guarneri-Cello umgeht, das Melodische und Poetische dieser Musik besonders herausarbeitet, nie sentimental wird, sondern eher zurückhaltend bleibt. Das Werk, inspiriert von Gedichten Baudelaires, wird hier kongenial umgesetzt. Die enormen technischen Schwierigkeiten nimmt man – ähnlich wie auch schon bei Lutosławski – überhaupt nicht wahr, sie dienen allein der Interpretation. Besonders eindrucksvoll geraten dabei die beiden langsamen Sätze 'Regard' und 'Miroir'. Jeder Ton ist gestaltet, nichts fällt durchs Raster. Dabei geschieht alles beinahe beiläufig wie bei einer Trauer, die verhalten ist und sich eher nach innen wendet.

Bei dieser CD muss auch das Booklet hervorgehoben werden. Johannes Moser hat den Text selbst geschrieben und die Erläuterungen zur Musik verwoben mit der Erzählung, wie seine Annäherung an die Werke verlaufen ist. Das alles lässt sich sehr verständlich und spannend lesen, der Zugang zu dieser Moderne wird gerade für den ungeübten Hörer dadurch enorm erleichtert. Und es ist nur gerecht, dass neben der Biografie von Johannes Moser und der des Dirigenten Thomas Søndergård auch ein Portrait des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin samt Foto abgedruckt sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cello Concertos von Lutoslawski und Dutilleux: Johannes Moser, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Thomas Sondergard

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD SACD
827949068966


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Dutilleux, Henri
Lutoslawski, Witold


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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