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Mittwoch, 26. Juni 2019

Vienna - Fin de Siècle - Barbara Hannigan, Reinbert de Leeuw

Wer die Sehnsucht kennt


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw tauchen tief ins Wiener Fin de Siècle ein.

Wenn jemand im klassischen Musikbetrieb den Titel Primadonna der Moderne verdient hat, dann ist es die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan. Sie hat sich dem Zeitgenössischen mit Leib und Seele verschrieben – mittlerweile nicht nur als Sängerin, sondern auch als Dirigentin von Format, die in Konzerten zunehmend in Doppelfunktion auftritt. Zu ihrem bevorzugten Repertoire gehören Opern wie Ligetis 'Le grand macabre', Zimmermanns 'Die Soldaten' oder Bergs 'Lulu'. Gleichen Wert legt sie auf Uraufführungen, hat wichtige Bühnenwerke wie Brett Deans 'Hamlet' und George Benjamins 'Written on Skin' oder Hans Abrahamsens Liederzyklus 'Let me tell you' kreiert.

In ihrem aktuellen Album 'Vienna' begibt sich Barbara Hannigan mit ihrem im Zeitgenössischen ebenso bewanderten Pianisten Reinbert de Leeuw, mit dem sie bereits ein Satie-Programm eingespielt hat, tiefer als gewohnt in die Vergangenheit. Was für sie nur folgerichtig ist, denn der Weg zurück führt zu den Wurzeln der Moderne, genauer in das Wien um 1900. Die Wiener Moderne: Sie steht für eine kulturelle und intellektuelle Blütezeit, die nicht zuletzt mit Sigmund Freunds Gründung der Psychoanalyse einen Gipfelpunkt erreicht. Auch musikalisch markiert die Zeitenwende einen Umbruch. Die sogenannte Zweite Wiener Schule mit Arnold Schönberg als Leitfigur experimentiert mit kühnen Harmonien bis zur Überwindung der Tonalität und wird zur Keimzelle der Atonalität und Zwölftonmusik. Die für das Album ausgewählten 31 Lieder bilden diese neue Klangwelt ab, auch wenn manche von ihnen noch spätromantisch geprägt sind. Schönbergs 'Vier Lieder' eröffnen das Programm, es folgen Vokalstücke von Alexander von Zemlinsky, Anton Webern, Alban Berg, Alma Mahler und Hugo Wolf.

Barbara Hannigan ist aufgrund ihrer Erfahrung mit zeitgenössischer Musik prädestiniert für diese Grenzgänger in die Moderne. Sie gibt jedem Stück – die meisten beschreiben fragile Gemütszustände und Naturstimmungen – durch eine Vielzahl von Zwischentönen, sinnlichen Farben und feinen Schattierungen ein eigenes Profil. Nur hinsichtlich der Textdeutlichkeit und plastischen Artikulation bleiben Wünsche offen. Was daran liegen mag, dass die Sängerin ihren Sopran fast instrumental einsetzt, quasi im Dialog mit dem Piano. Hier zeigt sich die Kunst von Reinbert de Leeuw. Er ist nicht allein ein einfühlsamer Klavierbegleiter, sondern vielmehr ein gleichberechtigter, ungemein differenziert spielender Partner.

Der musikalisch-dichterische Hintergrund von 'Vienna' wird im Booklet-Text erhellend erklärt und analysiert. Erwähnt wird nicht das durchaus spannungsvolle Beziehungsgeflecht, das diese Komponistengruppe, zu der Alma Mahler als einzige Frau gehörte, privat und künstlerisch miteinander verband. Aber es geht ja hauptsächlich um die Musik und ihre Interpretation – und die stimmt in 'Vienna'.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vienna - Fin de Siècle: Barbara Hannigan, Reinbert de Leeuw

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
20.09.2018
Medium:
EAN:

CD
3760014193934


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Berg, Alban
Schönberg, Arnold
Webern, Anton von
Wolf, Hugo
Zemlinsky, Alexander von


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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