> > > Schumann / Schubert / Reiter: Lieder: Elisabeth Kulman, Eduard Kutrowatz
Sonntag, 24. März 2019

Schumann / Schubert / Reiter: Lieder - Elisabeth Kulman, Eduard Kutrowatz

In jeder Hinsicht besonders


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist ein in jeder Hinsicht sehr besonderer Liederabend, den man auf der neuen CD von Elisabeth Kulman beim Label Orfeo nun nachhören kann. Das liegt einerseits an einer spannenden Liedauswahl, andererseits am zwingenden Charme des Lied-Duos Elisabeth Ku

Es ist ein in jeder Hinsicht sehr besonderer Liederabend, den man auf der neuen CD von Elisabeth Kulman beim Label Orfeo nun nachhören kann. Das liegt einerseits an einer spannenden Liedauswahl, andererseits am zwingenden Charme des Lied-Duos Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz. Mitgeschnitten wurde das Programm am 26. August 2017 im Rahmen der Schubertiade Schwarzenberg. Das bringt zusätzlich zum ohnehin wirkenden Zauber auch eine Unmittelbarkeit mit sich, die den heimischen Hörer in den Kreis der offenbar gebannten Hörerschaft im vorvergangenen August in Schwarzenberg miteinbezieht. Einzelne Huster oder sonstige Nebengeräusche fallen nicht so sehr ins Gewicht, vielmehr machen die kleinen Reaktionen Freude, die Kulmans Darbietung auslöst, wie zum Beispiel spontanes Lachen.

Um so direkt auf ein Liedprogramm reagieren zu können, muss man neben all der effektvollen Musik auch den Text entsprechend serviert bekommen. Und diese Kunst beherrscht Elisabeth Kulman mit schlafwandlerischer Sicherheit. Sie erzählt Geschichten, malt mit wenigen Sätzen Stimmungsbilder, setzt Pointen und findet ohne Umschweife zum Kern eines Liedes. Ihr Klavierpartner Eduard Kutrowatz ist ihr in diesem Zugriff ein kongenialer Partner, der sich nicht in den Vordergrund spielt, sondern der Sängerin die Plattform bietet, auf der sie agieren kann. Es herrscht offenkundig ein tiefes Einverständnis zwischen den beiden Künstlern, deren Agogik und dynamische Wendungen mit natürlicher Selbstverständlichkeit beeindrucken.

Erfrischender Zugriff

 

Für so manchen Hörer irritierend dürfte die Wahl der erklingenden Lieder sein und auch die Art ihrer Darbietung. Kulman und Kutrowatz zerlegen auch gerne mal ein Lied und verteilen die Strophen über eine weite Zeitspanne unterbrochen von anderen Werken. Auch kommentierende oder schlicht Atmosphäre schaffende Instrumentalinseln aus Schumanns 'Kinderszenen' oder den 'Fantasiestücken' bilden Übergänge oder trennen thematische Zuwendungen. So erklingen im ersten Teil des Konzerts, das – wie zugegeben viele andere Programme auch – über das Thema Liebe und Tod philosophiert, einzig Kompositionen von Robert Schumann, darunter einige Nummern aus dem Zyklus 'Frauenliebe und -leben' – aber eben nicht der komplette Zyklus. Elisabeth Kulman betont die authentische Kraft eines jeden Liedes, das auch unabhängig von einer zyklischen Aufführung zur Geltung kommen kann. Dieser Zugriff ist ungemein erfrischend und in harmonischer Beziehung intelligent gebaut, denn er zwingt zum tatsächlichen Zuhören. Das scheinbar Bekannte erhält in neuer Nachbarschaft andere Farben, darf sich kraftvoll behaupten.

Im zweiten Teil agiert das Duo in Sachen Kombination noch mutiger und ungewöhnlicher: Neben Liedern Franz Schuberts stehen Erich-Kästner-Vertonungen des 1941 geborenen österreichischen Komponisten Herwig Reiter. Das funktioniert hervorragend, zumal Kulman und Kutrowatz manche Schnitte schnell setzen und fast nahtlos von Schubert zu Reiter übergehen, dessen 'Für die Katz' dann beispielsweise fast wie eine neue Strophe zu Schuberts 'Schweizerlied' wirkt.

Schönheit und Natürlichkeit

Schon allein das Programm ist eine klare Empfehlung wert, auch der eher selten gespielten Schumann-Lieder Opus 104 wegen. Doch es ist ebenso Elisabeth Kulmans Gesang, der einen ins Schwärmen geraten lässt. Ihr golden timbrierter Mezzosopran strahlt Ruhe und Schönheit aus, die Höhe spricht mühelos an, bei der Tiefe muss Kulman ein wenig nachhelfen. Vor allem aber fesselt die große Natürlichkeit, mit der sie singt. Sie entzieht den Liedern die Künstlichkeit, gestaltet umsichtig, ohne ambitionierte Extreme anzusteuern – sie kommuniziert. Das hat Charme und rührt an. Schumanns 'Mondnacht' schmeichelt sich melancholisch ins Gemüt, Schuberts 'Romanze' schwebt über den Dingen und die Kästner-Lieder Reiters öffnen in ihrer Interpretation die Ohren für Unerhörtes. Welchen Sinn für Humor beide Künstler besitzen, zeigt sich in zahlreichen Details, wie der Klavierübung in Reiters 'Sachlicher Romanze' oder dem bereits erwähnten 'Schweizerlied', das Kulman geschmackvoll auskostet. Wunderbar ergänzen zwei Zugaben das fesselnde Programm: Reiters 'Die Ankündigung einer Chansonette' mit dem richtigen Quantum Bar-Gesang und Schumanns 'Im wunderschönen Monat Mai', das stimmungsvoll und konsequent den Bogen des Abends schließt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann / Schubert / Reiter: Lieder: Elisabeth Kulman, Eduard Kutrowatz

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
09.11.2018
EAN:

4011790956121


Cover vergössern

ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ORFEO:

  • Zur Kritik... Spannende Reise: Die aparte Kammermusikbesetzung Violine/Violoncello ist bei Julia Fischer und Daniel Müller-Schott in allerbesten Händen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Der Funke will nicht überspringen: Wenn Nikolaus Harnoncourt Raritäten ausgräbt, dann ist das zumeist vielversprechend. Und als CD-Erscheinung für alle Entdeckungsfreudigen eigentlich ein Muss. Schade nur, wenn der Funke der Begeisterung auf den Zuhörer nicht so recht überspringen mag. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Pralinen zum Dessert: Dieser Salzburger Liederabend zeigt die vier namhaften Solisten und ihre Begleiter in Höchstform: schwungvoll, mitreißend, begeisternd. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von ORFEO...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Sensationelle posthume Uraufführung: Jörg Halubek, Il Gusto Barocco und ein blendend aufgelegtes Ensemble lassen ihrer Begeisterung für Heinichens vergessene Oper 'Flavio Crispo' freien Lauf und stecken den Hörer mit ihrer Spielfreude und ihrem Können an. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Begrenzte Ausdrucksmittel: Olga Peretyatko ist bei Sony mit einem neuen Soloalbum zurück, dessen Programm sich spannender liest, als die Arien am Ende klingen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Tadellos unaufgeregt: Wahnsinnig aufregend, weil elektrisierend neu gedeutet oder überraschend, ist der Göttinger 'Judas Maccabaeus' vielleicht nicht. Aber er überzeugt durch seine stilistisch kenntnisreiche Interpretation und ein Solistenensemble, das über den Dingen steht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klangmagie: Eine spannende Sicht auf eine unbekanntere Facette italienischer Instrumentalmusik der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Spannende Reise: Die aparte Kammermusikbesetzung Violine/Violoncello ist bei Julia Fischer und Daniel Müller-Schott in allerbesten Händen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterlich: Ein substanziell attraktives, ganz vorzüglich gesungenes und gespieltes Programm mit einem schönen Schwerpunkt auf den Werken Johann Theiles: Simone Eckerts Hamburger Ratsmusik und Dorothee Mields überzeugen rundum. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2019) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Charles-Marie Widor: Symphony No.9 op.70 - Andante sostenuto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich