> > > Bartok, Béla: Complete String Quartets: Arcadia Quartet
Sonntag, 17. November 2019

Bartok, Béla: Complete String Quartets - Arcadia Quartet

Explosiv, dissonant, introvertiert


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Arcadia-Quartett hat Béla Bartóks Streichquartette eingespielt. Frühere Aufnahmen des Ensembles weckten hohe Erwartungen.

Bartóks Streichquartette gehören zu den Spitzenwerken der Gattung im 20. Jahrhundert. Das Arcadia-Quartett legt jetzt eine Gesamtinterpretation des staunenerregenden Korpus vor. Nach der vibrierenden, intensiven Einspielung von Leoš Janáčeks Werken jenes Genres, die die Formation vor einiger Zeit herausbrachte, dürfte der Neuerscheinung Aufmerksamkeit sicher sein.

Blieb jene Aufnahme mit dem Duktus der Entfesseltheit in Erinnerung, werden nun bei Bartók – neben allem Explosiven, Dissonanten dieser Werke – durchaus auch introvertiertere Töne hörbar. Fesselnd sind gerade die langsamen Sätze, die hier mit hoher Innenspannung und klanglicher Dichte vergegenwärtigt werden. Geradezu anderweltlich ruhen im zweiten Satz des fünften Quartetts die nur langsam wechselnden Akkorde unter dem unruhig flackernden, an Vogelgesang erinnernden Solo der ersten Geige. Frappant ist der Vergleich mit der Einspielung des Takács-Quartetts, das die akkordischen Parts bis fast zur Unhörbarkeit in den Hintergrund treten lässt. Das Arcadia-Quartett hört demgegenüber einlässlich und ohne Scheu vor Schönklang aus.

Zerbrechlicher Kern

Dem kommt, aufs Ganze gesehen, die Funktion des Kontrastes zu jenen Passagen zu, in denen dem Hörer Musik in Splittern um die Ohren zu fliegen scheint. Indessen zeigt sich auch in diesen die Suche nach der Intensität der Klanglichkeit und nach der Tiefe des emotionalen Gehalts als eine Eigenart dieser Interpretation. Erhellend wiederum der Vergleich mit dem Takács-Quartett: Klingen dort Sätze wie der zweite des zweiten Streichquartetts oder die Ecksätze des vierten hämmernd, stampfend, fast maschinell, so kommen sie beim Arcadia-Quartett vielleicht nicht weniger energisch, wohl aber biegsamer, elastischer daher. Der architektonische Bogen ist weniger straff gespannt, und in der relativen Lockerung offenbaren selbst diese so schroffen Stücke für Momente einen zerbrechlichen lyrischen Kern.

Der Interpretation des Arcadia-Quartetts steht in dem Beiheft dieser Produktion ein detaillierter, gehaltvoller Kommentar von Paul Griffiths zur Seite, der, ebenso wie die Biographie des Quartetts und dessen eigener kurzer Kommentar zu dieser Einspielung, in drei Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch) geboten wird. Das darf man getrost als vorbildlich bezeichnen. Schade, dass das Klangbild der Aufnahme nicht ganz befriedigen kann, da es im Großen und Ganzen etwas zu nüchtern wirkt und die Körperlichkeit des Klangs sich nicht voll entfalten lässt. Hörenswert ist die facetten- und kontrastreiche Einspielung dennoch allemal.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bartok, Béla: Complete String Quartets: Arcadia Quartet

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
2
Medium:
EAN:

CD
095115199220


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Bartók, Béla


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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