> > > Cesare, Giulio: A Baroque Hero: Raffaele Pe, La Lira die Orfeo
Mittwoch, 17. Juli 2019

Cesare, Giulio: A Baroque Hero - Raffaele Pe, La Lira die Orfeo

Liebender Feldherr


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Countertenor Raffaele Pe interpretiert mit La Lira di Orfeo meisterhaft Arien aus fünf verschiedenen Vertonungen des Lebens des Feldherrn Julius Caesars.

Drei Jahre hat sich Raffaele Pe mit der Forschung und Ausgrabung diverser Vertonungen rund um Julius Cäsar beschäftigt. Was er zu Tage fördert, ist erstaunlich. Im Grunde basierend auf zwei verschiedenen Libretti, sind in der Zusammenstellung und neuen Solo-CD Pes Ausschnitte aus 5 Cäsar-Opern aus einem Zeitraum von 70 Jahren zu hören. Die bekannteste Vertonung stammt dabei aus der Feder Georg Friedrich Händels. Daneben befinden sich Ausgrabungen aus bisher unveröffentlichtem Notenmaterial. Allen voran sei hier die Oper 'Giulio Cesare in Egitto' erwähnt, komponiert von Carlo Francesco Pollarolo. Diese Musik entwirft ein vollkommen anderes klangliches Bild des Herrschers als beispielsweise Niccolò Piccinnis 'Cesare in Egitto', Geminiano Giacomellis 'Cesare in Egitto' oder auch Francesco Bianchis 'La morte di Cesare'.

Aus jedem dieser Werke erklingen mindestens zwei Arien, meist kontrastierend in ihrem Charakter, so dass möglichst viele unterschiedliche Facetten der Titelfigur reflektiert werden. So stehen neben waghalsigen Koloraturarien innigste, lyrische Melodielinien. Raffaele Pe gelingt es hierbei, alle diese Facetten auch wirklich stimmlich auszufüllen. Mit seiner kernigen, aber warmen Stimme verleiht er dem Feldherren Autorität und Männlichkeit, dem liebenden Herrscher Zartheit. Die Stimme Pes präsentiert sich in den tiefen Lagen wohlklingend sonor und auch wenn er in den höheren Lagen manchmal zu ein paar Schärfen neigt, gelingt es dem Sänger doch, diese Sonorität, seinen charakteristischen Stimmklang, durch alle Lagen zu erhalten, und nimmt so den Hörer durch eine ansprechende Linie gefangen.

Vokale Glanzlichter

Keine Frage, dass Pe in Koloraturfeuerwerken wie 'Il cor che sdegnato' von Giacomelli oder 'Al lampo dell‘armi' von Händel stupende Lösungen findet, doch gelingen ihm vor allem mit den lyrischeren Passagen der CD wahre vokale Glanzlichter. Besonders innig gelingt ihm das Duett mit Raffaella Lupinacci – das Duett Sestos mit Cornelia aus Händels Oper. Die zwei Stimmen blenden perfekt, Lupinacci ergänzt den vollen Klang Pes durch ihren eigenen, tiefen, runden Alt. Und wenn man schon hier als Hörer denkt, das Duett möge bitte nicht so schnell aufhören, dann gilt das noch eher für den Bonus der CD: Pe hat sich hier von seiner Thematik gelöst und singt Händels 'Scherza infida' aus 'Ariodante'. Mit mehr Hingabe und Klangschönheit lässt sich die Arie kaum denken.

Neben Händels Arien und Szenen liegen Raffaele Pe vor allem die von Pollarolo komponierten Arien wunderbar in der Stimme. Ob Koloraturen in klingende Tiefen führen, horrende Sprünge verlangt werden oder auch wieder mehr Legato-Linien notiert sind: Die Partie scheint ihm in die Kehle geschrieben zu sein. Der Countertenor wird getragen vom Instrumentalensemble La Lira di Orfeo. Zupackend, sensibel, mit glockenklaren Solostreichern liefern die Musiker die Grundlage für packende Interpretationen. Schon das Programm der CD 'A baroque hero' klingt spannend, die Umsetzung fördert aber wahre Juwelen zu Tage.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Cesare, Giulio: A Baroque Hero: Raffaele Pe, La Lira die Orfeo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
05.10.2018
Medium:
EAN:

CD
8424562235168


Cover vergössern

Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Glossa:

  • Zur Kritik... 'Indianer'-Triptychon: Die vorliegende Einspielung von Rameaus 'Les Indes galantes' bringt fürs Kennenlernen alles mit, was man sich wünscht: hörbaren Spaß an barocker Theatralik und bei aller Schönheit einen hohen Unterhaltungswert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Spannender 'Macbeth' mit eklatanter Schwäche: Gäbe es in einer zentralen Partie keinen Totalausfall, müsste man diesen 'Macbeth' dringend empfehlen. So bleibt er ein Dokument für historisch Interessierte oder eingefleischte Fans einzelner Künstler. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Typisch englisch: Eine Graindelavoix-Platte, die interessant und zugänglich gleichermaßen ist. Das Ensemble balanciert gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Spezialität und allgemeiner Schönheit. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Glossa...

Weitere CD-Besprechungen von Silke Meier-Künzel:

  • Zur Kritik... Weite und Ruhe: Der junge isländische Tenor Benedikt Kristjánsson kombiniert auf seiner ersten Solo-CD isländische Volkslieder mit Liedern von Franz Schubert. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Sensibles Vorspiel: Karim Shehata interpretiert 15 kurze Charakterstücke mit großer Sensibilität und schafft so ein abwechslungsreiches und in sich stimmiges Programm. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Gekonnte leichte Muse: Jeanne Crousaud als Sirene Zerlina bezaubert nicht nur die Männerwelt der Opéra, sondern auch den Hörer. Hier liegt eine leichte, eingängige und abwechslungsreich musizierte Einspielung einer nicht mehr allzu bekannten Opéra comique vor. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Silke Meier-Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klingende Jahreszeiten: Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Ausdruckstiefes Meisterwerk: Wolfgang Rihms 2017 uraufgeführte 'Requiem-Strophen' in einer geradezu mustergültigen Interpretation unter der Leitung von Mariss Jansons. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Schwabenbass-Legende: Auf den ersten Blick mag es so scheinen, als wäre dieses Porträt Gottlob Fricks eine Wiederauflage der ewig gleichen Frick-Highlights, aber es gibt bei genauerem Hinsehen und Hinhören eben doch noch eine ganze Menge 'Neues' zu entdecken und zu genießen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich