> > > Bargiel, Woldemar: Complete String Quartets & String Octet: Orpheus Quartet
Montag, 28. September 2020

Bargiel, Woldemar: Complete String Quartets & String Octet - Orpheus Quartet

Querdenker


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Woldemar Bargiel, Kammermusikkomponist weit entfernt von verwandtschaftlichen Verwicklungen.

Als Halbbruder Clara Wiecks bekannt, darf man Woldemar Bargiels kompositorisches Schaffen durchaus jenseits des Schumann-Kreises hören. Seine vier Streichquartette entstanden 1848, 1849, 1851 (rev. ca. 1859) und 1888. Bargiels Klangsprache erweist sich als durchaus eigenständig, obschon er nicht ohne Grund seine aus seiner Studienzeit stammenden ersten beiden Quartettwerke keiner Opuszahl für würdig befand. Sowohl in dem E-Dur-Quartett als auch in seinem Nachfolger in d-Moll ist der Einfluss anderer noch hörbar – gleichermaßen aber auch Bargiels großes kompositorisches Können, sein Gespür für Texturen und lebendige Kontrapunktik. Doch auch eigene durchführungsartige Entwicklungen sind hier bereits zu finden, die die sonst häufig aufscheinende eher konservative Harmonik immer wieder weit hinter sich lässt.

Verve und Charme

Das in Düsseldorf beheimatete Orpheus Quartet haucht mit viel kultivierter Verve und großem Charme der Musik ihren ganz eigenen Ton ein – im 'Andante sostenuto' des Dritten Quartetts a-Moll op. 15b etwa mag in der Ferne ein Schumann’scher Ton nachhallen, aber eben nur in der Ferne: Die Musikgeschichte (und Bargiel) hat sich hörbar weiterentwickelt. Mit seinem letzten Quartett d-Moll op. 47 erweist sich Bargiel als ganz nah am Puls seiner Zeit und fast als Inspiration für den reifen Brahms.

Zwischen den ersten zwei und den letzten zwei Quartetten entstand das dreisätzige Streichoktett c-Moll op. 15a (1849), das bei Bargiels Abschlussprüfung am Leipziger Konservatorium viel Anerkennung fand. Die Texturen sind fast orchestral, dennoch kontrapunktisch fein durchdacht, und zusammen mit vier Gastmusikern gelingt dem Orpheus Quartet eine äußerst spannungsvolle, energievoll durchpulste Interpretation; auch das im Werkinneren stehende 'Andante sostenuto' vermittelt sich hier voller nervöser Innenspannung (nicht zuletzt durch die teilweise Mendelssohn‘schen Scherzoteile des Satzes), so dass die gesamte Interpretation des mehr als halbstündigen Werkes rundum aus einem Guss ist. Auch klangtechnisch ist dem Deutschlandfunk wieder einmal eine vorzügliche Produktion gelungen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bargiel, Woldemar: Complete String Quartets & String Octet: Orpheus Quartet

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
Medium:
EAN:
CD
761203509522

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Bargiel, Waldemar
 - String Quartet No.3 op.15b - Allegro ma non troppo
 - String Quartet No.3 op.15b - Allegretto commodo
 - String Quartet No.3 op.15b - Andante sostenuto
 - String Quartet No.3 op.15b - Vivace ad energico
 - String Quartet No.4 op.47 - Molto moderato, ma passionato
 - String Quartet No.4 op.47 - Andante
 - String Quartet No.4 op.47 - Allegro energico, impetuoso
 - String Quartet No.4 op.47 - Allegro ma non troppo


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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