> > > Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium BWV 248: Bachchor Mainz, Bachorchester Mainz, Ralf Otto
Freitag, 18. Januar 2019

Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium BWV 248 - Bachchor Mainz, Bachorchester Mainz, Ralf Otto

Beglaubigt


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ralf Otto und seine Ensembles setzen den erfrischenden Erfolg ihrer Johannes-Passion mit diesem klangschönen, ausgeglichen besetzten Weihnachtsoratorium fort.

Nach der famosen Johannes-Passion, die Ralf Otto mit seinen Mainzer Bach-Ensembles und einer stimmlich hochattraktiven Solistenriege Anfang des Jahres bei Naxos vorgestellt hatte, ist es nun, der Zeit im Kirchenjahr angemessen, das Weihnachtsoratorium BWV 248, das zu hören sich lohnt. Norbert Bolín weist in seinem Booklettext auf das Zyklische des Werkes hin, auf das Weihnachtsoratorium als zusammenhängendes Großwerk – vor allem auf Basis der dramaturgisch geschlossenen Erzählung des Weihnachtsgeschehens nach den Evangelien von Lukas und Matthäus. Zwar scheinen die einzelnen der sechs Teile formal je als Kantate. Doch werden sie erst alle gemeinsam zu einem wirklichen Ganzen, das neben der Bibelerzählung auch von den freien Dichtungen ausgedeutet und vervollkommnet wird – unabhängig von der Frage, ob Picander oder ein anderer kundiger Dichter für diese Textsphäre verantwortlich war. Jedenfalls ergibt das Zusammenspiel aller Elemente ein Ganzes, das deutlich macht: Bach kann 1734/35, als er das Weihnachtsoratorium erstmals aufführte, kaum etwas anderes als ein großes Werk, etwas im heutigen Sinne vielleicht Zyklisches, im Sinn gehabt haben. Die Gesamtarchitektur spricht in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache.

Versiert und stimmungsvoll

Ralf Otto vertraut den Evangelistenpart wiederum Georg Poplutz an, der seinen Ruf als eleganter, sprachmächtiger Erzähler hier deutlich unterstreicht: Die Diktion ist exzellent, die heiklen rezitativischen Linien werden mühelos und harmonisch zusammengefügt. Arios knüpft er nahtlos an diese Qualitäten an und setzt sie in diese andere Sphäre des Singens fort. In den rasanten, auch technisch fordernden Arien des zweiten ('Frohe Hirten, eilt, ach eilet') und vierten Teils ('Ich will nur dir zu Ehren leben') wirkt manche Koloratur zu sehr in die Linie integriert und zu wenig plastisch gearbeitet.

Dem über weite Strecken nicht sehr dankbaren Sopran-Part des Weihnachtsoratoriums verleiht Julia Kleiter lyrisches Format und üppigen, immer glänzend kontrollierten Klangstrom. Katharina Magiera setzt diese Ästhetik in den Alt hinein fort: Mit absolut harmonisch ineinander verblendeten Registern, auch sie lyrisch fein begabt, gleichwohl leicht genug klingend, um Bachsche Agilität zu gewinnen. Schließlich der Bass von Thomas E. Bauer, der über reichlich stimmliche Autorität verfügt, in ausgeglichenen, ungemein maskulin ausgeformten Registern voller Plastizität und Prägnanz – Potenziale, die er nicht nur arios präsentiert, sondern auch in lebendig gestalteten Rezitativen zur Geltung bringt.

Mit leichter Energie

Der Mainzer Bachchor zeigt sich in den großen Chören beweglich und mit leichter Energie, dazu getragen von einer enorm plastischen Sprachgestalt. Es entspinnt sich ein durchscheinendes, klangvolles Gewebe; allenfalls mancher Fuge – als Beispiel sei hier der Eingangschor der sechsten Kantate 'Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben' genannt – hätte etwas mehr schlagkräftige Substanz gut zu Gesicht gestanden. Choraliter singt der Chor, wie schon in der Johannes-Passion, einfach sehr stimmungsvoll, mit Kontemplation und intensiver Einfühlung, dann auch textlich gerundeter. Das Orchester ist eine nicht allzu schmal besetzte Formation, die zu geschmackvollen Klanggestalten findet, sensibel im Zusammenspiel, mit dosierter Pracht und Noblesse als Ideal. Klanglich ist das Ganze klar und gut organisiert abgebildet; der Raum der Mainzer Christuskirche ist klug gebändigt. Gelegentlich rückt der Chor etwas zu sehr in den Hintergrund, scheint das Bild zu trocken, dann einzelne Klänge isolierend. Auch gewinnen Mittelstimmen gelegentlich eine zu hohe Präsenz.

Ralf Otto und seine Ensembles setzen den erfrischenden Erfolg ihrer Johannes-Passion mit diesem klangschönen, ausgeglichen besetzten Weihnachtsoratorium fort. Stimmungssatt und glaubensgewiss. Und die Reihe der Bach-Einspielungen wird in kommender Zeit fortgesetzt: Gern also mehr.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium BWV 248: Bachchor Mainz, Bachorchester Mainz, Ralf Otto

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
2
EAN:

747313400171


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Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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