> > > Britten, Benjamin: Death in Venice: Teatro Real Chorus and Orchestra, Alejo Perez
Samstag, 24. August 2019

Britten, Benjamin: Death in Venice - Teatro Real Chorus and Orchestra, Alejo Perez

Muerte en Venecia


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Willy Decker zeigte Brittens 'Death in Venice' 2014 im Teatro Real.

Unerbittlich zerteilt der Horizont die Bühne in ein Dies- und in ein Jenseits. Eine schwarze Rampe, die vom Schatten eines Gondoliere über eine düster spiegelnde Wasserfläche gesteuert wird, ist venezianische Gondel, Sarg und Todesbarke zugleich. In Willy Deckers Inszenierung von Benjamin Brittens Oper 'Death in Venice', die das Madrider Opernhaus 'Teatro Real' 2014 aus Barcelona übernahm, werden weder Canaletto noch die bekannten Postkartenmotive der Lagunenstadt beschworen. Stattdessen wird der Tod des alternden Schriftstellers Gustav von Aschenbach, der in Venedig der Ausstrahlung des jungen Tadzio erliegt und sich auch dann nicht von ihm losreißen kann, als die Cholera die Stadt fest im Griff hält, von Anfang ins Bild gesetzt.

In Thomas Manns Novelle 'Der Tod in Venedig' und Brittens musiktheatralischer Adaption beobachtet von Aschenbach den Sohn einer polnischen Familie immer nur aus der Ferne. Bei Decker hingegen findet eine konkrete Begegnung statt, selbst wenn sie sich nur im Fiebertraum ereignet. Dass sich in Szene 13 ('The Dream') eine Horde nackter Männer auf von Aschenbach stürzt wie Geier auf ein verendetes Aas, ist wohl als Ausdruck des dionysischen Rauschs zu verstehen, der den Schriftsteller überwältigt. Es ist der Punkt, ab dem die Hauptfigur, die bislang ausschließlich apollinischen Ordnungsprinzipien gehuldigt hatte, ihre ‚Tragödie einer Entwürdigung‘ (Thomas Mann) nicht mehr aufhalten kann.

Gereifte Schönheit

Alejo Pérez beleuchtet die langsam dahinfließende Musik mit ihren feinen Nuancen, ihren flirrenden Streicherklängen, ihrer schwülen Trägheit und fiebrigen Zweideutigkeit mit großer Liebe zum Detail. Der argentinische Experte für Kompositionen des 20. Jahrhunderts sieht die Partitur nicht nur als Spiegelung des unterschwelligen Seelenlebens der Hauptfigur. Er legt auch die ganze sinnliche Schönheit frei, die das Spätwerk Brittens auszeichnet. John Daszak macht von Aschenbachs zunehmenden psychischen und physischen Verfall genauso glaubhaft wie seine Schwärmerei. Im Vergleich mit der Einspielung von 1974 erreicht Daszak nicht die makellose Diktion und Textverständlichkeit, die Brittens Lebensgefährten Peter Pears in der Rolle auszeichnete. Dafür entfaltet er während der ersten Szene, in der von Aschenbachs nachlassende schöpferische Kräfte musikalisch fassbar werden, lyrische Schönheit. Das ariose 'Does beauty lead to wisdom, Phaedrus?' macht er zum berührenden Angelpunkt der Oper. Von der spanischen Presse wurde Leigh Melrose in den verschiedenen Bariton-Rollen der Oper kritisiert, weil er seine Charaktere überzeichnet hätte. In der Tat sind seine Portraits zugespitzt und geraten in ihrer scharfen Diktion streckenweise geradezu bedrohlich. Doch das passt zu einem Konzept, in dem letztlich sämtliche Figuren – allen voran die von Tomasz Borczyk verkörperte stumme Rolle des Tadzio – Verkörperungen des Todes sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Britten, Benjamin: Death in Venice: Teatro Real Chorus and Orchestra, Alejo Perez

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

DVD
747313557752


Cover vergössern

Britten, Benjamin


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Mit und ohne Minimal: Das Tippett Quartet widmet sich mit seinen enormen Qualitäten den Streichquartetten des polnischen Komponisten Henryk Górecki. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Solider Faust: Dieser 'Faust' ist absolut anhörbar und im Falle der Marguerite sogar ausnehmend spannend. Ansonsten gibt es viele gute Gründe, weiterhin zu den beiden alten Cluytens-Aufnahmen oder jener von Georges Prêtre zu greifen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Miquel Cabruja:

  • Zur Kritik... Schönheit und symbolische Tiefe: Krzysztof Warlikowski verband in Paris Bartóks 'Herzog Blaubarts Burg' mit Poulencs Telefon-Oper 'La voix humaine'. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Bis heute modern: Dieser 'Tribut in fünf Balletten' zeigt die russische Tänzerin Maya Plisetskaya in bedeutenden Rollen. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Entschieden zu wenig: 2003 ließ sich die Opéra Garnier durch Edgar Degas' Plastik 'La petite danseuse de quatorze ans' zu einem Ballett inspirieren, das 2010 auf Film festgehalten wurde. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
blättern

Alle Kritiken von Miquel Cabruja...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich