> > > Trip to Russia: Daniel Müller-Schott, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Aziz Shokhakimov
Sonntag, 20. Oktober 2019

Trip to Russia - Daniel Müller-Schott, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Aziz Shokhakimov

Melodieselige Cello-Virtuosität


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Original-Werke und melodieselige Arrangements für Cello und Orchester von russischen Komponisten präsentiert Daniel-Müller Schott hier auf höchsten Niveau.

Daniel Müller-Schotts Diskographie kann sich sehen lassen. Der Cellist hat fast alle gängigen Konzerte des Repertoires (etwa von Haydn, Schumann, Schostakowitsch und Dvořák) eingespielt, daneben auch selten zu hörende Werke von Volkmann, Raff und Walton. Doch nicht nur die große Konzertliteratur liegt ihm am Herzen, auch als Kammermusik-Partner hat er zahlreiche CDs vorgelegt. Mit seiner neuesten Veröffentlichung widmet sich Müller-Schott drei russischen Komponisten, die zwar nicht ein ‚klassisches‘ Cellokonzert geschrieben haben, aber doch Werke für Cello und Orchester.

Der berühmteste der drei Tondichter ist ohne Zweifel Peter Tschaikowsky, dessen 'Rokkoko-Variationen' bereits vielfach aufgenommen wurden. Deutlich seltener zu hören sind hingegen die übrigen Werke dieser als 'Trip to Russia' betitelten Silberscheibe: Das 'Pezzo capriccioso' op. 62, 'Souvenir d‘un lieu cher' op. 42, 'Nocturne' op. 19 und 'Andante cantabile' op. 11 (alle vier Stücke ebenfalls von Tschaikowsky), die 'Zwei Stücke' op. 20 und der 'Chant du ménestrel' op. 71 von Alexander Glasunov sowie die kurze Serenade op. 37 von Nikolai Rimsky-Korsakov. Das deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Aziz Shokhakimov begleitet Müller-Schott in den (meist kurzen) Stücken; lediglich das 'Souvenir d‘un lieu cher' und die 'Rokkoko-Variationen' haben eine etwas größere Ausdehnung.

Lyrisch und kantabel

 

Der Titel von Glasunovs 'Chant du ménestrel' könnte ohne Weiteres als Motto über der gesamten Veröffentlichung stehen, denn ‚Chant‘ – also Gesang – spielt hier die zentrale Rolle. Dass man auf dem Cello gleichsam singen, also die menschliche Stimme imitieren könne, ist ein Kompliment, das guten Cellisten gerne gemacht wird. Doch wenige haben es so verinnerlicht wie Müller-Schott; die lyrisch-kantable Dimension seines Instrumentes kostet er hier so überragend aus, dass die Virtuosität fast ein wenig ins Hintertreffen gerät. Die 'Meditation' beispielweise, der erste der drei Abschnitte aus 'Souvenir d‘un lieu cher' ist gleichsam ein einziger (Klage-)Gesang auf dem Cello, wirklich überragend musiziert. Die Orchestermusiker müssen da freilich ein gutes Stück in den Hintergrund treten, das Glasunov-Arrangement ist gänzlich auf die melodische Strahlkraft des Solisten zugeschnitten. Über diese verfügt Müller-Schott in scheinbar unbegrenztem Maße, so dass ihm auch noch genügend Spielraum für feinste dynamische Nuancen bleibt.

Energischer Trip

Die 'Rokkoko-Variationen' sorgen dann dafür, dass auch Freunde des virtuosen Cello-Spiels auf ihre Kosten kommen. Das gerne als ‚inoffizielles Tschaikowsky-Cellokonzert‘ betitelte Werk greift Müller-Schott mit hörbarer Lust am rasanten Spiel so energisch an, dass das Orchester an einigen Stellen fast nicht hinterherkommt. Shokhakimov hat alle Hände voll zu tun, dem Solisten auf seinem hier in der Tat höchst energischen Trip zu folgen. Anders als in den übrigen Stücken und Arrangements darf das Orchester hier ein gewichtiges Wort mitreden, im Laufe der Variationen können sich vor allem die Holzbläser profilieren. Die Klangqualität ist insgesamt sehr gut, der Solist steht zwar ein wenig stark im Vordergrund, doch dies dürfte den Erwartungen der meisten Hörer an eine CD mit Konzerten (oder konzertanten Stücken) entsprechen.

Die übrigen, kürzeren Stücke fallen gegenüber den 'Rokkoko-Variationen' und dem 'Chant du ménestrel' zwar ein wenig ab, zeigen aber immer noch die bekannten Tugenden Müller-Schotts: höchste Gestaltungskraft auf seinem Instrument bei Wahrung einer optimalen Balance zwischen Sanglichkeit und Virtuosität. Da kann man beglückt zuhören und vergisst beinahe, wie heftig angefeindet Tschaikowskys Musik (und ihr Publikum) einst von der Avantgarde wurde. Doch das ist lange her – heute kann man fast schon darüber lächeln. Ganz ohne Kitsch, ganz ohne Klischee zeigt Müller-Schott mit seinem 'Trip to Russia', dass Tschaikowskys Musik völlig zu Recht fest im Repertoire verankert ist. Da darf es ruhig hier und da melodieselig werden.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Trip to Russia: Daniel Müller-Schott, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Aziz Shokhakimov

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
12.10.2018
Medium:
EAN:

CD
4011790933122


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Glasunow, Alexander
Rimsky-Korsakow, Nikolai
Tschaikowsky, Peter


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
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