> > > Schumann, Robert: Spanisches Liederspiel: Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier, Walter Berry, Paul Schilhawsky, Erik Werba
Freitag, 18. Januar 2019

Schumann, Robert: Spanisches Liederspiel - Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier, Walter Berry, Paul Schilhawsky, Erik Werba

Pralinen zum Dessert


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Salzburger Liederabend zeigt die vier namhaften Solisten und ihre Begleiter in Höchstform: schwungvoll, mitreißend, begeisternd.

Am 25. August 1974 läutete ein besonderes Konzert den letzten der angesetzten Liederabende im Rahmen der Salzburger Festspiele ein: Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier und Walter Berry nahmen sich, begleitet von Erik Werba und Paul Schilhawsky, des 'Spanischen Liederspiels' von Robert Schumann und der 'Liebeslieder-Walzer' op. 52 von Johannes Brahms an. Die internationale Presse war bereits abgereist und verpasste somit diesen herrlich pointierten Liederabend, der wie eine feine Praline zum Dessert den Festspielsommer final veredelte. Umso erfreulicher ist nun die Veröffentlichung dieser Spezialität beim Label Orfeo auf einer knapp 50-minütigen CD.

Während Brahms‘ 'Liebeslieder-Walzer' immer mal wieder, auch von Chören, auf dem Konzertspielplan auftauchen, darf Robert Schumanns 'Spanisches Liederspiel' als kleine Rarität gelten, die auch auf Tonträgern stark unterrepräsentiert ist. Die Irrungen, Wirrungen, Freuden und Leiden der Liebe gießt Schumann hier in temperamentvolle kleine Miniaturen, die vornehmlich als Duette sowie in zwei Solonummern und zwei Quartetten Gestalt annehmen. Für die Umsetzung braucht es erstklassige Solisten, die über die richtige Mischung aus Humor und großer Ernsthaftigkeit verfügen. Das 1974 in Salzburg versammelte Quartett nennt all die notwendigen Qualitäten sein Eigen. Detailverliebt und frei von Sentimentalität spannen die vier erfahrenen Liedsänger große Bögen, phrasieren so kunstvoll und zugleich so ungekünstelt, dass es eine Wonne ist, ihnen zuzuhören. Dass ihre Artikulation zudem hervorragend ist, macht ihre Interpretation nur noch fesselnder. Erik Werba an den Tasten versteht es, diese Schumann-Trouvaille mit leichter Hand, stets die Solisten unterstützend, zu servieren. Die vier trägt es quasi auf den Wellen seiner Begleitkunst beschwingt dahin.

Faszinierender Zusammenklang

Faszinierend ist der harmonische Zusammenklang des Quartetts. Die Stimmen blenden auf der einen Seite hervorragend, wenn es gefragt ist, auf der anderen Seite atmen diese vier höchst individuellen Stimmen eine große Freiheit im authentischen Eigenklang. Was sich einig findet, darf zugleich vereinzelt strahlen – genau dieser scheinbare Widerspruch macht das Erlebnis dieses Liederabends so faszinierend. Und zu welcher solistischen Größe die einzelnen Künstler finden, lässt sich schon in Schumanns 'Liederspiel' am Beispiel von Brigitte Fassbaender und Peter Schreier nachvollziehen: Mit herber Schönheit trumpft die junge Fassbaender in 'Melancholie' auf und Peter Schreier zeigt sich als Meister der Farben und Bögen in 'Geständnis'.

Die 'Liebeslieder-Walzer' von Johannes Brahms zeigen die launig und schwungvoll agierenden Künstler in Höchstform – und zu Erik Werba gesellt sich für den vierhändigen Klavierpart nun der Lied-erfahrene Paul Schilhawsky. Hier darf endlich auch Edith Mathis‘ glasklarer Sopran solistisch aufblühen und Schreier und Berry zeigen sich von ihrer Seite als Erzkomödianten in 'O die Frauen, o die Frauen'. Gerade in der Besetzung der Herren ist dieser Mitschnitt von Brahms‘ Opus 52 der späteren Einspielung von 1981 bei der Deutschen Grammophon – ebenfalls mit Mathis, Fassbaender, Schreier, aber mit Fischer-Dieskau anstelle von Berry – an Natürlichkeit deutlich überlegen und auch die Liveatmosphäre trägt zum lebendigen und mitreißenden Gesamteindruck entschieden bei. Am Ende der CD ist man fast enttäuscht, dass das Konzert bereits sein walzendes Finale erreicht haben soll. Die kunstvolle Leichtigkeit und Musikalität aller Mitwirkenden hallen aber noch lange nach.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Robert: Spanisches Liederspiel: Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier, Walter Berry, Paul Schilhawsky, Erik Werba

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
12.10.2018
EAN:

4011790953120


Cover vergössern

Brahms, Johannes
Schumann, Robert


Cover vergössern

ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ORFEO:

  • Zur Kritik... In jeder Hinsicht besonders: Es ist ein in jeder Hinsicht sehr besonderer Liederabend, den man auf der neuen CD von Elisabeth Kulman beim Label Orfeo nun nachhören kann. Das liegt einerseits an einer spannenden Liedauswahl, andererseits am zwingenden Charme des Lied-Duos Elisabeth Ku Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Wiener Hommage: Diese randvolle CD erinnert an Dmitri Hvorostovskys Wirken auf der Bühne der Wiener Staatsoper – mit Tschaikowsky, Bellini, Rossini und vor allem viel Verdi. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Facettenreichtum aus zehn Jahren: Die Sopranistin Nina Stemme zieht den Hörer mit Liveausschnitten aus einigen Werken Richard Wagners aus der Wiener Staatsoper aus den Jahren 2003 bis 2013 in ihren Bann. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von ORFEO...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Spannender 'Macbeth' mit eklatanter Schwäche: Gäbe es in einer zentralen Partie keinen Totalausfall, müsste man diesen 'Macbeth' dringend empfehlen. So bleibt er ein Dokument für historisch Interessierte oder eingefleischte Fans einzelner Künstler. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Kuschel-Klassik: 'Puccini In Love' bringt nichts unerhört Neues und ist ein vermutlich gut zu vermarktendes Dokument für Fans, das ohne Frage genießbar ist. Den Komponisten drängt diese Kuschel-CD aber in eine gefährliche Kitsch-Ecke. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Dresdner Archiv-Juwel: Endlich ist sie zugänglich: die Dresdner 'Daphne' von 1950. Für Sammler ist diese Doppel-CD ein Muss! Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Goldstandard: Das Orlando Consort steht seit einigen Jahren für den Goldstandard bei Guillaume de Machaut. Und die Vokalisten setzen das im sechsten Teil ihrer Reihe ohne Mühe fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Spannender 'Macbeth' mit eklatanter Schwäche: Gäbe es in einer zentralen Partie keinen Totalausfall, müsste man diesen 'Macbeth' dringend empfehlen. So bleibt er ein Dokument für historisch Interessierte oder eingefleischte Fans einzelner Künstler. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Lebendige Musik: Rubén Dubrovsky interpretiert zusammen mit Andreas Scholl, dem Salzburger Bachchor und dem Bach Consort Wien Werke von Antonio Vivaldi aus seiner Zeit als künstlerischer Leiter in einem venezianischen Waisenhaus. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (1/2019) herunterladen (2248 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georg Philipp Telemann: Fantasia A-Dur TWV 40:33 - Grave

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich