> > > Fagerlund, Sebastian: Höstsonaten: Finnish National Opera Chorus & Orchestra, John Storgards
Montag, 25. Mai 2020

Fagerlund, Sebastian: Höstsonaten - Finnish National Opera Chorus & Orchestra, John Storgards

Bildhaftes Drama


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fagerlunds ist nicht einfach 'nur' eine Filmoper, sondern ein eigenständiges Werk, das die Mittel des Musiktheaters überzeugend zu nutzen versteht.

Das gibt es mittlerweile verstärkt: Opern, die auf Filmen oder zumindest berühmten Filmskripts basieren. Da reicht die Palette von 'Brokeback Mountain' über 'Dead Man Walking' bis hin zu Olga Neuwirths jüngster David-Lynch-Veroperung. Nicht immer stellt sich durch die Vertonung ein erkennbarer Mehrwert ein, etwas, das die Oper vielleicht zu erzählen im Stande wäre, was über die Mittel des Films hinausreicht. Aber es gibt Ausnahmen und überzeugende Adaptionen, zu denen auch Sebastian Fagerlunds 'Höstsonaten' gehört, eine Oper auf der Basis von Ingmar Bergmanns berühmten Film 'Herbstsonate'. Das zweiaktige Musikdrama wurde im September 2017 in Helsinki uraufgeführt und ist nun zeitnah beim Label BIS auf zwei SACDs erschienen.

Neue Ebenen

Was an Fagerlunds 'Höstsonaten' vom ersten Moment an fasziniert, ist die farbenreiche Musik. Das ist nicht kopfig oder geheimnisvoll konstruiert, sondern emotional unmittelbar erfassbar – in vielen Punkten fast schon traditionell. Der Komponist hat ein hörbar großes Gespür für opernhafte Dramatik, nutzt die Möglichkeiten kontemplativer Situationen, baut Ensembles, Soloszenen und expressiv zugespitzte Konfrontationen. Klug ist auch die Entscheidung, die dem Text innewohnende und vielleicht auf den ersten Blick sinnfällige Musik, nämlich das Klavierspiel der Protagonistin Charlotte Andergast, vollständig auszuklammern. Damit musikalisiert er effektvoll das Drama, erschließt neue Ebenen, ohne in die Gefahr zu geraten, die eigene Klangwelt durch ‚Musik in der Musik‘ zu torpedieren. Wunderbar und beklemmend zugleich gerät somit die Szene, in der Charlottes Tochter Eva ihrer Mutter am Klavier etwas vorspielt. Gerade das Nichtvorhandensein dieses eigentlich zentralen Elements vergrößert die Not, den Schmerz, den Verlust, den alle Figuren mit sich herumtragen. Jeder bleibt in seiner Welt, allen voran Charlotte, deren Publikum in Gestalt des Chores immer an ihrer Seite zu sein scheint. Sie bleibt eine Person des öffentlichen Interesses, immer unter Druck, gefangen in sich selbst, ohne einen Ausweg, privat und vielleicht somit auch Mutter zu sein.

John Storgards lässt es im Orchestergraben mit dem Orchester der Finnischen Nationaloper ordentlich aufbrausen, findet aber auch den Puls und die Kraft für die intimen und zarten Passagen. Niemals reißt der Spannungsfaden ab, die Sänger wirken optimal unterstützt, sowohl im Parlando als auch in den ariosen Momenten.

Grande Dame der Oper

Vermutlich effektvollstes Zugpferd dieses Mitschnitts ist Anne Sofie von Otter als Charlotte. Diese Grande Dame der Oper besitzt die nötige Ausstrahlung und die Fähigkeit, mit kleinen Farbnuancen Haltungen zu kreieren. Ihre Charlotte ist nicht einfach nur kalt oder gar unnahbar, ihr gelingt vielmehr das Kunststück, Empathie einzufordern. Das geht unter die Haut. Stimmlich hört man von Otter ihr Alter fraglos an, eine gewisse Schärfe schleicht sich je nach Register ein, aber sie verfügt noch immer über das unverwechselbare Timbre, die Wärme und Authentizität, mit der sie seit Jahrzehnten ihr Publikum in Bann schlägt.

An Intensität und vokaler Glut steht ihr Erika Sunnegardh als Eva in nichts nach. Furcht- und schonungslos zeichnet sie mit ihrem dramatischen Sopran das Porträt einer zerrissenen und gebrochenen Frau. Da stört es kein bisschen, dass Sunnegardhs Vibrato manchmal unkontrolliert ausbricht oder die Tonschönheit häufig hinter dem Ausdruck zurückbleibt. Diese Eva ist mitreißend und glaubwürdig, der Gesang das einzig richtige Mittel, sich Gehör zu verschaffen. Helena Juntunen verleiht der bei Bergmann stummen Helena mit klangschönen Soprantönen von gläserner Faktur ein verstörend unschuldiges und berührendes Profil. Als Viktor gibt sich der Bariton Tommi Hakala bodenständig, kernig und mit viel klingendem Herzblut. Den verstorbenen Lebensgefährten Charlottes, Leonardo, stattet Nicholas Söderlund mit sonoren Basstiefen aus. Der hervorragende Chor der Finnischen Nationaloper kommentiert als Charlottes Fans das Geschehen unerbittlich und fordernd.

Fagerlunds 'Höstsonaten' hat bei aller musikalischen Dichte und interpretatorischen Überzeugungskraft noch eine weitere Qualität: Das Drama stellt sich sogar auf CD bildhaft ein. Man vermisst keine Inszenierung – und damit auch keinen Film –, sondern taucht mit Fagerlunds Musik und den Protagonisten in ein Drama, das Bilder und Emotionen im Kopf entstehen lässt. Hoffentlich wird diese Oper andernorts noch häufig nachgespielt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fagerlund, Sebastian: Höstsonaten: Finnish National Opera Chorus & Orchestra, John Storgards

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
05.09.2018
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599923574


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Fagerlund, Sebastian


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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