> > > Bach, Johann Sebastian: Motetten: Chor des Bayerischen Rundfunks, Howard Arman
Freitag, 29. Mai 2020

Bach, Johann Sebastian: Motetten - Chor des Bayerischen Rundfunks, Howard Arman

Aus der Zeit gefallen


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Aufnahme der Motetten Bachs, die an die an die Zeit Karl Richters anknüpft, als hätte es die historische Aufführungspraxis nie gegeben.

Der Chor des Bayerischen Rundfunks gehört sicherlich zu den bedeutendsten Chören Deutschlands. Immer wieder wird in Rezensionen auf seine Stärke und Bedeutung hingewiesen: Man lobt seine Ausdrucksstärke und klangliche Homogenität. Ein wesentlicher Anteil daran kommt Mariss Jansons zu, der seit 2003 nicht nur Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, sondern auch des Chores ist. Die künstlerische Leitung wechselte jüngst. Nachdem Peter Dijkstra den Chor bis 2016 führte, ist es nun Howard Arman. Unter seiner Leitung ist diese Aufnahme mit Bachs Motetten dann auch entstanden – eine Studioaufnahme, der aber Livekonzerte im Herkulessaal der Münchner Residenz im November 2017 zugrunde liegen. Der Klang ist ausgewogen, nur manchmal etwas dumpf, das Booklet mit einem informativen, aber kurzen Essay, in dem die Motetten in den Kontext von Trauer- und Begräbnismusik gestellt werden.

Die fünf Motetten werden nicht ganz a capella gesungen, sondern dezent von Max Hanft an der Orgel und Günter Holzhausen an der Violone, einer Frühversion des heutigen Kontrabass, begleitet. Wer nun meint, der Einsatz eines alten Instruments bedeute bereits, dass sich Armans Interpretation der Motetten an der historischen Aufführungspraxis orientiert, der irrt. Es ist geradezu irritierend, wie unmittelbar der Chor des Bayerischen Rundfunks an längst vergangene Zeiten anzuknüpfen scheint: Als hätte es zwischen Karl Richter und heute keine Weiterentwicklung in der Aufführungspraxis der Motetten gegeben. Der Klang des Chores ist geradezu fett und süffig, die Tempi sind eher breit, auf die Möglichkeit, einige Passagen eher solistisch zu singen, wird verzichtet. Das kann man natürlich so machen, die historische Aufführungspraxis ist kein Dogma und wer einen großen, eher romantischen Bachklang auch heute noch schätzt, könnte zu dieser Aufnahme greifen. Erschwerend kommt dann aber noch etwas anderes hinzu: Die musikalische Textausdeutung Bachs, die bei anderen Interpreten vielleicht etwas übertrieben herausgearbeitet wurde, bleibt doch zu sehr auf der Strecke. Der Motette 'Komm, Jesu, komm' fehlt das Fahle, Lebensmüde und Sehnsüchtige; in 'Jesu, meine Freude' klingen die Choräle und Strophen zu ähnlich, die Leichtigkeit, mit der die Koloraturen in 'Ihr aber seid nicht fleischlich' in anderen Aufnahmen gesungen werden, vermisst man in dieser Aufnahme. Nein, glücklich geworden bin ich mit dieser Aufnahme nicht. Für eingefleischte Fans des Chores mag sie eine Freude sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Motetten: Chor des Bayerischen Rundfunks, Howard Arman

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
28.09.2018
061:19
2018
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719005233
900523


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Bach, Johann Sebastian


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"Die in Bachs ersten Leipziger Jahren entstandenen Motetten bilden eine eigene Werkgruppe, die abseits seiner übrigen geistlichen Musik steht: Sie waren nämlich nicht für die reguläre Kirchenliturgie bestimmt, sondern für private Anlässe. Deshalb sind sie je nach Wunsch der Auftraggeber oder Bachs eigenen Ideen sehr individuell zugeschnitten. Gemeinsam – und im Gegensatz zu den „modernen“ Kantaten – haben sie eine konservative Tendenz und stehen in der Tradition der Vokalpolyphonie, die im 16. Jahrhundert zu höchster Blüte gelangt war. Der Chor wird nicht von einem Orchester sondern bloß von einer schlichten instrumentalen Begleitung mit Generalbass getragen. Zum Ausgleich für das fehlende Orchester ist der Vokalsatz noch komplexer und detaillierter ausgefeilt als sonst: Auf engem Raum kommen alle möglichen Satztechniken, kontrapunktisch und konzertant, Choralsatz und Doppelchörigkeit, zum Einsatz. Mit äußerlich zurückgenommenen Mitteln schuf Bach damit ebenso bedeutende und ausdrucksstarke Musik wie in seinen großbesetzen Werken. Bachs Motetten waren die ersten Werke, die schon vor der Wiederaufführung der „Matthäus-Passion“ 1829 die Bach-Renaissance einleiteten und die bis heute eine ungebrochene Aufführungstradition aufweisen – auch deshalb, weil sie eben nicht für den Gottesdienst, sondern für eine frühe bürgerliche Festkultur entstanden sind. Bis heute bedeuten Bachs Motetten für jeden Chor eine besondere künstlerische und interpretatorische Herausforderung. Der Chor des Bayerischen Rundfunks unter seinem künstlerischen Leiter Howard Arman hat nun eine Auswahl der bekanntesten Motetten Bachs aufgenommen: „Jesu, meine Freude“ BWV 227 für fünfstimmigen Chor sowie die insgesamt vier Motetten für Doppelchor „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225, „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ BWV 226, „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ BWV 228 und „Komm, Jesu, komm“ BWV 229. Die Studioaufnahmen entstanden im November 2017 und März 2018. Nun werden diese Meisterwerke der barocken Vokalpolyphonie – interpretiert von einem der besten Chöre der Welt – bereits auf einer CD von BR Klassik veröffentlicht. MAX HANFT, Orgel GÜNTER HOLZHAUSEN, Violone CHOR DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS HOWARD ARMAN, Dirigent "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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