> > > Dubois, Théodore: Violin Concerto, Sonata, Ballad: Ingolf Turban, Deutsche Radio Philharmonie, Raoul Grüneis
Dienstag, 19. Februar 2019

Dubois, Théodore: Violin Concerto, Sonata, Ballad - Ingolf Turban, Deutsche Radio Philharmonie, Raoul Grüneis

Etwas angestaubt, aber dennoch eine Entdeckung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer bereit ist, die eine oder andere Schwäche im Schaffen von Théodore Dubois zu akzeptieren, dem kann diese neue CD des Geigers Ingolf Turban bedenkenlos empfohlen werden.

Zu Lebzeiten mit Ehren und Ämtern überhäuft, nach dem Tod schnell vergessen und heute – zumindest teilweise – wiederentdeckt: So wie Théodore Dubois (1837–1924) ging es vielen Komponisten. Gab es noch vor einigen Jahren fast gar keine Einspielungen mit Werken des französischen Romantikers, so hat sich hier jüngst einiges auf dem Tonträger-Markt getan. Unter anderem sind Werke für Klavier und Orchester in der Hyperion-Reihe 'The Romantic Piano Concerto' erschienen, und auch einzelne Kammermusik-Werke aus seiner Feder sind mittlerweile verfügbar. Nun widmet der Geiger Ingolf Turban dem Komponisten eine komplette CD, auf der drei Werke versammelt sind: Das (einzige) Violinkonzert in d-Moll, die Henri Marteau gewidmete Violinsonate und (ebenfalls für Violine und Klavier) die kürzere 'Ballade'. Alle drei Werke folgen der klassischen Tradition und bieten weder formal noch tonsprachlich bahnbrechende Innovationen – dies ist auch nicht zu erwarten von einem Komponisten, der schon von seinen Zeitgenossen als konservativ, wenn nicht gar reaktionär wahrgenommen wurde. Turban wird im Konzert von der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern unter Raoul Grüneis begleitet, in der Sonate und der Ballade vom Pianisten Lukas Maria Kuen.

Blitzsaubere Leistung

Das knapp halbstündige, 1896 komponierte Konzert stellt einem klar dominierenden Solisten ein eher dezent begleitendes Orchester an die Seite, so dass hier fast alles mit der geigerischen Leistung steht und fällt. Nur in der Exposition des Kopfsatzes werden die Orchestermusiker ein wenig gefordert, nach dem Auftritt der Violine bleibt diese stets im Vordergrund. Turban verfügt über alle notwendigen Fähigkeiten, dem anspruchsvollen, wenn auch manchmal etwas weitschweifigen Solopart gerecht zu werden, und holt mit einer blitzsauberen Leistung das Maximum aus diesem Werk heraus. Dynamisch höchst flexibel, mit höchster Akkuratesse und einer eher lyrischen Grundhaltung überzeugt er vollauf – dass das Konzert selbst im Vergleich mit den Gipfelwerken der Gattung, etwa von Beethoven oder Mendelssohn, etwas blass bleibt, kann man ihm nicht ankreiden. Die Orchestermusiker bewältigen ihren meist überschaubaren Part mühelos und rollen dem Solisten so den ‚roten Teppich‘ aus, der die virtuose Entfaltung Turbans ermöglicht. Da auch die klangliche Balance zwischen Solo und Orchester bestens ist, entsteht ein rundum überzeugender Eindruck dieses selten gespielten, aber sehr klangschönen Konzertes.

Einwandfreie Technik

Etwas harmloser wirkt die Violinsonate, die zwar – wie das Konzert – gut zur Demonstration geigerischer Fähigkeiten geeignet ist, aber in ihren Themen und deren Verarbeitung nicht mit ihm konkurrieren kann. Wer ein Musizieren auf Augenhöhe – wie etwa in den meisten Sonaten Beethovens – erwartet, dürfte enttäuscht werden: Zwar ist der Klavierpart nicht gerade einfach, doch auch in den wildesten Läufen immer nur als Begleitung der Violine gedacht, so dass sich Kuen hier mit der Begleitrolle zufrieden geben muss (und dies auch tut). Turban setzt die positiven Akzente, die im Konzert überzeugen konnten, auch hier: Einwandfreie Technik und die Fähigkeit, Dubois‘ (vor allem im Mittelsatz) lange Melodiebögen souverän zu spannen, gehen einher mit höchst sensiblen dynamischen Abstufungen. Dass die im Jahr 1900 entstandene Sonate im Vergleich mit anderen Werken jener Zeit schon etwas antiquiert, um nicht zu sagen angestaubt wirkt, muss den aufgeschlossenen Hörer da nicht stören.

Zusammen mit der melancholischen 'Ballade', die von Turban und Kuen ebenfalls in bestens austarierter Balance vorgetragen wird, hinterlassen Konzert und Sonate einen sehr guten Eindruck von der Musik eines Tondichters, den man guten Gewissens in die zweite Reihe einordnen darf, ohne ihm damit Unrecht zu tun. Georg-Albrecht Eckle spricht im Beiheft von ‚verborgenen Schätzen‘, weist aber auch auf die Schwachpunkte von Dubois Schaffen hin. Vor allem das Konzert sei, so Eckle, ‚ein wahres Geschenk für sensible Instrumentalisten‘. Turban, aber auch Kuen und ebenfalls das Orchester unter Grüneis verfügen über die notwendige Sensibilität – so gerät diese CD zu einer Entdeckung für alle Hörer, die jenseits der Gipfelwerke zwischen Mendelssohn und Berg weitere Kompositionen kennenlernen möchten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dubois, Théodore: Violin Concerto, Sonata, Ballad: Ingolf Turban, Deutsche Radio Philharmonie, Raoul Grüneis

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203793228


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Dubois, Theodore
 - Violin Concerto in D minor - Allegro
 - Violin Concerto in D minor - Adagio
 - Violin Concerto in D minor - Allegro giocoso
 - Sonata for Violin & Piano - Allegro appassionato
 - Sonata for Violin & Piano - Andante quasi adagio
 - Sonata for Violin & Piano - Allegro deciso, con fuoco
 - Ballad for Violin & Piano -


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Dirigent(en):Grüneis, Raoul
Orchester/Ensemble:Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Interpret(en):Turban, Ingolf


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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