> > > Mahler, Gustav: Symphonie Nr.2: Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Dienstag, 19. November 2019

Mahler, Gustav: Symphonie Nr.2 - Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Monumentaler Mahler


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentieren Mahlers Zweite Sinfonie auf höchstem Niveau.

Gustav Mahler knüpfte mit seiner Zweiten Sinfonie c-Moll auch insofern an die Erste an, als der erste Satz, ursprünglich mit 'Todtenfeier' betitelt, den ‚Helden‘ des Vorgängerwerkes betrauert: Die Zweite beginnt mit einem Trauermarsch. In dieser Live-Aufnahme aus der Philharmonie im Gasteig von Mai 2011 entfesselt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung seines Chefdirigenten Mariss Jansons nicht nur im ersten Satz ein Spiel der Kräfte und lässt das ‚innere Schicksal‘ der Musik sich entfalten – mit eindrücklichen Blechballungen, aber auch einer erstklassigen Arbeit an den Feinheiten der Partitur.

Erzählerisches Moment

Ein beeindruckendes Gespür für die Gebrochenheit und Mehrdimensionalität von Mahlers Sinfonik und das ihr innewohnende erzählerische Moment legen die Interpreten in allen Sätzen an den Tag. Im 'Andante moderato', einer ‚idyllischen Musik über Musik-Idylle‘ (Wolfram Steinbeck), hinsichtlich des Aufruhrs im Mittelteil etwa oder der Ländleridylle, und im dritten Satz mit seiner gleichsam in sich selbst gefangenen Bewegung und den brillierenden Trompeten. Der monumentale ‚Schrei des Ekels‘ (Mahler) gerät erschütternd. Diese Aufnahme aus dem hauseigenen Label BR-Klassik überzeugt mit gewohnt hoher Klangqualität. Das Booklet bietet einen soliden Einführungstext, aber leider nicht die Gesangstexte.

In 'Urlicht', dem kurzen vierten Satz, kommt es zu einer Erlösung durch das Wort im doppelten Sinn: Das Wort ‚erlöst die Musik aus ihrer (verbalen) Sprachlosigkeit‘ (Steinbeck) und der Text des 'Wunderhorn'-Gedichts selbst spricht von Erlösung. Die Schönheit des Gesangs (Bernarda Fink, Alt), des Bläserchorals und des Oboensolos bezirzt. Im gut halbstündigen Finale, dessen instrumentale erste Hälfte auf den Choreinsatz hinführt, wird das komponierte Chaos präzise geschildert, steuern die scharf konturierten Klangmassen souverän auf Höhepunkte zu. Der Chor des Bayerischen Rundfunks sowie Anja Harteros (Sopran) und Bernarda Fink gestalten die vertonte Klopstock-Ode, der das Werk den Beinamen 'Auferstehungssinfonie' verdankt, ungemein stimmungsvoll. Überhaupt beherrschen die Interpreten Mahlers Musiksprache auf höchstem Niveau, bringen sie die Semantik der Motive und Topoi vielsagend zum Sprechen und entwerfen zugleich einen weiten Bogen im jeweiligen Einzelsatz und im sinfonischen Ganzen. Hier sind wahre Mahler-Experten am Werk.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mahler, Gustav: Symphonie Nr.2: Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
28.09.2018
080:56
2011
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001679
900167


Cover vergössern

Mahler, Gustav


Cover vergössern

"GUSTAV MAHLER SYMPHONIE NR. 2 Gustav Mahlers zweite Symphonie sollte jedes bekannte Format sprengen – und sie sollte sich mit den großen Sinnfragen auseinandersetzen: „Warum hast du gelebt? Warum hast du gelitten? Ist das alles nur ein großer, furchtbarer Spaß? Wir müssen diese Fragen in irgendeiner Weise lösen, wenn wir weiter leben sollen.“ – so der Komponist. Ähnliche Fragen beschäftigten ihn ein Leben lang, besonders stark während der Zeit als Hamburger Opernkapellmeister. Die zweite Symphonie, die auch als „Auferstehungssymphonie“ bezeichnet wird, ist ganz Ausdruck von Mahlers existenziellem Ringen – was sich in ihrer Form und ihrer überwältigenden Klanglichkeit nachvollziehen lässt. Die Entstehungsgeschichte der Symphonie erstreckte sich über mehrere Jahre; sie entstand zwischen 1888 und 1894. Im September 1888 war der erste Satz, der zu diesem Zeitpunkt noch den Titel „Totenfeier“ trug, bereits abgeschlossen. Der zweite und dritte Satz entstanden erst 1893 und das gesamte Werk konnte Mahler dann 1894 fertigstellen. Die Idee zum Finalsatz, der die Idee der Auferstehung vertont, kam ihm laut eigener Aussage 1894 während der Totenfeier für den Dirigenten Hans von Bülow in der Hamburger St. Michaelis-Kirche. Zeitgleich arbeitete er an den Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“, von denen er das Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ instrumental und das Lied „Urlicht“ vokal in der Sinfonie wiederverwendete. Das Werk folgt, wie die meisten Symphonien Mahlers, dem Motto „Per aspera ad astra“ (Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen). Ausgehend von einem Trauermarsch im Hauptthema des Kopfsatzes – dem Vorüberziehen eines drangvollen, von Tatkraft, Schmerz, Schicksal und nur kurzen schönen Momenten bewegten Lebens – schließt die Symphonie in einem triumphalen Auferstehungssatz: Mahlers pointierter Zusammenfassung des gesamten Meisterwerks, welcher er Klopstocks Gedicht „Auferstehung“ zugrunde legte. Dieses Finale ist Mahlers längster Symphoniesatz überhaupt. Die Uraufführung der vollständigen Symphonie fand am 13. Dezember 1895 in Berlin unter Mahlers Leitung statt; vorher (am 4. März 1895) hatte er bereits die ersten drei Sätze aufgeführt. Die Uraufführung der zweiten Symphonie fand somit erst nach derjenigen der dritten statt. Die Reaktionen waren anfangs verhalten, doch heute gilt das Werk als eine der beliebtesten Symphonien Mahlers. – Das Münchener Konzertereignis vom Mai 2011 erscheint nun bei BR Klassik als CD – die hochkarätig besetzte und herausragende Interpretation einer der wesentlichsten Kompositionen des symphonischen Repertoires der Spätromantik. "


Cover vergössern

BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BR-Klassik:

  • Zur Kritik... Nicht ausgereizt: Mariss Jansons nähert sich Tschaikowskys Fünfter emotional etwas zu kontrolliert. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Das alternative Brahms-Erlebnis mit Otto Klemperer: Bevor Otto Klemperer die Brahms-Symphonien für EMI in London im Studio einspielte und damit einen Meilenstein der Brahms-Diskografie schuf, dirigierte er die Vierte 1957 live in München. Jetzt wurde der Mitschnitt neu remastered auf CD veröffentlicht. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Vokale Schwankungen: Ivan Repusic erweist sich in Verdis 'I Due Foscari' wieder einmal als leidenschaftlicher Operndirigent. Der Mitschnitt kann allerdings auf Grund der Solistenriege nur bedingt überzeugen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von BR-Klassik...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Dennis Roth:

  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Ausdruckstiefes Meisterwerk: Wolfgang Rihms 2017 uraufgeführte 'Requiem-Strophen' in einer geradezu mustergültigen Interpretation unter der Leitung von Mariss Jansons. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Klanglicher Überfluss: Das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Oliver Knussen und der Cellist Anssi Karttunen legen exquisite Ersteinspielungen von Hans Werner Henzes Orchesterwerken vor. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Dennis Roth...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nicht ausgereizt: Mariss Jansons nähert sich Tschaikowskys Fünfter emotional etwas zu kontrolliert. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Drei in einem: Hyperions Auswahl aus Charpentiers Kirchenmusik kann mit der Konkurrenz nicht ganz mithalten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Lebendige vokale Barockkunst: Händels 'Neun deutsche Arien' werden durch Marie Friederike Schöder und die Batzdorfer Hofkapelle gründlich von akademischen Staub befreit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich