> > > Strauss, Richard: Schlagobers: Orchestre de la Suisse Romande, Jonathan Nott
Dienstag, 16. Juli 2019

Strauss, Richard: Schlagobers - Orchestre de la Suisse Romande, Jonathan Nott

Süße Verführungen


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Einen spannenden Streifzug durch das 20. Jahrhundert unternimmt das Orchestre de la Suisse Romande mit Werken von Strauss, Debussy und Ligeti.

Eine schrittweise in die Moderne weisende Brücke von Anfang bis Ende des 20. Jahrhunderts schlägt diese bei Pentatone erschienene CD, die das Orchestre de la Suisse Romande unter Leitung von Jonathan Nott eingespielt hat. Zu hören ist darauf klanglich herausforderndes, zu weiten Teilen eher abseitiges Repertoire, überwiegend aus der Abteilung Ballettmusik. Dass eine solche mit dem Titel 'Schlagobers' aus der Feder von Richard Strauss existiert, dürfte beispielsweise allgemein schon eher wenig bekannt sein. Mit den süßen Verführungen in einem Wiener Kaffeehaus befasst sich programmatisch die insgesamt achtteilige Suite op. 72, eingeleitet wird sie von einem 'In der Konditorküche' überschriebenen Marsch, dessen gezackte Rhythmen das Orchester prägnant ausformt. Mit welch guten Musikern das Ensemble bestückt ist, zeigt sich im 'Tanz der Teeblüte', der hohe, souverän gemeisterte Anforderungen an die Solo-Flöte stellt. Schwelgerisch-Strauss‘sche, schon in Richtung ‚Rosenkavalier-Flair‘ vorausdeutende Walzerklänge kommen – beispielsweise im 'Schlagoberswalzer' oder dem 'Einzug der Prinzessin' – ebenfalls vor. Darin badet der Klangkörper mit genussvoll-wohligem Streicher-Timbre, phrasiert aber bei aller delikaten ‚Kaffeehaus-Spielerei‘ dennoch angenehm ungekünstelt.

Minutiös modelliert

Als eine Art ‚L‘Après-midi d‘un faune in Sportklamotten‘ charakterisierte Pierre Boulez ob der etwas albern anmutenden Handlung (grob gesagt geht es um die Suche nach einem verlorenen Tennisball) scherzhaft Debussys heute ebenfalls kaum mehr getanztes, sondern hauptsächlich als Konzertstück anzutreffendes Ballettstück 'Jeux'. Dieses lebt hauptsächlich von einem zart ineinander verwobenen Stimmengeflecht, bei dem sich – um im programmatischen Bild zu bleiben – Streicher und Holzbläser die leichtgewichtigen Bälle zuspielen. Fast unentwegt hält die Partitur exakte dynamische und agogische Vortragsanweisungen Debussys bereit, die das Orchester mit schillernder Farbgebung adäquat umsetzt. Insgesamt gelingen minutiöse klangliche Modellierungen dieser acht Stimmungsbilder, die in erhabenem, gekonnt sukzessiv aufgebautem Volumen des furiosen Finales kulminieren.

Mustergültig

Ganz und gar nichts mit dem Genre Ballett zu tun haben im Gegensatz zu den ersten beiden Werken György Ligetis 1971 entstandene 'Melodien' für Orchester, bei denen es sich um eine Folge zusammenhängender, formal nicht explizit unterteilter, charakterlich dennoch konträrer musikalischer Abschnitte handelt. Die nervöse Unruhe sich jagender chromatischer Skalen stellen die Schweizer ebenso mustergültig dar wie zwischenzeitlich fast reglos in der Luft liegende Vibrationen. Ligeti selbst zufolge geht um räumliche Darstellung – genau das gelingt dem Klangkörper unter Nott plastisch, durchgehend wird eine fast greifbare akustische Spannung erzeugt. Selbst da, wo äußerlich scheinbare Statik vorherrscht und sich im Notenbild auf den ersten Blick nichts bewegt, steht die Partitur unter Strom.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Schlagobers: Orchestre de la Suisse Romande, Jonathan Nott

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD SACD
827949072161


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Debussy, Claude
Ligeti, György
Strauss, Richard


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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