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Sonntag, 20. Oktober 2019

Bernstein, Leonard: Wonderful Town - London Symphony Orchestra, Simon Rattle

Bernsteins absurdes New York


Label/Verlag: LSO Live
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alles in allem macht Rattles neue ‚Wonderful Town‘-Aufnahme fraglos Spaß und begeistert für Bernsteins viel zu selten gespieltes und mit absurden Szenen gespicktes Musical.

Wie schon Ende der 1990er-Jahre mit der Birmingham Contemporary Music Group hat nun Sir Simon Rattle bei seinem London Symphony Orchestra Leonard Bernsteins 'Wonderful Town' auf den Spielplan gesetzt. In einer erneut konzertanten Aufführung brachte er mit Verve das Orchester zum Swingen und entlockte seinem Ensemble Leichtigkeit und Humor. Der Mitschnitt vom Dezember 2017 beim hauseigenen LSO-Label bezeugt auf einer klangvollen SACD die gute Laune, die in der Barbican Hall geherrscht haben muss.

Es ist wunderbar, wie wandlungsfähig und zügellos das London Symphony Orchestra sich ins Zeug legt. Allein die Ouvertüre, die bereits alle wichtigen Melodien rauschhaft vereint, ist diese SACD wert. Rattle beherrscht den angejazzten Musicalton mit großer Authentizität und zeigt diebische Freude an Bernsteins teils vertrackten Rhythmen. Somit ist die Neuaufnahme vor allem in Hinsicht auf die Orchesterleistung eine rundum gelungene Sache.

Naheliegende Vergleiche

Allerdings muss sich Rattle im Falle von 'Wonderful Town' dem Vergleich mit seiner fast zwanzig Jahre älteren Einspielung stellen. Und gerade im Hinblick auf die beiden Schwestern Ruth und Eileen war 1998 mit Audra McDonald und Kim Criswell ein zupackenderes Duo am Start. Wobei man konstatieren muss, dass im Speziellen Danielle de Niese in der Neuaufnahme als Eileen eine überaus gute Figur macht. Denn im Gegensatz zu McDonald bereiten ihr die teils unangenehm hohen Vokalausflüge und die urkomische Koloraturkette im 'Conversation Piece' keinerlei Mühen. Zudem weiß sie ihren Opernsopran geschickt zu modifizieren und mit einem farbenreichen Brustregister aufzuwarten. Kurz: Danielle de Niese ist neben dem London Symphony Orchestra das eigentliche Highlight dieses Mitschnitts.

Als Ruth überzeugt Alysha Umphress mit schönem Timbre und einer guten Portion Humor. Ihre Stimme mischt sich tadellos mit jener von Danielle de Niese – und doch vermisst man beim Hören ein wenig das Temperament und die vokale Schonungslosigkeit, die Kim Criswell einst an den Tag legte. Aber auch Umphress punktet in vielen Passagen, wie beispielsweise einem erzkomödiantischen 'One Hundred Easy Ways to Lose a Man' und mit ihrer herrlich geschäftigen Naivität im Anfangsteil von 'Swing!'.

Der eigentliche Schwachpunkt der vorliegenden Aufnahme ist aber Nathan Gunn als Bob Baker. Sein kerniges Timbre, sein kraftvoller Bariton sind noch immer unverwechselbar, aber die Stimme hat ihre besten Zeiten hinter sich. Die Höhen brauchen enorm viel Kraft, um erreicht zu werden, und auch das unkontrollierte Vibrato verrät dispositionelle Schwierigkeiten. Da sehnt man sich nicht nur bei Songs wie 'A Quiet Girl' den schwärmerischen Thomas Hampson der älteren Einspielung herbei. Bei den kleineren Partien hat Rattle ein gutes Händchen. So überzeugt Duncan Rock mit viel klingendem Testosteron als Wreck und David Butt Philipp mit klangstarkem Tenor als Lonigan. Ashley Riches ist als Guide und Frank hervorragend besetzt und der London Symphony Chorus hat hörbaren Spaß an Bernsteins New-York-Komödie mit Biss.

Alles in allem macht Rattles neue 'Wonderful Town'-Aufnahme fraglos Spaß und begeistert für Bernsteins viel zu selten gespieltes und mit absurden Szenen gespicktes Musical. Die ältere EMI-Einspielung hat aber neben dem 1953 ‚Original Broadway Cast‘-Album mit der unschlagbaren Rosalind Russell immer noch ‚den Hut auf‘.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bernstein, Leonard: Wonderful Town: London Symphony Orchestra, Simon Rattle

Label:
Anzahl Medien:
LSO Live
1
Medium:
EAN:

CD SACD
822231181323


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Bernstein, Leonard


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LSO Live

Einspielungen des Labels LSO Live vermitteln die Energie und Emotion der großartigsten Aufführungen mit höchster technischer Qualität und Finesse.

Liveaufzeichnungen bedeuteten früher gewöhnlich Kompromisse, aber heutzutage kann mit Hilfe der besten Aufnahmetechnik im Konzertsaal die Vitalität festgehalten werden, die im Studio so schwer nachzustellen ist.
Durch das Zusammenschneiden mehrerer Aufführungen können wir eine Vorlage schaffen, die die Spannung einer Konzertaufführung ohne unerwünschte Nebengeräusche bewahrt.

Seit 2000 veröffentlichte das LSO Live über 80 Alben und nahm zahlreiche Preise entgegen. Das London Symphony Orchestra war schon früher das am meisten aufgenommene Orchester der Welt, hatte es doch für zahlreiche Plattenfirmen gearbeitet und viele der berühmtesten Filmmusiken eingespielt. Die Investition in unsere eigenen Aufnahmen ermöglicht dem Orchester jedoch abzusichern, dass jede Veröffentlichung den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und das Hören der besten Musik allen Menschen zugänglich ist.

Das LSO Live war eines der ersten klassischen Plattenfirmen, die Downloads anboten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir geben auch unsere Einspielungen im SACD Format (Super Audio Compact Disc) heraus. SACDs lassen sich auf allen CD-Spielern abspielen, ermöglichen aber den Hörern mit speziellen SACD-Spielern den Genuss eines hochaufgelösten, mehrkanaligen Klangs.

London Symphony Orchestra
Das London Symphony Orchestra wurde 1904 von einer Gruppe von Musikern gegründet, die für den Dirigenten Henry Wood spielten. Sie wollten ihr eigenes Orchester leiten und die Wahl haben, mit welchen Dirigenten sie zusammenarbeiteten. Sie beschrieben das LSO als eine musikalische Republik, und das Orchester war über Nacht ein Erfolg.

Heute gibt das LSO ungefähr 70 Konzerte pro Jahr in London und bis zu 90 auf Tournee. Es ist regelmäßig auf Konzertreise durch Europa, Nordamerika und im Fernen Osten. Waleri Gergijew ist seit 2007 Chefdirigent des LSO und Sir Colin Davis sein Präsident.

Das LSO organisiert auch das in der Welt am längsten laufende und umfangreichste Bildungsprogramm eines Orchesters: LSO Discovery. Mit seinem Sitz im Londoner Musikbildungszentrum LSO St Lukes schafft Discovery die Möglichkeit für Menschen aller Altersgruppen und Veranlagungen, mit Musikern des LSO zusammenzuarbeiten, etwas über Musik zu lernen und ihre Fertigkeiten zu entwickeln.


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