> > > Bach, Johann Sebastian: Oboe Concertos & Cantatas: Xenia Löffler, Anna Prohaska, Collegium 1704, Vaclav Luks
Samstag, 17. November 2018

Bach, Johann Sebastian: Oboe Concertos & Cantatas - Xenia Löffler, Anna Prohaska, Collegium 1704, Vaclav Luks

Bach vielseitig


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein schönes Bach-Programm, das man sich sehr gut als Konzert vorstellen kann. Instrumental ist es unangefochten, vokal hochklassig und eigenwillig gleichermaßen.

Auf den ersten Blick bietet die jetzt bei Accent erschienene neue Platte von Václav Luks und seinem Collegium 1704 ein gediegenes, aber auch unspektakuläres Programm: eine Folge von Oboenkonzerten und Kantaten, sicher schön zusammengestellt und durchaus reich an Abwechslung wie Typischem. Im Einzelnen sind es das g-Moll-Konzert BWV 1056R, das A-Dur-Konzert BWV 1055 und eine Bearbeitung des Konzerts in C-Dur BWV 1061. Letztere kann besondere Aufmerksamkeit beanspruchen: Werden immer wieder mit guten Gründen Konzerte für ein anderes als das eindeutig überlieferte Solo-Instrument ‚übersetzt‘, entsteht hier, aus dem Satz für zwei Cembali, ein echtes ‚concert avec pluisieurs instruments‘, das in zwei Concertino-Gruppen einerseits Oboe und Viola da gamba vereint, andererseits Violine und Fagott. Die Version der Oboistin Xenia Löffler und von Tim Willis löst die beiden Cembalo-Parts gekonnt und überzeugend in solistische Vielgestaltigkeit auf.

Dazu sind zwei Kantaten für Solo-Sopran zu hören. Zunächst 'Ich bin vergnügt mit meinem Glücke' BWV 84 und dann 'Falsche Welt, dir trau ich nicht' BWV 52. Beide entstammen der Phase ab dem Herbst 1726, als Bach eine ganze Serie von Solo- und Dialogkantaten schuf, die das subjektiv sprechende ‚Ich‘ kennen, in mancher Hinsicht pietistisch grundiert, auch poetisch für den Komponisten herausfordernd. Textdichter der beiden Kantaten war Christoph Birkmann, in Studententagen in Bachs Leipziger Umfeld aktiv, später als Pastor in Nürnberg. Diese Kantaten waren ein bemerkenswerter Schritt in Bachs Kantatenschaffen, dem ästhetisch ambitionierter und theologisch-poetisch motivierter Wandel Programm war. Mit jener Mischung aus blühendem Kontrapunkt voller kaum greifbarer Ordnung und fasslicher Anmutung, die Bachs Musik so sehr prägt und zumindest in ihrem reifen Stil unverwechselbar macht.

Behände

 

Im von Václav Luks geleiteten Collegium 1704 ist viel behändes Spiel zu hören, sonor und gehaltvoll, aber zugleich mit dem Ziel luzider Leichtigkeit in der Gesamtwirkung. Der intensive Höhepunkt an kunstfertiger Interaktion ist sicher das Gruppen-Konzert BWV 1061: Gerade hier ist viel idiomatisches Spiel zu erleben, beredt und sehr lebendig. Klares und immer nachvollziehbares Ziel ist es, Strukturen zu explizieren und dabei einen charmanten Ensembleklang zu profilieren. In dieses noble Umfeld ist das ungemein fließende Spiel von Xenia Löfflers Oboe eingebettet: Die Tongebung ist warm und blühend, ihrem lyrischen Spiel eignet eine harmonische Präsenz. Kontrastierend dazu werden Geläufigkeit und technisches Vermögen insgesamt elegant sublimiert: Vordergründiges Prunken ist die Sache der Oboistin nicht. Und sie tut gut daran, der Wirkung ihrer offenkundigen Qualitäten zu vertrauen.

 

Die Präsentation der Sopranistin Anna Prohaska ist durchaus eigenwillig: Ihr schöner, grundsätzlich schlanker Sopran zeigt sich beweglich und technisch gut grundiert. Und ihr immer wieder dramatischer Ansatz verfängt vor allem in intensiv gestalteten Rezitativen. Da ist die Sprachgestalt plastisch und klar. Arios ist das Bild nicht ganz so einheitlich: Manche Figur, mancher Sprung wirkt dann – im Sinne gesteigerter Deutung vermutlich – manieriert herausgestellt und überinterpretiert, große Intervalle scheinen nicht perfekt gebunden, die Diktion ist in mancher Phrase verformt. Das durchaus attraktive und vor allem mehr als diskutable Gesamtpaket für sich selbst zu gewichten, bleibt dem Hörer und der Hörerin vorbehalten.

Technisch ist das Geschehen groß und klar realisiert, klangfreudig und konzentriert – eine insgesamt mehr als angemessene Mischung. Allein der auffallend knapp und präzis artikulierende Kontrabass ist bedauerlicherweise etwas zu weich und zu untergründig abgebildet. Im fein fotografierten viersprachigen Booklet führt Peter Wollny kundig und mit frischem Ansatz in die Idee der Programmgestaltung ein.

Ein schönes Bach-Programm, das man sich sehr gut als Konzert vorstellen kann. Instrumental ist es unangefochten, vokal hochklassig und eigenwillig gleichermaßen. Es scheint, Václav Luks produzierte nichts, das uninteressant wäre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Bach, Johann Sebastian: Oboe Concertos & Cantatas: Xenia Löffler, Anna Prohaska, Collegium 1704, Vaclav Luks

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
10.08.2018
EAN:

4015023243477


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Bach, Johann Sebastian


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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