> > > Paisiello, Giovanni: Arias for Castratos: Filippo Mineccia, Contertenor
Dienstag, 28. September 2021

Paisiello, Giovanni: Arias for Castratos - Filippo Mineccia, Contertenor

Auf den Spuren berühmter Kastraten


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Filippo Mineccia macht sich für Giovanni Paisiello und sein Umfeld stark und entdeckt eine Reihe von spannenden Barockarien.

Im Barock gehörten Kastraten zu den vokalen Superstars. Heute haben Countertenöre ihre Rolle übernommen. Die Zeiten, in denen diese nicht ganz ernst genommen wurden, sind vorbei. Zwar mögen weiblich tönende Männer in Sopran- oder Altlage für ungeübte Ohren bisweilen noch unnatürlich klingen, doch Sänger wie einst Alfred Deller, später dann Jochen Kowalski, Andreas Scholl oder Philippe Jaroussky haben das Fach wieder belebt und perfektioniert. Und es wachsen immer neue Talente nach. Einer von ihnen ist der Italiener Filippo Mineccia. Seit seinem Debüt Mitte der 2000er Jahre hat er sich ein Repertoire erarbeitet, das die ganze Bandbreite alter Musik umfasst. Er ist in Opern von Monteverdi oder Händel ebenso zu Hause wie in Oratorien von Bach oder bei Kantaten von Vivaldi. Doch steckt er auch voller Entdeckungslust. Zwei Arienanthologien der weniger bekannten Komponisten Attilio Ariosti und Niccolò Jommelli sind ihm zu verdanken, dazu eine dem Starkastraten Siface gewidmete Ariensammlung.

Mineccias aktuelle Kollektion verknüpft beide Stränge. Sie ist einerseits eine Hommage an andere berühmte Kastraten, andererseits gilt auch sie einem Vernachlässigten und einigen seiner Zeitgenossen. Neben Domenico Cimarosa, Giacomo Tritto und Felice Alessandri steht der 1740 geborene Giovanni Paisiello, einer der produktivsten und einflussreichsten Opernschöpfer des 18. Jahrhunderts, im Mittelpunkt. Ungeachtet seines damaligen Ruhms werden heute von den annähernd 100 Bühnenwerken, die für Theater in ganz Europa entstanden, nur noch zwei gelegentlich gespielt: die für den Zarenhof in St. Petersburg komponierte Buffa 'Der Barbier von'Sevilla“ und die im sizilianischen Caserta uraufgeführte Semiseria 'Nina'. Folglich kommt 'The Paisiello Album', so der Titel der CD, einer Ehrenrettung des Komponisten gleich. Denn in den eingespielten Szenen lernt man ihn als erfindungsreichen Melodiker kennen, der den Wechsel an Stimmungen und Emotionen der Helden – mal zärtliche Liebesklage, mal kämpferische Attacke – differenziert auslotet und dazu interessant orchestriert.

Filippo Mineccia ist der Richtige für diesen musikalischen Kosmos. Er besitzt eine in allen Lagen ebenmäßige und substanzreiche Stimme, die technisch keine Grenzen kennt. Koloraturen, wie beispielsweise in der Bravourarie 'Destrier che all‘armi usato' nimmt er mit Leichtigkeit, lang gesponnene Passagen, wie in 'Già che morir degg‘io', beweisen die gute Atembeherrschung. Doch sind es auch die vokale Gestaltungskraft, die feinen dynamischen Nuancen und die geschmackvolle Phrasierung, die Mineccias Gesangskunst auszeichnet. Das in Portugal ansässige Instrumentalensemble Divino Sospiro sorgt für ein kongeniales Orchesterfundament inklusive famoser Soli, aus denen das obligate Fagott hervorsticht. Es wird von Massimo Mazzeo forsch und akzentuiert geleitet.

Bleibt als einziger Einwand dieser Aufnahme die verwirrende Abfolge der Nummern. Welche Idee sich hinter der willkürlich scheinenden Anordnung verbirgt, darüber gibt das Booklet keine Auskunft, auch enthält es keine biographischen Angaben zu den Mitwirkenden. Dem ungeachtet ist die Einspielung wärmstens zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Pan Classics
1
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CD


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Paisiello, Giovanni


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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