> > > Bruckner, Anton: Quintet in F Major: Prague Radio Symphony Orchestra, Gerd Schaller
Dienstag, 21. Mai 2019

Bruckner, Anton: Quintet in F Major - Prague Radio Symphony Orchestra, Gerd Schaller

Sinfonisiert


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gerd Schaller und Bruckner – das ist eine Kombination, die immer wieder Funken schlägt. Schaller hat das Streichquintett sehr behutsam sinfonisiert. Der Bearbeitung wird die Darbietung des Prager Radio-Sinfonieorchesters überaus gerecht.

Wer das Streichquintett F-Dur WAB 112 von Anton Bruckner, Gipfel des schmalen kammermusikalischen Werks des Österreichers, kennt und selbst noch nie darüber nachgedacht hat, wie das wohl in vollem Orchesterklang wirken könnte, dem mangelt es vielleicht an Bruckner-Fantasie oder der ist gegen die ästhetischen Wirkungen Brucknerscher Musik überhaupt immun. Dass da ein spezifischer Reiz von dieser Musik ausgeht, zeigt die reiche Zahl an Bearbeitungen: Vor allem der langsame Satz wurde vielfach für Streichorchester aufgeweitet, auch das gesamte Werk für diese Besetzung oder für ein um Bläser erweitertes Kammerensemble; von Orgelbearbeitungen zu schweigen. Jetzt hat sich Gerd Schaller, dirigentisch und auch als Bearbeiter einer der besonders interessierten und wagemutigen Bruckner-Interpreten unserer Zeit, daran gemacht, eine Bearbeitung für großes Orchester vorzunehmen. Mit der Grundentscheidung, dieses Kammermusikwerk nicht durch allzu üppige Besetzung zu überfrachten, sondern einen eher romantischen Klang des 19. Jahrhunderts zu etablieren: Mit Streichern, zweifachen Holzbläsern, vier Hörnern, zwei Trompeten, drei Posaunen und Pauken. Und mit der klaren Prämisse: Es soll eine starke Streicherbasis geben, mit eingewobenen Bläserfarben.

Das gewinnt eine ebenso feine wie erstaunlich sichere Balance. Alle Satzcharaktere erhalten ihr typisches Gepräge; rhythmisch kommen prägnante Figuren federnd zur Geltung. So sinfonisch geweitet, haben die allfälligen dynamischen Steigerungen in den Ecksätzen entschieden mehr modellierbares Potenzial als in der originalen Kammerfassung – da hat man die Solisten des Quintetts gelegentlich bedauert, wenn lange, tremolierende Akkordik in größerer Lautstärke doch daran gemahnte, dass Bruckner beim Komponieren mehr als einmal an ein Orchester gedacht haben könnte. Aber auch in diesen Bereichen bleibt Schallers Bearbeitung eher behutsam, gerät nie triumphal. Substanzieller Höhepunkt des Stücks ist der langsame Satz – ein wahrhaft großes Adagio, kompositorisch und affektiv mit dem Gehalt der wichtigsten langsamen Sätze der Sinfonien vergleichbar. Beigegeben ist dem Programm der bei Profil Edition Günter Hänssler erschienenen Platte noch die Ouvertüre g-Moll WAB 98 von 1862/63, eine Studienarbeit aus der Zeit bei Otto Kitzler, schon erstaunlich souverän mit der ganzen Größe orchestraler Möglichkeiten hantierend.

Glückliche Zusammenarbeit

Gerd Schaller hat seine Orchesterversion des Streichquartetts mit dem Prager Radio-Sinfonieorchester uraufgeführt und eingespielt. Das traditionsreiche Orchester kultiviert einen dieser Musik und vor allem dem Geist der Bearbeitung entsprechenden schlanken, klaren und gelenkigen Ensembleklang. Die Register sind präzis geformt und interagieren stark: Gerade kleinere Figuren fügen sich wunderbar zu einem Ganzen; auch heikle, weil klanglich schmale Passagen gelingen, besonders beeindruckend zum Beispiel in der Einleitung des Finales. Überhaupt wirkt das gänzlich neu gesetzte Werk sehr genau geprobt. Die Streicher sind der stabile Kern, fast vibratofrei geführt und doch nicht karg oder kühl in der Wirkung. Auch in dieser Hinsicht zeigen sich Dirigent und Orchester an Klarheit und einer gewissen Leichtigkeit interessiert. Die Bläser sind sensibel eingefügt, ganz und gar ohne Überwältigungsansatz, auch mit der kolorierenden Rolle sich begnügend, die Gerd Schaller ihnen zuweist. Die Tempi fließen sehr schön; Schaller staut auch im Adagio nichts zu künstlicher Feierlichkeit. Dynamisch ist das Tableau gleichfalls klar: ohne auftrumpfende Gesten oder Überdruck, mit überzeugend vorbereiteten Höhepunkten. Phrasiert wird mit feinem Pinsel: Präzis geformte Kleinelemente verdichten sich zu einem an Strukturen reichen orchestralen Bild, in dem auch die weit ausgesungene Kantilene zu ihrem Recht kommt – allerdings auch die garantiert pathosfrei. Technisch wird all das klar und ansprechend disponiert, körperreich und mit schöner Präsenz aller Register.

Gerd Schaller und Bruckner – das ist eine Kombination, die immer wieder Funken schlägt. Schaller hat das Streichquintett sehr behutsam sinfonisiert und aus Sicht des Rezensenten zutreffend expliziert. Dazu passt die ästhetisch überaus glücklich sich fügende Präsentation des Prager Radio-Sinfonieorchesters.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Bruckner, Anton: Quintet in F Major: Prague Radio Symphony Orchestra, Gerd Schaller

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Profil - Edition Günter Hänssler
1
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881488160369


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Bruckner, Anton


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
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