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Mittwoch, 14. November 2018

Gade, Niels W.: Chamber Works Vol.4 - Ensemble MidtVest

Mit Leidenschaft


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble MidtVest überzeugt mit dem vierten Teil seiner Gesamteinspielung des kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade.

Gemeinsam mit dem Label cpo hat sich das dänische Kammerensemble Ensemble MidtVest der Erschließung des gesamten kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade (1817–1890) angenommen. Ein lobenswerter Vorsatz, denn Gade steht zumeist im Schatten von Zeitgenossen wie Mendelssohn oder Schumann. Dabei ist der Däne kein unbeschriebenes Blatt und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich erfreulicherweise in der musikwissenschaftlichen Forschung um seine Person einiges getan: Leben und Werk sind mittlerweile gut erschlossen – auch auf dem Tonträgermarkt. Mit seiner Gesamtaufnahme der Kammermusik leistet das Ensemble MidtVest hier also einen längst überfälligen Beitrag.

Gades Kammermusik wird von den Streichern dominiert, insbesondere von der Violine – was nicht verwunderlich ist, war er doch selbst ein hervorragender Geiger. Nur ein einziges seiner kammermusikalischen Werke kommt ohne Streichinstrumente aus: sein Opus  43 für Klarinette und Klavier. Das eigentlich elfköpfige Ensemble MidtVest ist im dänischen Raum eines der aktivsten Kammermusikensembles in variabler Besetzung, deren Musiker auf dieser Einspielung sowohl als Trio und Quartett als auch in Quintettformation eine gute Figur abgeben. Auf der vierten Folge des insgesamt fünfteiligen Projekts finden sich die 'Novelletten' in a-Moll op. 29 für Klaviertrio (1853/54), das Streichquartett in f-Moll (1851) und das einsätzige Streichquintett in f-Moll (1837).

Einen Höhepunkt dieser Folge stellen sicherlich die 'Novelletten' dar, eine Zusammenstellung  fünf abwechslungs- und einfallsreicher Charakterstücken, die in Bezug auf die instrumentale Umsetzung viele Feinheiten einfordert. Ana Feitosa (Violine), Jonathan Slaatto (Cello) und Martin Qvist Hansen (Klavier) stellen hierbei ihre Feinfühligkeit unter Beweis und zeichnen die einzelnen Sätze sehr präzise und musikalisch beweglich. Besonders getroffen ist der herrlich lyrische Tonfall des vierten Satzes Larghetto con moto, den die drei Musiker sehr eindrücklich musizieren und der zum vorherigen, eher aufbrausenden Moderato wunderbar kontrastiert. Zugkraft legen sie dann in das Finale, dem es weder an sensibler dynamischer Gestaltung noch an zupackender Akzentuierung fehlt. Diesem Finale beigefügt haben die Musiker den einst von Gade selbst verworfenen ursprünglichen Schlusssatz Allegro con fuoco. Dieser kommt wilder, ungezügelter und stürmischer daher, als man es vielleicht von Gades Tonsprache gewohnt sein mag. Die große Frage, die sich beim Hören stellt, ist: Warum hat Gade diesen Satz verworfen? In jedem Fall stellt er für diese Interpretation einen gelungenen Schlusspunkt dar, können die drei Interpreten hier nochmal ihrer Spielfreunde Ausdruck verleihen und einen fulminanten Schlusssatz formen.

Hervorblinzelnde Leidenschaft

Gades Kompositionsstil ist nicht bekannt für eine außerordentliche Leidenschaft. In der Werkzusammenstellung dieser Einspielung blinzelt sie hingegen öfter hervor: nicht nur im verworfenen letzten Satz der 'Novelletten', sondern auch in seinem Streichquartett f-Moll. Und auch diesem Werk hat er einst den Rücken gekehrt. Verwunderlich, denn diese Komposition wird zumeist gleichrangig mit seinem Streichquartett Opus 63 gesetzt. Gade überschrieb das Werk 12 Jahre nach seiner Entstehung mit dem Wort ‚Übungsstück‘ und legte es beiseite. Dennoch ist es sein erstes vollständiges Quartett. Hingegen ist unklar, ob er selbst je eine Aufführung dieses Quartettes veranlasst hat. Hier agiert das Ensemble in einer vierköpfigen Streicherbesetzung mit Karolina Weltrowska und Ana Feitosa (Violine), Sanna Ripatti (Viola) und Jonathan Slaatto (Cello). Die Musiker des Ensemble MidtVest beweisen hier eindrucksvoll, wie mühelos sie zwischen den einzelnen Besetzungen wechseln können, wie gut sie aufeinander eingespielt sind und welches Feingefühl sie für die Strukturen und Ausleuchtung der jeweiligen Stimmen an den Tag legen.

Das eigentliche Herzstück dieser Einspielung ist für mich allerdings das einsätzige Streichquintett in f-Moll aus dem Jahr 1837. Hier greift Gade die Besetzung mit zwei Celli auf, wie sie sich auch bei Schubert oder anderen Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts findet. Zur bestehenden vierköpfigen Besetzung gesellt sich noch der Cellist Frederik Schøyen Sjölin. Wunderbar gelingt die recht düster und melancholisch gesetzte Einleitung, die zum stürmisch drängenden ersten Thema führt. Die fünf gestalten ihre Stimmen höchst eigenständig und ebenso lebendig wie akzentuiert. Dabei verlieren sie jedoch nicht die gesamte Linie des Satzes aus den Augen. Der dramatische Gestus, eine gewisse Düsternis, wird dabei sicherlich auch durch die tiefe Lage der doppelt vertretenen Celli verstärkt. Die immer wieder durchscheinenden lichtblickhaften Momente bilden dazu einen dramatischen Kontrast. Insgesamt gelingt ihnen damit ein sehr packender und zugleich intim musizierter Schlusspunkt der Aufnahme. Man darf also auf die nächste und abschließende Folge der Gesamteinspielung gespannt sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gade, Niels W.: Chamber Works Vol.4: Ensemble MidtVest

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203519828


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Gade, Niels
 - Novellettes in A minor op.29 for Piano Trio - Allegro scherzando
 - Novellettes in A minor op.29 for Piano Trio - Andantino con moto
 - Novellettes in A minor op.29 for Piano Trio - Moderato
 - Novellettes in A minor op.29 for Piano Trio - Larghetto con moto
 - Novellettes in A minor op.29 for Piano Trio - Finale: Allegro
 - Novellettes in A minor op.29 for Piano Trio - Discareded Finale: Allegro con fuoco
 - String Quartet in F minor - Andante con moto - Allegro molto
 - String Quartet in F minor - Allegretto
 - String Quartet in F minor - Allegro die molto
 - String Quartet in F minor - Andantino quasi Allegretto - Allegro
 - String Quintet in F minor - Andante - Allegro molto


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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