> > > Janson, Alfred: The wind blows - Music for choir: Norwegian Soloists' Choir, Grete Pedersen
Sonntag, 9. Dezember 2018

Janson, Alfred: The wind blows - Music for choir - Norwegian Soloists' Choir, Grete Pedersen

Eigenwillig


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein vielfarbiges Bild aus dem reichen Komponistenleben Alfred Jansons. Eine attraktive und lohnende Mischung – stark gesungen vom Norwegian Soloist's Choir.

Kompositorisch ambitioniert zu arbeiten, verlangte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen europäischen Ländern wichtige Entscheidungen: Welche Rolle konnte Tradition noch spielen, zumal solche, die sich selbst kontaminiert hatte? Welcher ästhetische Aufbruch war glaubwürdig? Konnte das Alte überhaupt noch überleben? Oder war es gerade angezeigt, zum Beispiel volksmusikalische Traditionen von ihrem unfreiwilligen Erbe wieder zu befreien? Auch in Norwegen war die Lage nicht einfach: Die nationalromantische Tradition und ihre Heroen standen in Frage – natürlich ästhetisch, aber auch deshalb, weil mancher der jüngeren Protagonisten während der deutschen Besatzungszeit allzu willfährig kollaboriert hatte, in der Annahme, Anteil an der Rettung nordischer und damit vermeintlich besonders kostbarer europäischer Kultur zu haben. Nahtlos anzuknüpfen war unmöglich. Sich an die Darmstädter Schule anzulehnen, war ästhetisch konsequent, entsprach aber nicht in jedem Fall den inneren Schaffensimpulsen der jüngeren Generation.

In einer solchen Lage befand sich auch der 1937 geborene Alfred Janson, dem die aktuelle Platte des Norwegian Soloist‘s Choir bei BIS gewidmet ist, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Er war jazzinspiriert, rhythmisch ambitioniert und vielschichtig, undogmatisch und ironisch sowie angstfrei, sich auch politischer Texte zu bedienen. Und ästhetisch erstaunlich offen dafür, der radikalen Moderne so etwas wie neoromantische Anklänge entgegenzusetzen. Und das relativ früh, schon 1967 mit seinem 'Nocturne' auf einen Nietzsche-Text. Doch sollte man es sich nicht zu leicht machen: Janson ist ästhetisch nicht gestrig, ist gedanklich und satztechnisch kein Leichtgewicht. Eines der jüngsten Werke auf dieser feinen Chorplatte, das 2016 für Grete Pedersens begabten Chor geschriebene 'The wind blows – where it wishes' zeigt eine absolut gegenwärtige, vielfältig gebrochene Tonsprache, in ihrer Wirkung durchaus linear attraktiv und erkennbar sanglich, gleichzeitig geprägt von abgerissenen Sprechtexten – eine Ästhetik, die in anderen Sätzen bis zum Geräuschhaften, zum Pusten und Pfeifen reicht. Manches andere – etwa 'Tre dikt av Ebba Lindquist‘ von 1975–80, das knappe 'Nå er det fint å leve' von 1983 und 'Lille mor klode' aus demselben Jahr – wirkt regelrecht liedhaft und von urwüchsiger Kraft gespeist, darin deutlich an die traditionelle Musik Norwegens und deren affektive Wirkungen anknüpfend. Und das komplett tonal. Das ist keine Phase, sondern eher ein Strang in Jansons Komponieren, findet sich in den 60er ebenso wie in den 80er Jahren.

Chor mit Melodica

Dem famosen Norwegian Soloist‘s Choir, zuletzt mit einer fulminanten Deutung der Motetten von Johann Sebastian Bach hervorgetreten, ist das ein wunderbares, weil trotz ambitionierten Ansatzes dankbares Repertoire: Mit seinem schlanken, gleichwohl kernigen Registern bewegt er sich stilistisch flexibel in dieser durchaus facettenreichen Musik. Gerade die vielschichtige Tradition der norwegischen Heimat ist hier in den besten Händen und Kehlen: Knut Nystedt, als Gründer und jahrzehntelanger Leiter des Ensembles, hat als Repertoirebildner und stilistisch prägende Persönlichkeit den Weg gewiesen, den Grete Pedersen nun auch schon seit 1990 konsequent fortsetzt. Das Ensemble intoniert makellos: In dieser Hinsicht beinhalten Jansons Sätze vielleicht nicht durchgehend exzeptionelle Herausforderungen für ein professionelles Ensemble, doch gerät dieser Aspekt bemerkenswert qualitätvoll, weil vielschichtig. Pedersen lässt die Musik in einem entspannten Grundpuls singen; viele energische Spitzen erwachsen aus der manchem Satz immanenten Rasanz. Die Vokalisten nutzen die Texte entschieden für ihre plastische Deutung, ohne ihre vortreffliche Begabung zur großen Linie zu verheimlichen. Manche der Stücke sind von Instrumentalspiel umgeben: Das Klavier in der Regel in reiner Begleitfunktion. In einigen der Sätze kommt die Kombination aus Violine, Violoncello und Fagott zum Einsatz. Diese Konstellation ist dann in der Struktur durchaus substanziell eigenständig. Selten werden die Instrumente in spieltechnische Randbereiche getrieben: Zwar wird auch geklopft und geraschelt, doch geraten die Parts insgesamt auffallend idiomatisch. Ein besonderes Element ist Alfred Janson selbst mit seiner Melodica, gemeinsam mit den anderen Instrumenten oder mittels einer dem Chorsatz vorangestellten Improvisation: Ob das selten prominent gespielte Instrument eher Steckenpferd des Komponisten oder tatsächlich integrale Größe ist, erschließt sich nicht ganz.

Technisch ist das in einem gut gestaffelten Abbild realisiert, klar, ohne zu skelettieren, dabei präzis, stimmungsvoll und von angenehmer Größe. Das grundsätzlich sehr gute Booklet leidet darunter, dass tatsächlich keine einzige der Zeitangaben bei den Tracks stimmt. Wenn man so will: In dieser Konsequenz ist auch das eine anerkennenswerte Leistung. Dennoch: Ein insgesamt vielfarbiges Bild aus dem reichen Komponistenleben Alfred Jansons. Eine attraktive und lohnende Mischung – stark gesungen vom Norwegian Soloist‘s Choir.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Janson, Alfred: The wind blows - Music for choir: Norwegian Soloists' Choir, Grete Pedersen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
01.08.2018
EAN:

7318599923413


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Janson, Alfred


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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