> > > Bartok, Bela: Le Chateau de Barbe Bleue: Paris Opera Orchestra, Esa-Pekka Salonen
Dienstag, 17. September 2019

Bartok, Bela: Le Chateau de Barbe Bleue - Paris Opera Orchestra, Esa-Pekka Salonen

Schönheit und symbolische Tiefe


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Krzysztof Warlikowski verband in Paris Bartóks 'Herzog Blaubarts Burg' mit Poulencs Telefon-Oper 'La voix humaine'.

Béla Bartóks 'Herzog Blaubarts Burg' und Francis Poulencs 'La voix humaine' an einem Abend? Krzysztof Warlikowski verband die zwei Einakter 2015 in Paris. Auf den zweiten Blick ist das gar nicht so abwegig, wie es zunächst scheint. Schließlich schildern beide Opern das Scheitern einer Beziehung. 'Herzog Blaubarts Burg' (1911) vertieft einen Märchenstoff nach Charles Perrault in symbolischen Bildern: Judith folgt Blaubart auf seine Festung und will die Geheimnisse des Herzogs lüften, die sich hinter sieben Türen verbergen. Mit jeder Tür, die sie öffnet, wächst die Entfremdung des Paares. Krzysztof Warlikowski versetzt die Handlung (Text: Béla Balázs) in ein zeitgenössisches Appartement mit viel Chrom, Glas und flimmernden Bildschirmen. Der Regisseur öffnet diese moderne Welt punktuell der Dimension des Märchenhaften, schränkt diese aber wieder ein, wenn er psychologisierend den Ursprung der Geheimnisse in Blaubarts Kindheit verorten will. Der kanadische Bass-Bariton John Relyea und die russische Mezzosopranistin Ekaterina Gubanova lassen stimmlich und darstellerisch wenig Wünsche offen. Trotzdem springt – zumindest am heimischen Bildschirm – nicht so recht der Funke über.

Beeindruckende sängerdarstellerische Leistung

Anders bei Poulencs Mono-Oper (1959), die das letzte Telefonat einer Frau mit ihrem ehemaligen Geliebten schildert. Im Appartement, in dem zuvor Bartóks 'Blaubart' gezeigt wurde, lässt Warlikowski die Protagonistin nicht telefonieren. Stattdessen führt sie ein wahnhaftes Selbstgespräch, nachdem sie offenbar ihren Liebhaber angeschossen hat. Barbara Hannigan leuchtet nicht nur stimmlich sämtliche Gefühlsnuancen der Protagonistin aus. Unter Warlikowskis Regie muss sie das Drama ihrer Figur regelrecht durchleiden. Wie sie sich mit vollkommen zerlaufener Schminke über die Bühne schleppt, sich windet und immer wieder zusammenbricht, ist schlicht erschütternd. Und dennoch ist Hannigans großartige darstellerische Leistung fast ein Problem. Sie ist nämlich ein Grund dafür, dass das Regiekonzept es nahezu schafft, die Feinheiten des Textes und der Musik in den Hintergrund zu drängen. Da hätte sich die Regie zurücknehmen müssen!

Im Orchestergraben entfaltet Esa-Pekka Salonen Bartóks impressionistische Klangbilder in feinsten Farbschattierungen. In den Momenten höchster Zuspitzung, denen er musikalische Schönheit und symbolische Tiefe ablauscht, lässt er das Orchester strahlend auftrumpfen, ohne die Gesangsstimmen zuzudecken. Diese Balance hält Salonen auch in Poulencs Telefon-Oper, deren eloquenten Erzählton er prägnant und geräuschhaft auf den Punkt bringt. Dabei lässt er die unzähligen Schönheiten und lyrischen Qualitäten der Partitur leuchten, entfaltet die dramatischen Momente und zelebriert die Stille, die bei Poulenc eine zentrale Rolle spielen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bartok, Bela: Le Chateau de Barbe Bleue: Paris Opera Orchestra, Esa-Pekka Salonen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
20.04.2018
Medium:
EAN:

DVD
4058407093640


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Bartók, Béla
Poulenc, Francis


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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