> > > Cantatas of contentment: J.S.Bach Collegium, Masaaki Suzuki
Samstag, 6. März 2021

Cantatas of contentment - J.S.Bach Collegium, Masaaki Suzuki

Finale


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein programmatisch ansprechendes Finale der Erwägungen Masaaki Suzukis zu den weltlichen Kantaten Bachs.

Alles hat ein Ende – auch die Reihe der weltlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs, gesungen und gespielt vom Bach Collegium Japan und dessen Gründer und Leiter Masaaki Suzuki, deren zehnte und letzte Folge jetzt bei BIS vorliegt. Auch der Eindruck dieses Finales ist, wie schon im Fall der geistlichen Kantaten mit denselben Interpreten, zwiegespalten: Einerseits ist da die Freude, dass das Konvolut, selten gespielt und kaum gekannt, nun hochklassig und geschlossen vorliegt. Und da ist die Trauer, dass es mit diesem steten Fluss hochkarätiger Interpretationen eben nicht einfach so weitergeht. Jedenfalls hat die Reihe unterstrichen, dass es im weltlichen Bereich sehr viel mehr als die 'Kaffee-' und die 'Bauernkantate' zu hören gibt. Und auch die letzte Folge macht das noch einmal sehr deutlich.

Zunächst in BWV 30a 'Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen', einer ausgreifenden Huldigungskantate. Die ist prachtvoll besetzt, mit einem wirklich poetischen, anspielungsreichen Picander-Text als Grundlage, den Bach in einer erstaunlich vorwärtsgewandten Ästhetik in Musik gesetzt hat. In der Summe 35 Minuten Musik, die geeignet sind, Verächter sogenannter Gelegenheitsmusiken mit einem Schlag von ihren Vorurteilen zu kurieren. Die zweite Kantate des Programms ist BWV 204 'Ich bin in mir vergnügt' – eine besondere Komposition. Dieses Werk für Solo-Sopran ist bemerkenswerterweise nicht zweck- oder anlassgebunden wie seine Schwesterwerke. Auch ist es an niemanden adressiert. Es ist eine monothematische ‚moralische‘ Kantate, die sich der Genügsamkeit widmet – die Zufriedenheit mit den Gegebenheiten des Lebens, das Sichbescheiden als Tugend. Klaus Hofmann vermutet in seinem wie stets instruktiven Booklettext, dass es einen externen Anlass für diese Musik gegeben haben muss – zu heterogen ist seiner Auffassung nach die Textgrundlage. Jedenfalls verdankt die Nachwelt den im Dunkeln liegenden Entstehungsumständen eine Solo-Kantate von blühender Schönheit.

Noch einmal: famose Bach-Interpreten

Sie ist zuallererst ein fabelhaftes Vehikel für die Sopranistin Carolyn Sampson: Mit ihrer wunderbar geläufigen Stimme und in prononcierter Sprachgestalt fegt sie technisch unangefochten wie ein Wirbelwind durch die delikate Musik. Diese Qualitäten bringt sie auch in das Quartett der Wiederau-Kantate ein: Da versammelt Masaaki Suzuki noch einmal vier der ihm seit langem verbundenen Vokalisten. Neben Sampson sind das der Altus Robin Blaze, der Tenor Makoto Sakurada und der Bass Dominik Wörner. Sakurada hat sich im Laufe der Bach-Beschäftigung des Bach Collegium Japan solistisch gleichrangig neben seinen europäischen Kollegen etabliert. Eine bemerkenswerte Entwicklung, die auch aktuell mit einer sehr guten, weit mehr als soliden Präsentation untermauert wird. Robin Blaze nimmt mit schönen Lyrismen und stupender Klangschönheit für sich ein, wobei die Plastizität der Diktion etwas zu kurz kommt. Und Dominik Wörners Präsentation ist – wie so oft – schlicht vorbildlich zu nennen.

Der sechzehnköpfige Chor hat in dieser letzten Folge der Reihe wenig Präsenz, überzeugt aber mit jenen Qualitäten, die ihn schon in der Vergangenheit profiliert haben: Im Verbund mit den vier Solisten singt er beweglich und schlank, entfaltet seine elegante Kraft präzis, in insgesamt ebenso kundiger wie charmanter Anmutung.

Das Orchester hat sich in den Jahren der Zusammenarbeit mit Suzuki als Klangkörper dem Chor vergleichbar entfaltet: Es sind veritable Solisten versammelt – etliche obligate Partien machen das erfrischend klar –, die sich fein interagierend in Bachs Musik als ihrer idiomatischen Heimat bewegen. Auffallend in der aktuellen Einspielung vor allem das fantasie- und gestaltreich gespielte Cembalo von Suzuki Junior. Die Tempi werden frisch, gelegentlich drängend entfaltet, nie als Selbstzweck, sondern aus der Charakteristik der Sätze und des Stils heraus. Auch dynamisch sind entschiedene Gesten zu erleben: Früher wurde Suzuki gelegentlich der Vorwurf allzu großer Dezenz gemacht, selten zurecht, und hier ganz und gar ohne Entsprechung. Durchgehendes Qualitätsmerkmal bei Suzuki ist die sorgfältig gearbeitete Sphäre der Artikulation – die feine Balance von sprachgezeugter Gestalt und struktureller Klarheit, die Bachs intrikates Gewebe kennzeichnet, findet sich hier fein ausgeleuchtet. In Sachen Klangqualität wird nämlichem Niveau entsprochen.

Ein programmatisch ansprechendes Finale der Erwägungen Masaaki Suzukis zu den weltlichen Kantaten Bachs. Bleibt die Frage: Was macht er in Zukunft mit diesem über lange Jahre akkumulierten Potenzial? Man wird es sehen. Und hoffentlich auch hören. Hier jedenfalls ist noch einmal eine hervorragend niveauvolle Produktion zu erleben, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cantatas of contentment: J.S.Bach Collegium, Masaaki Suzuki

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
01.08.2018
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599923512


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Bach, Johann Sebastian


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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