> > > Berg, Alban: Wozzeck: Frankfurter Museums- und Opernorchester, Sebastian Weigle
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Berg, Alban: Wozzeck - Frankfurter Museums- und Opernorchester, Sebastian Weigle

Ein idealer 'Wozzeck'


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Was da beim Label Oehms in der Reihe der Frankfurter Opernmitschnitte herausgekommen ist, darf als eine herausragende 'Wozzeck'-Produktion gelten, deren Lebendigkeit und Schärfe nachhaltig beeindruckt.

Nach dem Hören dieses Frankfurter 'Wozzeck'-Mitschnitts ist man fix und fertig – zugleich überwältigt und beglückt. Denn hier stimmt einfach alles: die Solisten und der Chor, das Orchester, das Dirigat und das Klangbild dieser Livemontage. Was da beim Label Oehms in der Reihe der Frankfurter Opernmitschnitte herausgekommen ist, darf als eine herausragende 'Wozzeck'-Produktion gelten, deren Lebendigkeit und Schärfe nachhaltig beeindruckt.

Das beginnt schon im ersten Bild des ersten Aktes, das in seiner Sogwirkung und Kompromisslosigkeit durch den Dirigenten Sebastian Weigle wie durch den jungen norwegischen Bariton Audun Iversen als Wozzeck und Altmeister Peter Bronder als Hauptmann fesselt. Weigle hat mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester offenbar so detailliert gearbeitet, dass die komplexe Textur der Berg‘schen Partitur in all ihrer Schönheit und Feinheit offenliegt. Nebenstimmen und zarte Abstufungen werden hörbar, anstelle einer dichten Klangmasse webt Weigle ein Spinnennetz, das das musikalische und dramatische Geschehen umhüllt. Wenn dann noch Peter Bronder als Hauptmann loslegt, sind alle metaphorischen Handbremsen gelöst: Er gestaltet seine Partie, als gäbe es kein Morgen. Das ist in der Artikulation gestochen scharf, mit schlafwandlerischer Sicherheit intoniert und so wundervoll an der Grenze der Hysterie, dass man den gequälten Wozzeck mit einem Mal so gut zu begreifen meint, wie das selten der Fall ist. Und eben jener Wozzeck erhält durch den vollen und ungemein klangschönen Bariton von Audun Iversen ein zutiefst menschliches Profil, das von der ersten Sekunde anrührt. Das ‚Wir arme Leut‘!‘ bricht leidenschaftlich aus ihm heraus, hat aber auch sanfte und zaghafte Farben. Der geschundene, psychisch labile Wozzeck ist klar gezeichnet, aber es ist vor allem seine unerträgliche Umwelt, die uns sein Leiden begreifbar macht.

Hervorragendes Ensemble

In der Riege des menschlichen Horrorkabinetts nehmen auch der Doktor von Alfred Reiter mit seinem beängstigend unaufgeregten Tonfall sowie der bis zum Rand mit Testosteron angefüllte Tambourmajor von Vincent Wolfsteiner mit heldentenoralen Qualitäten einen Ehrenplatz ein. Martin Mitterrutzners elegant lyrischer Tenor als Andres ist ein wunderbarer Kontrast zu Iversens Wozzeck. Überhaupt sind die Frankfurter Ensemblemitglieder hervorragend: Thomas Faulkner und Iurii Samoilov als stimmstarke Handwerksburschen und Katharina Magiera als keifige Margret. Die Besetzung des Narren mit dem Countertenor Martin Wölfel ist ebenso ungewöhnlich wie faszinierend.

Während Audun Iversen mit seiner prachtvollen Stimme für sich einnimmt, beeindruckt nicht minder die großartige Marie von Claudia Mahnke. Sie führt ihren glutvollen Mezzosopran durch alle Lagen, beweist eine leicht ansprechende Höhe und punktet in der vollen und farbenreichen Mittellage. Nach Eileen Farrell in der alten Mitropoulos-Einspielung hat man gedacht, dass niemand mehr die Marie so ergreifend und mit solch großer Schönheit singen können wird. Claudia Mahnke kann es. Und wie auch alle übrigen Sänger verfügt sie über eine lupenreine Artikulation. Dieser Umstand macht den vorliegenden 'Wozzeck' obendrein zu einem besonderen Ereignis, weil man schlicht jedes Wort versteht. Dem Handlungsverlauf zu folgen, ist keine Schwierigkeit, und die perfekte Balance zwischen Stimmen und Orchester tut ihr Übriges.

Wie beredt Sebastian Weigle und sein Orchester sein können, zeigt ohne Frage das letzte Zwischenspiel, das die volle Bandbreite an Intensität und gleichzeitiger Durchsichtigkeit bietet. Überhaupt verzaubert das Orchester immer wieder mit kleinen Nuancen wie dem schwebenden Walzerhauch vor dem Wirtshausgarten im dritten Akt oder den effektvoll ausgereizten Crescendi nach dem Mord an Marie. Dieser Frankfurter 'Wozzeck' setzt Maßstäbe und reiht sich ein in die übersichtliche Diskografie von 'Wozzeck'-Referenzaufnahmen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Berg, Alban: Wozzeck: Frankfurter Museums- und Opernorchester, Sebastian Weigle

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
10.08.2018
Medium:
EAN:

CD
4260034869745


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Berg, Alban


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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