> > > Glazunov, Alexander: The Seasons: Zagreb Philharmonic, Dmitri Kitayenko
Sonntag, 8. Dezember 2019

Glazunov, Alexander: The Seasons - Zagreb Philharmonic, Dmitri Kitayenko

Klingende Jahreszeiten


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie.

Der Dirigent Dmitri Kitajenko ist vielen Orchestern, etwa dem Kölner Gürzenich, herzlichst verbunden. Hinzugekommen ist in jüngerer Zeit die Zusammenarbeit mit der Zagreber Philharmonie. Dort ist er als musikalischer Berater angetreten, um dem Klangkörper aus Kroatien, der bisher auf der Tonträgerlandschaft nicht gerade häufig zu finden ist, neue Impulse zu geben. Was gefruchtet hat, denn ihre gemeinsame Visitenkarte legten sie 2018 beim Label Oehms erfolgreich mit einem Stravinsky-Album ab, dem sich schnell ein weiteres mit zwei russischen Instrumentalwerken anschloss.

Den Anfang macht das Ballett 'Die Jahreszeiten' von Alexander Glazunov. Es ist – nach 'Raymonda' und 'Les Ruses d‘Amour' – das letzte von insgesamt drei originalen Tanzstücken, die der 1865 geborene Komponist für den legendären Choreographen Marius Petipa kreierte. Bei der Uraufführung 1900 gab es ein Gipfeltreffen der Primaballerinen: Anna Pawlowa, Mathilde Kschessinska und Olga Preobrajenska adelten das Werk durch ihre Mitwirkung. Der 40-minütige allegorische Einakter spannt den Bogen vom Winter bis zum Herbst und schließt mit einer Apotheose, die vom ewigen Kreislauf der Natur kündet. Glasunow hat sie ungemein plastisch in Musik umgesetzt: Schneesturm, Flockengestöber, Hagel, Blumen im Wind, dies und mehr meint man herauszuhören.

Feier des abstrakten Tanzes

Auf das bunt funkelnde Divertissement folgt Peter Tschaikowskis Serenade in C-Dur für Streicher aus dem Jahr 1880. Sie war ursprünglich nicht als Tanzgrundlage gedacht, ist aber dennoch in die Ballettgeschichte eingegangen. George Balanchine wählte die schimmernd-fließende Musik für seine erste Choreographie in Amerika 1934 und tauschte dafür den 3. mit dem 4. Satz. Das handlungslose Stück feiert den abstrakten Tanz und zog schnell ins Repertoire vieler Compagnien ein.

Nach einigen maßstabsetzenden Aufnahmen russischer Kompositionen, wozu sämtliche Symphonien von Prokofjew, Schostakowitsch und Skrjabin gehören, demonstriert Dmitri Kitajenko einmal mehr seine Affinität für dieses Repertoire. Es ist kein auftrumpfendes, sondern ein sich organisch entfaltendes, fein austariertes Musizieren, das die Zagreber Philharmonie mitträgt. Jedes Stück des Divertissements erhält seinen eigenen Charakter, ohne dass der Spannungsbogen nachlässt. Dieser großbögige Zugriff bekommt auch Tschaikowskis Serenade ausgesprochen gut. Die Musik strömt weich dahin, tönt dabei elegant und festlich zugleich. Zu dieser poetischen Interpretation passt das dezente Klangbild. Die Aufnahme, der ein aufschlussreicher Einführungstext beigefügt ist, strahlt Harmonie und kultivierte Gelassenheit aus und macht das Zuhören zu einem wohltuenden Genuss.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Glazunov, Alexander: The Seasons: Zagreb Philharmonic, Dmitri Kitayenko

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
14.09.2018
Medium:
EAN:

CD
4260330918895


Cover vergössern

Glasunow, Alexander
Tschaikowsky, Peter


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Geistvoll: Das Ensemble Singer Pur stellt vor allem in den moderneren Sätzen und Arrangements von Stücken aus aller Welt seine Stärken heraus. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Pop als Oper: 'Vespertine - A Pop Album as an Opera' überrascht durch eine poetische Synthese von Pop und Oper. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Zauberhaft authentisch: Dieser Gießener 'Oberon' ist ein Projekt, das sich ungeniert neben die wenigen großen Vorgänger auf dem Plattenmarkt stellen kann und dabei so manche ältere Einspielung an Authentizität und Konsequenz übertrifft. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Karin Coper:

blättern

Alle Kritiken von Karin Coper...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Neapolitanische Volkstragödie: Die szenische Wiederentdeckung von Pierantonio Tascas Verismo-Reißer 'A Santa Lucia' in Dessau macht auch rein akustisch Effekt. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Wohlig-warm: Brahms in Altmodisch von Jukka-Pekka Saraste und dem WDR Sinfonieorchester. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Schumann reloaded: Das groß angelegte Schumann-Projekt des Klavierduos Eckerle biegt auf die Zielgerade ein. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich