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Dienstag, 12. November 2019

Festival Au Grand-Orgue - Dom Richard Gagné

Bittersüße Häppchen


Label/Verlag: Atma classique
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Einen Parforce-Ritt durch die Musikgeschichte in Bearbeitungen für Orgel übermittelt Dom Richard Gagné.

Das Programm dieser CD ist zunächst nicht ohne Reiz: Orgelmusik in Bearbeitungen durch die Jahrhunderte. Der Organist Dom Richard Gagné bearbeitete die meisten Werke selbst; außer ihm sind durchaus namhafte Bearbeiter zu finden, unter anderen Johann Gottfried Walther, Maurice Duruflé und Marcel Dupré. Es sind lauter kurze Stücke, die der Organist darbietet, teilweise sogar einzelne Sätze. Das funktioniert so lange recht ordentlich, wie es um frühbarocke und hochbarocke Werkchen geht. Allerdings wird da schon deutlich, dass beim Akkordspiel das Legato weithin auf der Strecke bleibt. Bereits bei Bach geht die Sache erheblich daneben. Natürlich darf das 'Air' aus der Orchestersuite Nr. 3 nicht fehlen; es fehlt aber jegliche Dynamik, die bei diesem Stück so notwendig ist. Spätestens aber bei dem fast totgespielten 'Jesus bleibet meine Freude' werden die Grenzen des Musikers deutlich. Nach meiner Beobachtung vermag er kaum, die Triolen rhythmisch zutreffend zu spielen; es klingt fast jeweils wie zwei Achtel und ein Viertel.

Dass von Torelli in der Bearbeitung von Walther nur der erste Satz erklingt, mag noch gerade so akzeptabel sein. Aber warum in aller Welt muss der Organist Fauré, Wagner, de Falla auf der Orgel ausprobieren?! Das kann zwar so lange gutgehen, wie die Klangphantasie des Organisten die durch das Instrument bedingte fehlende Dynamik aufwiegt. Genau das aber ist hier nur in Ansätzen hörbar. Ein Höhepunkt ist ohne Zweifel der Marsch 'The Stars and Stripes Forever' von John Philip Sousa. Hier klingt die Orgel wie eine holländische Jahrmarktsorgel. Das kann man durchaus als Kompliment auffassen; die manuellen Fertigkeiten sind enorm, die man dafür aufbringen muss. Aber der 'Schwan' aus Camille Saint-Saëns‘ 'Karneval der Tiere' singt nicht, und der abschließende Scott Joplin klingt nur langweilig. Eine Sammlung süßer, bittersüßer und launiger Häppchen, die man nach dem Hören übersättigt beiseite legt.

Das Booklet enthält nur englische Texte; die Disposition der Orgel in Mont-Saint-Hilaire von Karl Wilhelm ist mit deutschen Registernamen aufgelistet. Ansonsten enthält es kurze Bemerkungen zu den einzelnen Stücken und zum Organisten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Festival Au Grand-Orgue: Dom Richard Gagné

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Atma classique
1
06.07.2018
Medium:
EAN:

CD
722056270427


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Bach, Johann Sebastian
Caccini, Giulio
Campra, André
Dupré, Marcel
Falla, Manuel de
Fauré, Gabriel
Gesualdo, Don Carlo
Glasunow, Alexander
Joplin, Scott
MacDowell, Edward
Purcell, Henry
Saint-Saens, Camille
Schein, Johann Hermann
Sousa, John Philip
Torelli, Giuseppe
Wagner, Richard


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Atma classique

Das Label ATMA - Seele oder Lebensgeist auf Sanskrit - wurde 1995 gegründet und bietet inzwischen mehr als 200 Aufnahmen von mittelalterlicher bis zu zeitgenössischer Musik mit einem besonderen Schwerpunkt im Barock. Für ihre Aufnahmen umgibt sich Johanne Goyette, Direktorin und zugleich Toningenieurin der Firma, gerne mit wagemutigen Künstlern, um in ihrem Studio Unerhörtes (und Ungehörtes) zu schaffen.
ATMA Classique vertreibt in Kanada, den Vereinigten Staaten, in Europa, Australien und Asien. Das Label erfreut sich zunehmend großen Erfolgs und genießt weltweite Anerkennung für die hohe Produktionsqualität sowohl in aufnahmetechnischer als auch in künstlerischer Hinsicht. Zahlreiche Aufnahmen wurden mit Preisen (Diapason d?or, Goldberg, Prix Opus, Félix, JUNO u.a.) ausgezeichnet.
Im Juni 2004 hat ATMA Classique in Zusammenarbeit mit dem Festival Montréal Baroque den Grundstein zu einem anspruchsvollen Großprojekt gelegt: Über die nächsten fünfzehn Jahre sollen Johann Sebastian Bachs 200 geistliche Kantaten zum ersten Mal im hybriden SACD-Format (Super Audio Compact Disc) mit Surround-Sound aufgenommen werden.


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