> > > Praetorius, Hieronymus: Trinitats-Messe: Volker Jänig, Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes
Samstag, 26. September 2020

Praetorius, Hieronymus: Trinitats-Messe - Volker Jänig, Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes

Protestantische Messe


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine verdienstvolle Platte von Manfred Cordes und seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen. Ein besonders interessantes Programm, sehr schön musiziert.

Auf seiner aktuellen cpo-Platte stellen Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance Bremen ein besonders interessantes Programm vor: Es rekonstruiert einen möglichen Gottesdienst an einer der protestantischen Hamburger Hauptkirchen um 1700 – zusammengestellt aus Werken von Hieronymus Praetorius (1560–1629), jahrzehntelang Organist an St. Jacobi zu Hamburg. Neben einstimmigen liturgischen Anteilen Messsätze und Motetten, dazu Orgelwerke von Praetorius, die einen besonders farbigen Kontrast zur Vokalmusik bilden. Lateinische Messen in voller Ausprägung und Pracht verbindet man intuitiv – und bei näherem Hinsehen auch mit guten Gründen – nicht mit der protestantischen Kirchenmusiktradition des beginnenden 17. Jahrhunderts. Doch gab es mit Praetorius und wenigen anderen noch einmal einen relevanten, späten Höhepunkt derartiger Musik, bevor bis weit ins 18. Jahrhundert hinein allenfalls noch die Form der Missa brevis das Bild mitprägte. Und auch diese lateinischen Kurzmessen wirkten im Umfeld protestantisch inspirierter, deutscher Dichtung so vieler Kantaten und Passionen jener Zeit ästhetisch schon etwas fremd.

Praetorius‘ Musik ist teils ausgreifend in der Anlage; es sind blockhafte Wirkungen zu erleben, kontrastiert mit durchbrochener Kontrapunktik, die oft feine rhythmische Elemente einbringt. Während die eingefügten liturgischen Gesänge gelegentlich etwas kühl wirken, bringen die immer wieder mit der vokalen Ebene abwechselnden Orgelsätze eine bemerkenswerte Farbigkeit ein. Volker Jänig nutzt die Möglichkeiten der mitteltönig gestimmten Schwalbennest-Orgel der Marienkirche zu Lemgo mit sicherem Gespür für deren Wirkungen aus: Eine stupende Präsenz vieler geschärfter Details.

Tolles Ensemble

Das Vokalensemble, das Manfred Cordes für dieses Projekt um sich versammelt hat, ist im Grunde eine veritable Solistenriege: Im Sopran sind Maria Skiba und Karin Gyllenhammar zu hören, Alt singt Achim Schulz, die Tenöre sind Mirko Ludwig und Jan van Elsacker, den Bass steuert Dominik Wörner bei. Das ergibt eine homogene, klangsensible Einheit, die neben der Pflege des Ensemble-Gedankens auch das solistische Potenzial zur Entfaltung bringt. Beeindruckend, wie sicher Manfred Cordes immer wieder fein balancierte Formationen zusammenzustellen weiß, die idiomatisch hochstehend harmonieren. Eine gute, freie Intonation spiegelt alle Feinheiten wider, die gerade im Wechsel- und Zusammenspiel mit der mitteltönig gestimmten Orgel nötig sind. Große Linien werden mit all der vertrackten Rhythmik kontrastiert, die in der Spätblüte des Kontrapunkts Praetorius‘ steckt. Die instrumentale Grundierung übernehmen Streicher, Zink, Posaunen, Dulzian und Orgel: Die Instrumente zeichnen klar und farbig, explizieren das Gewebe und erweitern den Vokalklang schlüssig und mit Fantasie, substantiieren und beglaubigen gewissermaßen das vokale Geflecht. Das Klangbild ist harmonisch und stimmungsvoll, in grundsätzlich überzeugender Balance. Leider ist die wirklich große Akustik nicht sehr freundlich zu Dominik Wörner, dessen famoser Prachtbass viel zu kurz kommt. Auch der instrumentalen Basssphäre mangelt es gelegentlich an letzter Plastizität. Dennoch: Eine hochverdienstvolle Platte, wie immer bei Manfred Cordes. Und sehr schön musiziert ist sie. Auch das ist keine Überraschung. Cordes und sein Ensemble stehen für Qualität. In jeder Hinsicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Praetorius, Hieronymus: Trinitats-Messe: Volker Jänig, Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
18.07.2018
Medium:
EAN:

CD SACD
761203795420


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Praetorius, Hieronymus
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Adesto unus Deus
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Kyrie eleison
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Christe eleison
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Kyrie eleison
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Gloria in excelsis Deo
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Salutatio, Kollekte, Epistel, Halleluja
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Domine, Dominus noster
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - O lux beata Trinitas
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Wir gläuben all an einen Gott
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Benedicam Dominum
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Praefatio
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Sanctus, Benedictus
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Pater noster
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Einsetzungsworte
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Agnus Dei
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Salutatio, Kollekte, Segen
 - Missa in Festo Sanctissimae Trinitatis - Te Deum Patrem


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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