> > > Reger, Max: Orgelwerke Vol.5: Gerhard Weinberger, Orgel
Montag, 10. Dezember 2018

Reger, Max: Orgelwerke Vol.5 - Gerhard Weinberger, Orgel

Undankbare Fracht, Teil I


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Folge 5 seiner Gesamteinspielung der Orgelwerke Max Regers wendet sich Gerhard Weinberger jenen Sammelopera zu, die von manchen Interpreten zyklisch eingespielt werden, auch wenn sie so nicht intendiert sein mögen.

Mit Folge 5 seiner Gesamteinspielung der Orgelwerke Max Regers wendet sich Gerhard Weinberger dem ‚Kleinvieh‘ zu, jenen Sammelopera, die von manchen Interpreten zyklisch eingespielt werden, auch wenn sie so nicht intendiert sein mögen. Während der siebensätzigen Orgelsuite g-Moll op. 92 eine intensive innere Logik innewohnt, sind Sammelwerke zwar in sich stimmig und durchdacht, aber eben eher nicht zyklischer Natur. Wobei gerade die zwölf 'Monologe' op. 63 von starker zyklischer Überzeugungskraft sind (und exakt auf eine CD passen). Leider erfährt man in dem Booklet der vorliegenden Doppel-SACD nichts über die Auswahlkriterien der Stücke, die in sich einen vielfältigen, aber nicht bunten, sondern klug konzipierten ‚Strauß‘ ergeben (gerade bei Regers rund hundert Choralvorspielen sind bei anderweitiger Konzeption interpretatorische Routine und Hörabstumpfung möglich).

Präludien/Toccaten und Fugen, Charakterstücke und Choralvorspiele alternieren hier und ergeben zwei ‚Orgelkonzerte‘ stark auch kirchenmusikalisch empfundener Prägung. Dabei spielen die gewählten Orgeln eine zentrale Rolle: zum einen die Sauer-Orgel (1904) der Michaeliskirche in Leipzig, zum anderen die Furtwängler & Hammer-Orgel (1899) in St. Nicolai zu Lüneburg – zwei Instrumente, die wunderbar intimer, warmer Klänge fähig sind und an Regers Fähigkeit, ein Forte auf dem Klavier nie brutal klingen zu lassen, erinnern. Hier klingt alles im besten Sinne organisch, gleichzeitig ‚unsäkularisiert‘ (eine Gefahr, der sich manche Konzertorganisten gegenüber sehen) und von starker interpretatorischer Aura. Beide Instrumente sind bestens restauriert, und wenn es mechanische Nebengeräusche gibt, so tragen diese nur zum realistischen Eindruck bei. Toccata und Fuge e-Moll sind den 'Monologen' op. 63 entnommen, Präludium und Fuge F-Dur den 'Vier Präludien und Fugen' op. 85; dazu erklingen Präludium und Fuge fis-Moll aus op. 82 (eine eigene Orgeltranskription eines Klavierwerkes) sowie Präludium und Fuge gis-Moll WoO IV/15 (leider ist das Tracklisting nicht rundum auf dem aktuellsten Forschungsstand – der Booklettext hingegen, ebenso wie die gewählte Notenausgabe, sehr wohl). Dazwischen bietet Weinberger fünf der 'Zwölf Stücke' op. 65 und sechs der 'Zehn Stücke' op. 69, darunter gleichermaßen Charakterstücke und formal strengere Sätze, sowie sechzehn Choralvorspiele. Und für alles findet er stets durchaus den eigenen passenden Ton.

Die ausgezeichnete Interpretation findet ihre Entsprechung in der kongenialen Aufnahmetechnik, die die Interpretenintentionen, die Instrumente und den Aufnahmeraum gleichermaßen in voller Konsequenz und herrlichem Reichtum dem Hörer mitteilt. Die klangliche Unmittelbarkeit und die weiträumige Aufnahmeakustik geben der Musik Raum zum Atmen und dem Hörer Raum, sich in ihr zu verlieren. Wieder einmal sehr empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Reger, Max: Orgelwerke Vol.5: Gerhard Weinberger, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
18.07.2018
EAN:

761203784028


Cover vergössern

Reger, Max
 - Aus Monologe op.63 - Toccata
 - Aus Monologe op.63 - Fuge
 - Dir, dir Jehova will ich singen -
 - Gott des Himmels und der Erden -
 - Herzlich thut mich verlangen -
 - Jesu Leiden, Pein und Tod -
 - Jesus, meine Zuversicht -
 - Jesu, meine Freude -
 - Komm, o komm, Du Geist des Lebens -
 - Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren -
 - Consolation E-Dur -
 - Präludium d-Moll -
 - Fuge d-Moll -
 - Canzone Es-Dur -
 - Scherzo d-Moll -
 - Präludium fis-Moll -
 - Fuge fis-Moll -


Cover vergössern

Interpret(en):Weinberger, Gerhard


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Eruptiv und verschattet: Bis heute immer noch die beste greifbare Gesamteinspielung von drei bedeutenden Werken des Oberpfälzers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Europäisiert: Im dichten Feld der Gesamteinspielungen von Toru Takemitsus Klavierschaffen ist dies ein eher vernachlässigbarer Beitrag. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... In eigener Tönung: Auf dem Hammerflügel erhalten die Werke von Ferdinand Ries eine zusätzliche attraktive Farbe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Lichte Weihnachten: Die Platte bietet mehr als nur ein charmantes, intimes Weihnachtsprogramm: Bach und Telemann werden von Sigiswald Kuijken und La Petite Bande ästhetisch aus dem Geist Buxtehudes geboren und entfaltet. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Luft nach oben: RossoPorpora (roter Purpur) nennt sich das Ensemble, das hier seine erste CD mit Werken von Luca Marenzio vorstellt. Ein wagemutiges Unternehmen, das aber relativ weitgehend gelingt. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Eruptiv und verschattet: Bis heute immer noch die beste greifbare Gesamteinspielung von drei bedeutenden Werken des Oberpfälzers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte) Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich