> > > Braunfels, Walter: Quintett op.63a; Sinfonia concertante op.68: Münchner Rundfunksinfonieorchester, Ulf Schirmer
Freitag, 18. Januar 2019

Braunfels, Walter: Quintett op.63a; Sinfonia concertante op.68 - Münchner Rundfunksinfonieorchester, Ulf Schirmer

Umgetitelt


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen.

Ob den Verantwortlichen dieser CD-Produktion der ‚rote Faden‘ hinter den beiden eingespielten Werken wohl bewusst war? Der umfangreiche Booklettext erweckt nicht diesen Eindruck. Dabei sind beide Kompositionen Walter Braunfels‘ auf das Engste mit dessen ehemaligem Schüler Frithjof Haas verbunden, langjährigem Kapellmeister der Badischen Staatskapelle Karlsruhe (ihn als ‚Urgestein‘ zu bezeichnen, tut ihm ob seines feinen Geistes im Grunde Unrecht). Haas war ein enger Freund und Vertrauter des Komponisten und hob schon bald nach der Uraufführung die 'Musik für Solovioline, Soloviola, zwei Hörner und Streichorchester' op. 68 1949 auch in Karlsruhe aus der Taufe. Ja, die Komposition hieß nicht 'Sinfonia concertante', bis lange nach dem Tod des Komponisten anlässlich der Erstveröffentlichung die Entscheidung getroffen wurde, den neutralen und sperrigen Werktitel durch einen gemeinhin weiter verbreiteten zu ersetzen. Dabei hat das Werk viel von dem, was auch ein modernes Concerto grosso aufbieten könnte. Es ist wahr, die Komposition ist viersätzig, doch sind die beiden Solostreicher eindeutig als Concertino hervorgehoben. Braunfels‘ späte Tonsprache ist harmonisch herb und von einer herbstleuchtenden Innigkeit und emotionalen Tiefe, die nicht kalt lassen kann. Das Scherzo scheint sich kurzzeitig über Mahler lustig zu machen, doch bleibt Braunfels zumeist ganz er selbst. Das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer kosten den konzertant-symphonischen Gestus der Komposition mit gewohnt überzeugender Spannweite an Klangtexturen, Stimmungen und Farben auf das Herrlichste aus, Henry Raudales (Violine) und Norbert Merkl (Viola) sind die Primi inter pares.

Entdeckungsfreuden

Das zweite Werk der CD ist das 1947 uraufgeführte Streichquintett op. 63 in Frithjof Haas‘ Einrichtung für Streichorchester (hier als op. 63a gelistet). Das umfangreiche Werk, das in der originalen Quintettfassung einen großen Erfolg für den zuvor lange verfemten Komponisten darstellte, ist durch dichteste komplexe Polyphonie geprägt, die in der Orchesterfassung (mit Solopassagen) gewissermaßen abgemildert werden. Natürlich funktioniert das Werk auch in dieser Form, doch verliert es etwas an unmittelbarer Dichte, gewinnt dafür an orchestraler Substanz, die in der vorliegenden Interpretation durch den wunderbaren, warmen Streicherklang des Münchner Rundfunkorchesters bestens zur Geltung kommt. Die Aufnahmetechnik des Bayerischen Rundfunks weiß, wie man das entdeckerfreudige Orchester unter seinem nicht minder entdeckerfreudigen, mittlerweile ehemaligen künstlerischen Leiter Ulf Schirmer bestmöglich präsentiert, und so haben wir beachtliche Interpretationen von zwei Spätwerken Braunfels‘; es ist zu hoffen, dass den beiden Einspielungen (die bereits 2007 und 2009 entstanden) noch weitere folgen – Braunfels‘ Orchesterschaffen ist noch nicht bis zur Gänze auf Tonträger erkundet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Braunfels, Walter: Quintett op.63a; Sinfonia concertante op.68: Münchner Rundfunksinfonieorchester, Ulf Schirmer

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
18.07.2018
EAN:

761203757923


Cover vergössern

Braunfels, Walter
 - String Quartet op.63a in F sharp minor - Allegro
 - String Quartet op.63a in F sharp minor - Adagio
 - String Quartet op.63a in F sharp minor - Scherzo
 - String Quartet op.63a in F sharp minor - Finale - Rondo
 - Sinfonica Concertante op.68 - Adagio - Allegro
 - Sinfonica Concertante op.68 - Lebhaft
 - Sinfonica Concertante op.68 - Adagio piu posto andante
 - Sinfonica Concertante op.68 - Allegro di molto


Cover vergössern

Dirigent(en):Schirmer, Ulf
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester
Interpret(en):Raudales, Henry


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Weihnachts-Telemann: Beseelter, erfüllter, begeisterter kann man diese köstliche Musik von Telemann kaum singen und spielen. Das Weihnachtspräsent von Michael Alexander Willens und seiner Kölner Akademie ist in dieser Saison exzellent geraten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Großartiger Graupner: Dominik Wörner hat seinen Kirchheimer Konzertwinter genutzt, um eine Lanze für Christoph Graupner zu brechen. Wieder einmal. Und nicht zum ersten Mal auf allerhöchstem Niveau. Rudolf Lutz erweist sich als wunderbarer Gastdirigent. Unbedingt anhören. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Welten: Ein absolut vorbildlicher Beitrag zur César-Franck-Diskografie. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Jenseits der Zeiten: Der Musiker als eklektischer Komponist – und als leider nicht genügend restaurierter Interpret seiner eigenen Musik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Ein treues Weib mal anders: Ein wichtiges, äußerst erhellendes Werk der Musikgeschichte in leider allzu minderwertiger Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nachgemacht: Eine entbehrliche Veröffentlichung zu der großen Geigerin Camilla Wicks. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Spannender 'Macbeth' mit eklatanter Schwäche: Gäbe es in einer zentralen Partie keinen Totalausfall, müsste man diesen 'Macbeth' dringend empfehlen. So bleibt er ein Dokument für historisch Interessierte oder eingefleischte Fans einzelner Künstler. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Lebendige Musik: Rubén Dubrovsky interpretiert zusammen mit Andreas Scholl, dem Salzburger Bachchor und dem Bach Consort Wien Werke von Antonio Vivaldi aus seiner Zeit als künstlerischer Leiter in einem venezianischen Waisenhaus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Nordisch: Wenn Sjaella die anderen Himmelsrichtungen mit der gleichen Verve und dem gleichen künstlerischen Temperament angeht, dann besteh Grund zur Vorfreude. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (1/2019) herunterladen (2248 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Hans Gal: Erstes Bild - Sie selbst, die steinerne Äbtissin

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich