> > > Widmann, Jörg: Polyphone Schatten/Drittes Labyrinth: WDR Sinfonieorchester, Heinz Holliger, Emilio Pomaricio
Mittwoch, 12. Dezember 2018

Widmann, Jörg: Polyphone Schatten/Drittes Labyrinth - WDR Sinfonieorchester, Heinz Holliger, Emilio Pomaricio

Ein Haus eine Welt


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Autoritative Ersteinspielungen zweier wichtiger Werke eines der bedeutendsten deutschen Komponisten.

‚Ein Ton ist für mich ein Lebenwesen‘, hat Jörg Widmann einmal geäußert, und wenn man – fast den Atem anhaltend – der vorliegenden CD lauscht, ist man geblendet von der Vielfalt der Klänge und Manifestationen, die nie ins Äußerlich-Künstliche oder ins Beliebig-Virtuose ausarten. 'Polyphone Schatten (Lichtstudie II)' entstand 2001 für Viola, Klarinette und Orchestergruppen, 'Drittes Labyrinth' für Sopran und Orchestergruppen 2013/14; und auch wenn sie gänzlich unterschiedliche Strategien verfolgen, ist ihnen doch eine starke dreidimensionale Komponente gemein, die in der Literatur gerne nicht architektonisch, sondern klangskulptural bezeichnet wird. Doch entsteht aus Sicht des Rezensenten auch der Eindruck, man gehe durch ein klangliches Gebäude, in dem vieles miteinander verknüpft ist, anderes freie Perspektiven nach innen und außen eröffnet. Gleichzeitig ist die Struktur der Komposition – nicht zuletzt durch die Interpretation – jederzeit klar ausgeformt.

Unter der Leitung Heinz Holligers treten in 'Polyphone Schatten' neben dem WDR Sinfonieorchester der Bratscher Christophe Desjardins und der Komponist an der Klarinette solistisch hervor, in engster Fühlung miteinander und hörbar aufeinander eingehend. Jörg Widmann beweist sich – wie vormals auch Heinz Holliger ein Komponist/Interpret – als absoluter Teamplayer im allerbesten Sinne. Solistin in 'Drittes Labyrinth' – einem, wenn man das so sagen kann, ‚viertelszenischen Monodrama‘ (der Text ist fast vollständig Nietzsches 'Klage der Ariadne' aus den 'Dionysos-Dithyramben' entnommen) – ist unter der Leitung von Emilio Pomàrico Sarah Wegener, eine Interpretin, die wie auch die Mitglieder des WDR Sinfonieorchesters alles gibt und den kompositorisch allerhöchsten Ansprüchen genügt. Zu der Komposition hatte Widmann ein surrealer Kurztext von Jorge Luis Borges, 'Das Haus des Asterion', inspiriert, und dieses Haus, das ‚den Umfang der Welt‘ hat, ‚keine Möbel, keine verschlossenen Türen, keine Schlösser‘ hat und in dem Asterion dennoch ein Gefangener ist, kann man als Perspektive auch auf die Komposition anwenden – die Singstimme tritt sozusagen in Dialog mit diesem (sich als Minotaurus entpuppendem) Asterion. Leider fehlt im Booklet der Gesangstext, und selbst wenn dieser an mancher Stelle dekonstruiert wird, wäre er für das Verständnis des Werkes doch hilfreich.

Die vorliegenden Einspielungen entstanden in unmittelbarer Verbindung zu den Uraufführungen beider Werke in der Kölner Philharmonie. Die WDR-Aufnahmetechnik spiegelt in allerhöchster Klarheit und atmosphärischer Dichte die starken Interpretationen und trägt das Ihre zu dem exemplarischen Eindruck der ganzen Produktion bei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Widmann, Jörg: Polyphone Schatten/Drittes Labyrinth: WDR Sinfonieorchester, Heinz Holliger, Emilio Pomaricio

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
03.08.2018
EAN:

4010228736922


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Widmann, Jörg


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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