> > > And So It Goes: Songs of Folk and Lore: Leslie de'Ath, James Bourne
Donnerstag, 18. Juli 2019

And So It Goes: Songs of Folk and Lore - Leslie de'Ath, James Bourne

Traditionen modern


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Platte ist das schöne Porträt eines ambitionierten Ensembles. Und sie bietet einen feinen Rundumblick über jüngere Inspiration aus dem großen Fundes angelsächsischer Folkmusik.

Sich der kulturell eigenen Erzählungen versichern zu wollen ist eine Regung, die ebenso alt wie Epochen übergreifend wirkmächtig ist. In Erzählungen und Liedern, in Heldenepen und zarten Gesängen wird Altes weitergegeben, wird es in immer neuen Kontexten fruchtbar gemacht, wird es neu erzählt, aktuell und dringlich. Hier soll keiner Isolation, keiner Abschottung, keinem verengten Blick auf den eigenen – nationalen, gelegentlich gar nationalistisch überhöhten – Nabel das Wort geredet werden. So, wie das neuerdings so viele Hohepriester im Namen einer nur vermeintlichen Mehrheit tun: Es ist klar, dass zu allen Zeiten neben dem Blick auf die eigene Gemeinschaft immer auch die Perspektive darüber hinaus Interesse geweckt, Zukunft gesichert und überhaupt neue Lebenschancen geöffnet hat. Und das weit über die primäre Faszination des bloß Exotischen hinaus. Auch dieser Kontakt der Kulturen soll nicht idealisiert werden: Oft genug war er gewalttätig und mit nachfolgender Unterdrückung verbunden. Klar ist aber, dass die bloße Konzentration auf das Eine, das eine Gemeinschaft in permanenter Abgrenzung zu anderen im Inneren zusammenhält, in die Irre führen muss.

Weltumspannende Introspektion

Und so ist das Programm der vorzustellenden Platte in doppelter Hinsicht ein Genuss: musikalisch-interpretatorisch, wie später noch zu zeigen ist, und in der ironischen Wendung, dass Introspektion im angelsächsischen Kontext zwangsläufig zu einem geradezu weltumspannenden Blick führt. Unter dem Titel ‚And so it goes‘ haben die kanadischen Elora Singers bei Naxos jetzt ein Programm auf der Grenze von Folk und ambitionierter Chormusik veröffentlicht, geleitet von ihrem Gründer Noel Edison. Vertreten sind Sätze aus England, Schottland, Wales, Kanada und den USA, teils sehr bekannt, teils aus weniger präsenten Traditionslinien stammend. Die bekanntesten Namen von Komponisten, Bearbeitern und Arrangeuren sind zweifellos die von Ralph Vaughan Williams, der mit seinen drei Shakespeare-Songs von 1951 vertreten ist, und von Gustav Holst, von dem einer der 'Six Choral Folk Songs' von 1916 zu hören ist. Daneben sind von Dave Baker, Ruth Watson Henderson, Ivor Novello oder Leon Dubinsky Spuren zu finden. Für die Gegenwart stehen Billy Joel als Komponist des titelgebenden 'And so it goes' und Eric Whitacre mit einem seiner 'Three Flower Songs' von 1991, die ganz am Anfang seiner Komponistenkarriere schon klar machten, mit welchen, vielleicht nicht immer subtilen, aber doch hochwirksamen Mitteln er sich an sein Publikum wenden sollte. Mit dauerhaftem Erfolg, so ist anzuerkennen, und mit kaum je variierten technischen oder ästhetischen Mitteln, was ebenso wenig verschwiegen werden soll. Arrangements bekannter Vorlagen wie 'Feller from Fortune', 'John Brown‘s Body' oder 'Auld Lang Syne' sind oft wunderbar fantasievoll und effektsicher. Und sie vermeiden dank dieser hohen Qualität auch in den genannten Evergreens das Näherkommen der Kitschgrenze.

Ein starkes Ensemble

Die 1980 von Noel Edison für das Elora Festival mitgegründeten und seitdem von ihm geleiteten Elora Singers sind ein Kammerchor von 23 hervorragend geschulten Stimmen, die klar konturierte Register von Charme und Schlagkraft formen. In diesem Repertoire besonders wichtig: Sie verbinden es miteinander, artifiziell, rein sängerisch absolut unangefochten zu agieren und zugleich über einen Ton leichter Natürlichkeit zu verfügen, ohne den viele der bekannteren Sätze nicht auskommen können. Dazu kommt ein Talent für den einkomponierten Humor: Bei aller Klarheit der Diktion wird immer wieder eine Leichtigkeit entfaltet, die einfach Spaß macht. In Sachen Tempi agiert Noel Edison absolut undogmatisch, reicht die Spanne von sprachbasierten Impulsen bis zu ausgewachsenen lyrischen Schönheiten. Letztere geraten erfreulich pathosfrei, sind aber nie ohne Charme. Dynamisch arbeitet das Ensemble ein reich nuanciertes Bild aus. Vor allem die Kontrolle ist beeindruckend, mit der zum Beispiel feine Akkordik und schlichte Linie zu einiger Fülle expandiert werden. Intoniert wird durchgängig makellos, frei ausgreifend in den weiten Linien und ebenso unangefochten in den rascheren Szenen. Etwa die Hälfte der Titel ist mit obligater Klavierbegleitung versehen. Gelegentlich ist der Klavierpart tatsächlich konstruktiver Bestandteil der Komposition wie bei Ruht Watson Hendersons 'Ontario Folk Songs'. Das hat dann Substanz. Immer wieder scheint das Klavier aber eher ein gar nicht einmal notwendiger Klangfüller zu sein: Diese ambivalente, gelegentlich undankbare Rolle füllt Leslie De‘Ath mit Geschmack und Dezenz aus.

Das Klangbild ist klar, geprägt von schönem Volumen, präzis in den Strukturen. Tendenziell ist es eher höhenlastig. Die gute Nachricht ist: Die Prachtbässe des Ensembles gehen dennoch nicht unter. Die Balance zwischen den substanziellen Klavierparts und dem Chor ist nicht immer optimal gelöst; das Klavier tritt gelegentlich zu sehr in den Vordergrund. In der Summe ist die Platte gleichwohl das schöne Porträt eines wirklich ambitionierten Ensembles. Und sie bietet einen feinen Rundumblick über jüngere Inspiration aus dem großen Fundes angelsächsischer Folkmusik.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    And So It Goes: Songs of Folk and Lore: Leslie de'Ath, James Bourne

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
13.07.2018
Medium:
EAN:

CD
747313386178


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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