> > > Händel, Georg Friedrich: Bass-Arien: Christopher Purves, Bass
Donnerstag, 20. Juni 2019

Händel, Georg Friedrich: Bass-Arien - Christopher Purves, Bass

Affektgeladen und mit vollem Ton


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Christopher Purves und das Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen entführen in die tiefgründigen barocken Welten Händels und bieten affektgeladene Interpretationen.

Mit der vorliegenden Einspielung legt der britische Bassbariton Christopher Purves sein erstes Solo-Album vor und etabliert sich dadurch eindeutig in der barocken Klangwelt. Das Vorhaben, eine sehr breitgefächerte Auswahl von Händels Bass-Arien (und Rezitativen) zu präsentieren, entpuppt sich dabei nicht nur als guter Griff in die Repertoire-Kiste, sondern auch als persönliches Anliegen des Sängers. In Stücken aus verschiedenen Schaffensperioden werden die unterschiedlichen Charaktere und Affekte der Händel‘schen Opernwelt offenbar und Purves weiß die Intensität dieser Kompositionen sehr gut auszuloten. Sprachlich wirkt er sowohl im Italienischen, wie bei der Arie 'Gelido in ogni vena' aus 'Siroe, Re di Persia', als auch in seiner Muttersprache Englisch, z. B. in 'Turn out, O Queen, thy face away' aus Händels erstem englischen Oratorium 'Esther' sicher und souverän. Zu seiner klaren Diktion tritt jedoch noch die warme und volle Charakteristik seiner Stimme hinzu: Die Bass-Stimme wirkt nie ausgedünnt oder brüchig, sondern überzeugt durch intensive, warme Klanglichkeit und beeindruckendes Volumen.

Auch wenn Purves in der Mittellage bei Einzelstücken manchmal etwas belegt klingt, ist hörbar, dass er sich bestens den barocken Affekten der Arien annähern möchte. Dabei legt er das Hauptaugenmerk eher auf eine deutliche Expressivität als auf eine melancholische Impressivität. Als das Bravourstück des britischen Basses auf der vorliegenden Einspielung kann sicherlich 'Nell‘africane selve' bezeichnet werden: Bei einem geforderten Stimmumfang von zweieinhalb Oktaven demonstriert Purves eindrücklich, dass er die tiefen Spitzentöne nicht nur klangvoll und ausdrucksstark trifft, sondern dies auch überlegt tiefsinnig geschieht und mit einem authentischen Pathos einhergeht. Auf spielerische Weise schafft er eine funkelnde und affektgeladene Interpretation, die die Hörerschaft in seinen Bann zu ziehen vermag. Koloraturen nimmt er in diesem intensiven Ausdruck zwar manchmal etwas zu stark bzw. gepresst, aber insgesamt überwiegt auch hierbei ein sehr positiver und euphorischer Eindruck.

Barocke Schmuckstücke

Rhythmisch und agogisch punktet Christopher Purves vor allem im Zusammenhang mit dem Ensemble Arcangelo, das nicht nur die Homogenität mit dem Sänger findet, sondern auch durch das Concerto grosso in F-Dur (op. 3 Nr. 4, HWV 315) aufhorchen lässt. Das Ensemble unter der Leitung von Jonathan Cohen artikuliert sehr sauber, wirkt klanglich ausgewogen und tritt für eine differenzierte Interpretation ein. Während Cohen sein Ensemble vor allem dynamisch und artikulatorisch auf Christopher Purves abstimmt, zeigen sich im Laufe der Einspielung auch herausragende solistische Passagen. Vor allem in der Arie 'È ver che all’amo intorno' aus 'Catone' entfalten sich das Solo-Fagott und die Solo-Violine sehr virtuos und ausdrucksstark und instrumental wird so eindeutig der expressive barocke Charakter des Sängers verstärkt. Im Concerto grosso in F-Dur ist schließlich noch die einwandfreie Leistung der solistischen Oboe hervorzuheben, die als Ausschnitt eines generell gut musizierten Arcangelo Ensembles zu werten ist.

Christopher Purves lässt die impliziten Affekte der ausgewählten Händel-Werke insgesamt tiefgründig aufleuchten und hat mit dem Arcangelo Ensemble und Jonathan Cohen gute Interpretationspartner für die barocken Schmuckstücke gefunden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Händel, Georg Friedrich: Bass-Arien: Christopher Purves, Bass

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
06.07.2018
Medium:
EAN:

CD
034571281520


Cover vergössern

Händel, Georg Friedrich


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Symphonien gegen den Zeitgeist: Beethoven hin – Strawinsky her. Michael Tippetts dritte und vierte Symphonien sind, trotz mancherlei Rückblicks auf die Tradition, beeindruckende Werke der Gegenwart, zumal in dieser erstklassigen Interpretation. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Britische Chorbrillanz: Vaughan Williams in einer Interpretation, die fast rundum überzeugt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Immer noch Entdeckungen!: Thierry Fischer und Symphonieorchester aus Utah präsentieren auf ihrer spannenden Saint-Saens-CD das Vorzeige-Repertoire wie auch weniger Bekanntes mit durchaus eigenen Akzenten. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Lorenz Adamer:

  • Zur Kritik... Intimes Irland: Der Klarinettist John Finucane und die Pianistin Elisaveta Blumina tauchen in die musikalische Landschaft Irlands ein und locken mit mannigfaltigen und intimen Klängen. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Nordische Entdeckungslust: Mit einer vokalen und einer instrumentalen Komposition von Lars Karlsson (*1953) widmet sich das Lapland Chamber Orchestra neuen, nordischen Raritäten und lässt vor allem durch bemerkenswerte solistische Beiträge aufhorchen. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Unmittelbar im marianischen Mittelalter: Das Ensemble Maladança entdeckt marianische Kompositionen des 12. und 13. Jahrhunderts und holt dieses Repertoire energiegeladen in die Moderne. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von Lorenz Adamer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Doppelte Optik: Das Finnish Radio Symphony Orchestra und sein Chefdirigent Hannu Lintu legen mit dieser Aufnahme der Ersten Sinfonie eine reflektierte, unterkühlte Mahler-Lesart vor. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Glanzvoll und geistvoll: Alexandre und Jean-Jacques Kantorow brillieren mit drei Klavierkonzerten von Camille Saint-Saëns zusammen mit der Tapiola Sinfonietta. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Feintönig: In der Musik Arthur Louriés erkundet Christian Erny vor allem die schattierten Zwischentöne. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2019) herunterladen (3061 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Carl Czerny: Die Kunst des Präludierens op. 300 - Nr.3 Allegro D-Dur

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich