> > > Telemann, Georg Philipp: Fantasien für Gambe solo: Richard Boothby, Viola da Gamba
Montag, 14. Oktober 2019

Telemann, Georg Philipp: Fantasien für Gambe solo - Richard Boothby, Viola da Gamba

Gamben-Glücksfall


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist kein Wunder, dass ein großer Gambist nach dem anderen mit 'seinem' Telemann auf den Markt kommt. Richard Boothby überzeugt hier mit all seiner Erfahrung: nobel und gelassen in der Geste.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein so gewichtiges Konvolut voller hochidiomatischer Musik für ein Soloinstrument zu Tage kommt wie im Jahr 2015 die zwölf Fantasien für Viola da gamba solo von Georg Philipp Telemann: Entdeckt wurden sie in der Osnabrücker Ledenburg-Sammlung, ein vollständiger Druck, der dann rasch erstmals von Thomas Fritzsch eingespielt und in Konzerten bekanntgemacht wurde. Die Musik zeigt Telemann als Meister auch dieses Instruments – idiomatisch in die Möglichkeiten fast aller zeitgenössischen Instrumente hineinzuschreiben war eine der vielleicht größten Stärken dieses wunderbaren Komponisten. So ist auch diese 1735 gedruckte Sammlung voller latenter oder realer Mehrstimmigkeit, fordert sie die Gestaltung flinken Passagenwerks ebenso wie die edler Kantilenen. Interessant, dass entgegen manch böswilligem Vorurteil dem Komponisten gegenüber gerade das Gravitätische manchmal noch mehr Eindruck macht als das Leichte und Spielerische. Insgesamt ein wahrer Glücksfall für das Repertoire des Instruments.

Souverän

Keine Überraschung ist es, dass sich in der kurzen Zeit seit der Entdeckung des Werks Spitzen-Gambisten in dichter Folge daran machen, diese edle Musik einzuspielen. Nach Fritzsch unter anderem Paolo Pandolfo, Robert Smith oder Jonathan Dunford. Auch nicht überraschend ist, dass jetzt bei Signum Classics mit Richard Boothby einer der Großmeister der englischen Gambentradition seine Deutung vorgelegt hat. Als Mitgründer des Purcell Quartets und der Gambenformation Fretwork hat er seit dreißig Jahren bleibende Spuren in der Szene der Alten Musik hinterlassen.

Jetzt also Telemann: Boothby spielt die geistvolle Musik erwartungsgemäß makellos und souverän, in sich ruhend, im vollen Bewusstsein seiner technischen und gestalterischen Möglichkeiten. Einzelcharaktere der knappen Sätze werden genauso präzis geformt wie ein maßvoll intensiver zyklischer Zusammenhang. In manchem Grave werden harmonische Kühnheiten schmerzend klar herausgearbeitet. Gelegentlich, so will es scheinen, könnte manches Allegro noch etwas mehr behände Energie vertragen, einen Funken tänzerischen Übermuts, der darin ganz sicher auch liegt. Dafür scheinen Boothby besonders die ganz und gar freien – sehr nach persönlicher Deutung verlangenden – Formen noch näher zu liegen als bloßes virtuoses Spielwerk: Wie er zum Beispiel das einleitende, über viereinhalb Minuten ausgreifende Andante der siebten Fantasie in g-Moll tiefsinnig ausdeutet, ist beeindruckend und zeigt das ganze Gewicht dieser Komposition. Boothby phrasiert sorgfältig, edel im Detail, bezwingend im Kontext: Gerade die enge Bindung der verschiedenen klingenden Sphären des Instruments nimmt für Boothbys Deutung ein.

Lyrische Qualitäten

Besonders beeindruckend sind die reich substantiierten langsamen Sätze, das Presto wird nicht ins Sportive übertrieben. Ausgespielt werden vor allem die lyrischen Qualitäten seines Instruments – das im auch deshalb nur mäßig überzeugenden Booklet nicht näher vorgestellt wird. Instrumental wird damit ein überaus harmonisches, allerdings nicht ‚besenreines‘ Bild gezeichnet, das mit Farben und Schattierungen spielt, den ganz eigenen Klang der Gambe in jeder Hinsicht präsentiert. Technisch ist das intim und hochkonzentriert abgebildet, mit all dem natürlichen Charme, zu dem das Instrument fähig ist, dazu mit feiner räumlicher Note versehen.

Es ist kein Wunder, dass ein großer Gambist nach dem anderen mit ‚seinem‘ Telemann auf den Markt kommt. Richard Boothby tut es überzeugend, mit all seiner Erfahrung prunkend, nobel und gelassen in der Geste.


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    Telemann, Georg Philipp: Fantasien für Gambe solo: Richard Boothby, Viola da Gamba

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
06.07.2018
Medium:
EAN:

CD
635212054420


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Telemann, Georg Philipp


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