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Samstag, 17. November 2018

Diversity - European Brass Ensemble, Thomas Clamor

Überschäumende Energie


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit ihrer Darbietung verschiedener Kostbarkeiten aus der Literatur für Blechbläserensemble stellen die Musiker des European Brass Ensemble unter der Leitung von Thomas Clamor die gesamte vielschichtige Bandbreite ihres Könnens unter Beweis. Hörenswert!

Es ist immer wieder eine Freude, wenn man als Hörer glaubt, sich schon ein konkretes Bild von der Musik einer bestimmten Besetzung gemacht zu haben, und dieses Bild dann komplett auf den Kopf gestellt oder zumindest mit etlichen zusätzlichen Farben angereichert sieht. So typisch die Präsentation der Werke zunächst zu sein scheint – das berühmte 'Te Deum' von Marc-Antoine Charpentier gehört nicht nur zu den Klassikern der Literatur für Blechbläserensemble, sondern spricht auch hinsichtlich seiner festlichen Atmosphäre eine deutliche Sprache –, so viele Überraschungsmomente halten die Musiker des European Brass Ensemble im weiteren Verlauf ihrer Einspielung für den Hörer bereit. Schnell wird deutlich, dass das Motto ‚Diversity‘ nicht nur im Hinblick auf die zum Teil weit auseinanderliegenden Entstehungszeiträume, sondern auch bezüglich der ebenso unterschiedlichen Klangfarben, Spieltechniken und Ausdruckssphären äußerst treffend gewählt ist.

In einer Spielzeit von insgesamt ca. 70 Minuten wird der Hörer auf eine Reise mitgenommen, die ihn in der glanzvoll festlichen Atmosphäre der höfischen Barockmusik begrüßt, danach mit Ernesto Lecuonas 'Malagueña' in die Welt der lateinamerikanischen Tänze entführt, ihn anschließend zur Musik von George Gershwins 'I got rhythm' selbst zum Tanzen und Mitsingen animiert, und ihm schließlich in Richard Blakes eigens für das European Brass Ensemble komponierten Zugaben noch einmal all das in Kürze präsentiert, was ihm vielleicht schon einmal in der einen oder anderen musikalischen Form begegnet ist – wobei sämtliche noch so bekannten Melodien durch das neuartige Arrangement noch einmal eine völlig andere Wirkung entfalten können.

Spielfreude und Ausdrucksvielfalt

Die vorliegende Einspielung beweist auf künstlerisch höchstem Niveau, dass die Musik für Blechbläserensemble sich nicht darin erschöpft, triumphierend, festlich und pompös zu wirken, auch wenn diese Attribute zweifellos weiterhin zu ihren Charakteristiken zählen werden. Bereits das zweite Stück, William Waltons Krönungsmarsch 'Crown Imperial' von 1937, scheint einerseits genau jene Klischees zu bedienen, hebt jedoch trotz aller Assoziationen von Glanz und Gloria auch die zarteren, leiseren Klänge und ebenso die tänzerischen Rhythmen hervor. Gerade in jenen Passagen, die nicht durch den prunkvollen Einsatz des Schlagwerks unterstützt werden, beeindrucken die Musiker durch ungebrochene Intonationssicherheit und eine ebenso sauber ausbalancierte Einheitlichkeit des Klangs, in dem keine Stimme die andere übertönt.

Bei allen Werken, deren hervorstechendstes Merkmal der Rhythmus und der tänzerische Schwung sind, verströmt die Musik eine Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die man von einer Besetzung wie dieser nicht alle Tage zu hören bekommt. Hier sind es nicht zuletzt die verschiedenen Soli, mit denen die Musiker ihr virtuoses Können unter Beweis stellen und so – zusätzlich zu der leidenschaftlichen, feurigen Beteiligung der Perkussionsinstrumente – zu dem außergewöhnlich stimmungsvollen, mitreißenden Gesamtklang beitragen. Wenn es Musikern gelingt, ihre eigene Spielfreude akustisch so deutlich werden zu lassen, dass sie sich auf den Hörer überträgt, wie es auf dieser bei Genuin Classics erschienenen Einspielung des European Brass Ensemble der Fall ist, kann man von einer wahrlich gelungenen Darbietung sprechen, die wahrscheinlich nur eine Live-Aufführung noch toppen könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Diversity: European Brass Ensemble, Thomas Clamor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
06.07.2018
EAN:

4260036256086


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Charpentier, Marc- Antoine
Gershwin, George
Lecuona, Ernesto
Mendez, Rafael
Walton, Sir William


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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