> > > Lindpaintner, Peter Joseph von: Il vespro siciliano: Camerata Bach Choir, Virtuosi Brunensis, Federico Longo
Mittwoch, 12. Dezember 2018

Lindpaintner, Peter Joseph von: Il vespro siciliano - Camerata Bach Choir, Virtuosi Brunensis, Federico Longo

Keine wirkliche Ehrenrettung


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Mitschnitt von Lindpaintners 'Vespro siciliano' verdient als Ausgrabung in jedem Fall Beachtung. Vom Hocker reißen den Hörer hier aber weder Werk noch Interpretation.

'Die sizilianische Vesper' muss nicht zwingend von Giuseppe Verdi sein, auch andere Komponisten haben das historische Ereignis ins Operngewand gekleidet. Zwölf Jahre vor Verdis Grand Opéra steht die heute völlig vergessene Vertonung des ebenso in ziemliche Vergessenheit geratenen Peter Joseph von Lindpaintner (1791–1856). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Lindpaintner ein renommierter Dirigent und Komponist, der vor allem in Stuttgart das Opernleben nachhaltig beeinflusst hat. Von seinen Opern taucht heute kaum noch ein Titel auf den Spielplänen auf, auch nicht sein im Schatten Marschners stehender 'Vampyr'.

Vergessenes Opernspektakel

Die 1843 in Stuttgart uraufgeführte Oper 'Die sizilianische Vesper' wurde im Jahr 2015 vom Festival in Bad Wildbad den Archiven entrissen und in konzertanter Form zur Aufführung gebracht. Man entschied sich allerdings nicht für die originale deutsche Fassung der Oper, sondern für die italienische Version, die noch zu Lebzeiten Lindpaintners entstand. Vermutlich passte das Werk somit mehr zum Belcanto-Profil des Festivals und auch die musikalische Sprache Lindpaintners macht die enge Verwandtschaft mit der italienischen romantischen Oper seiner Zeit deutlich. Doch auch die Form der großen historischen Oper verweist auf Vorbilder in Paris. Somit wird Lindpaintners 'Sizilianische Vesper' zum effektvollen Kondensat der zeitgenössischen Opernlandschaft: ein großangelegtes Opernspektakel mit Liebesgeschichte, Verrat, Intrigen, Kämpfen und Trinkliedern vor der Folie eines historisch verbürgten Ereignisses. Und beim Publikum muss das Werk 1843 enorm gut angekommen sein, denn es wurde einige Male wiederholt und viele andere Städte spielten Lindpaintners 'Sizilianische Vesper' nach.

Auf vier CDs, die beim Label Naxos erschienen sind, ist die konzertante Aufführung aus Bad Wildbad vom Juli 2015 nun nachzuhören. Klanglich lässt dieser Mitschnitt einiges zu wünschen übrig. Er besitzt wenig Tiefe, die Balance zwischen Sängern und Orchester ist wenig überzeugend – es klingt eben nach einem schnellen Mitschnitt aus einer Stadthalle, der technisch nicht sorgfältig überarbeitet wurde. Bei dem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis bei Naxos ist dieser Umstand allerdings verschmerzbar. Schwer verschmerzbar dagegen ist die Qualität der Orchesterleistung unter dem Dirigat von Federico Longo. Offenbar war die Probenzeit für dieses in jeder Hinsicht überdimensionierte Werk knapp bemessen. Auch wenn die Musiker der Virtuosi Brunensis höchst engagiert und routiniert, in teils artistischen Tempi durch Lindpaintners Partitur fegen, sind zu viele Passagen in den Streichern nicht zusammen oder in der Intonation ungenau. Man mag dem Dirigenten und seinem Orchester nicht vorwerfen, sie hätten die musikalischen Schwierigkeiten unterschätzt, aber genau so klingt es. Ohne Frage gelingen auch immer wieder sehr schöne und differenziert gearbeitete Abschnitte, aber oft trübt ein Schmiss im Nachspiel wieder den eben erworbenen positiven Eindruck.

Keine Ausfälle, keine Sensationen

Auf der Sängerseite gibt es keine Ausfälle, aber auch keine wirklichen Sensationen. Danilo Formaggia gibt den Conte di Fondi mit viel Italianità und heldischer Attitüde. Von einer wirklich überlegenen Souveränität im Umgang mit seiner schwierigen Partie, die mit allerlei Verzierungen und Höhenflügen bedacht ist, ist der Sänger allerdings ein gutes Stück entfernt. Formaggia kann das alles fraglos sehr ordentlich singen, ob es festspielreif ist, bleibt fraglich. Ähnlich verhält es sich mit dem Interpreten des Procida: Dario Russo verfügt über einen klangvollen Bass, den er rollendeckend durch die Partitur steuert. Glanzpunkte setzt er keine.

Dafür sorgt schon eher der Bariton Matija Meic als König Karl mit attraktivem Timbre und interpretatorischer Verve. Auch Silvia Dalla Benetta kann den Hörer mit technischer Souveränität und stilistischen Feinheiten für sich gewinnen. Ihre Piani sind berückend schön und die Intensität, mit der sie sich ins Geschehen wirft, lässt so manchen Duettpartner blass aussehen. Auf der Haben-Seite steht auch die auffallend charakterstarke Stimme von Ana Victória Pitts als Page Albino und auch der gerade mal 25-jährige Tenor César Arrieta lässt mit seiner schlanken Tongebung und Agilität aufhorchen. Wie der intrigante Bösewicht klingt er als Alphonse Drouet freilich nicht und auch seiner Höhe fehlt es hier und da an Durchschlagskraft, aber die jugendliche Leichtigkeit lässt auf zukünftige Belcantopartien hoffen. In den kleineren Rollen sind noch die schönstimmige Aurelia von Sara Blanch und der strahlende Tenor von Carlos Natale als Vernazzo und Étendart zu erwähnen. Der Camerata Bach Choir Poznan entledigt sich seiner Aufgabe mit wenig opernhafter Durchschlagskraft, dafür ist dieser Kammerchor vermutlich auch einfach zu klein besetzt.

Dieser Mitschnitt von Lindpaintners 'Vespro siciliano' verdient als Ausgrabung eines Stücks romantischer Operngeschichte und der Verarbeitung italienischer und französischer Einflüsse in jedem Fall Beachtung. Vom Hocker reißen den Hörer hier aber weder Werk noch Interpretation. Vielleicht braucht es dafür einen neuen Versuch mit mehr Probenzeit und zwei bis drei Belcantogrößen, die dort vokale Feuerwerke entfachen, wo die musikalische Basis an Substanz und Originalität verliert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Lindpaintner, Peter Joseph von: Il vespro siciliano: Camerata Bach Choir, Virtuosi Brunensis, Federico Longo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
4
13.07.2018
EAN:

730099044073


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Lindpaintner, Peter Joseph von


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Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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