> > > Schubert, Franz: Sinfonie 8 C-Dur: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Montag, 10. Dezember 2018

Schubert, Franz: Sinfonie 8 C-Dur - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Euphorisierend


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Interpretation von Schuberts 'Großer' C-Dur-Sinfonie, die Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks vorlegen, beeindruckt durch ihre Frische und hebt sich besonders durch ihren schlanken Klang von anderen Aufnahmen ab.

Wenn ein sinfonisches Werk bereits mit einem so markanten und offenen Soloeinsatz eingeleitet wird, wie es Schubert in seiner Sinfonie Nr. 8 C-Dur verlangt, wird das interpretierende Orchester von Anfang an vor besondere Herausforderungen gestellt, zumal bekanntlich mit dem ersten Eindruck alles steht und fällt. Schon nach den ersten Takten der vorliegenden Aufnahme kann sich der Hörer, der um diesen riskanten Auftakt weiß, beruhigt zurücklehnen und den weiteren Verlauf der Sinfonie ungestört genießen. Schon der Solo-Hornist, dem die anspruchsvolle Aufgabe obliegt, den musikalischen Vorreiter zu spielen, weiß genau, was er tut, indem er das Einleitungsthema in sattem, aber warmem und in seiner Makellosigkeit nicht aufdringlichem, sondern eher zurückhaltendem Charakter erschallen lässt und damit den Streichern den Weg ebnet für die musikalische Fortsetzung der Geschichte.

Besonders auffällig an dieser Aufnahme, die auf der Basis einer Live-Aufführung vom Februar 2018 im Label BR Klassik veröffentlicht wurde, ist die Entscheidung des Dirigenten Mariss Jansons, ein durchweg frisches, lebendiges Tempo zu wählen, das auf den Hörer eine überaus mitreißende Wirkung hat und darüber hinaus jeglichem Anflug des Pathetischen entgegenwirkt, zu dem manch vordergründig bombastische Passage in manchen Interpretationen neigt. Jansons dagegen lässt es zu keinem Zeitpunkt zu, dass sich die Musik übermäßig aufplustert, was ihr jedoch keineswegs die innere Kraft raubt. Im Gegenteil: Gerade durch den permanent treibenden Sog und die Hervorhebung des rhythmischen Elements, das zahlreiche orchestrale Passagen beispielsweise im ersten Satz in charakteristischer Weise prägt, entsteht eine unnachahmliche Energie, der man sich als Hörer kaum entziehen kann und sich auf diese Weise stets als Teil der Musik fühlt, statt ihr nur von außen zuzuhören.

Melancholie ohne Klage

Schubert ist ein Spezialist, was langsame Sätze betrifft, und in dieser Hinsicht gehört das Andante con moto der Großen C-Dur-Sinfonie sicher zum Schönsten, was er jemals geschaffen hat. Auch die ausdrucksvollste Melodie jedoch kann einerseits verlieren, wenn sie nicht in angemessener Weise transportiert wird, ebenso wie sie sogar gewinnen kann, wenn die Musiker es verstehen, die Musik sprechen zu lassen, indem sie essentielle Details in besonderer Weise herausarbeiten. Das Hauptthema des langsamen Satzes der 8. Sinfonie, das weniger sinfonisch als kammermusikalisch geprägt ist, lässt sich auf vielfältige Weise interpretieren, vom Trauermarsch bis zum beschwingten Tanz, je nachdem, welches seiner musikalischen Elemente vorrangig beleuchtet werden soll. Mariss Jansons gelingt es in dieser Aufnahme, die Melancholie der Melodie zum Ausdruck zu bringen, ohne die Assoziation von Klage oder gar Schwermut bzw. Tragik im Hörer aufkommen zu lassen. Stattdessen betont er auch hier die Leichtigkeit der punktierten Rhythmen, die sich ohnehin durch die ganze Sinfonie ziehen und die demzufolge neben der unbestreitbaren Kantabilität auch zum Kern des langsamen Satzes gehören. Besonders hervorzuheben ist hier aufgrund des kammermusikalischen Charakters auch die Solo-Leistung einzelner Musiker, wie z.B. jener von Oboe und Klarinette, welche die Hauptmelodie des Satzes zu einem Duett von höchster Qualität und dabei unbeschreiblicher Schönheit gestalten. Die Oboe klagt nicht, sie singt, wobei sie neben einer lupenreinen Intonation und einem charakteristisch schlanken, aber keineswegs dünnen Ton über ein ausdrucksvolles, aber zartes Vibrato verfügt, was sich wunderbar mit dem weichen, sanften Klang der kurz darauf folgenden Klarinette mischt.

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die beiden letzten Sätze, mit denen die Sinfonie schließlich zu einem furiosen Abschluss gelangt, ihren beiden Vorgängern in nichts nachstehen, was die vorliegende Interpretation zu einem absoluten Hörgenuss macht – sicher nicht nur für Schubert-Fans. Dem rauschenden Applaus am Ende der Darbietung ist nichts hinzuzufügen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schubert, Franz: Sinfonie 8 C-Dur: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
27.07.2018
060:22
2018
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719001693
900169


Cover vergössern

Schubert, Franz


Cover vergössern

"Die „Große“ C-Dur-Symphonie ist die letzte Symphonie, die Schubert komponierte – eine „Vollendete“ nach der „Unvollendeten“, von welcher er bloß die ersten beiden Sätze fertiggestellt und anschließend die Arbeit (aus unbekannten Gründen) nicht weiter fortgeführt hatte. Im Unterschied zu seiner sehr viel kürzeren sechsten Symphonie, die gleichfalls in C-Dur steht, erhielt sie den Beinamen „die Große“ – und sie ist tatsächlich ein großes und großartiges Werk, der Gipfel seines symphonischen Schaffens: monumental, repräsentativ und an die große Öffentlichkeit gerichtet. Die Komposition hatte Schubert im August 1824, vielleicht auch erst im März 1825 begonnen; die Hauptarbeit erfolgte im Sommer 1825 während der längsten Reise seines Lebens, die ihn von Wien über Linz und Steyr, über Gmunden, dessen Umgebung er „wahrhaftig himmlisch“ fand, und Salzburg bis hinauf nach Bad Gastein führte, wo er imposante Alpengipfel vor Augen hatte. Auf der ersten Notenseite des Partiturmanuskripts ist die Datierung „März 1828“ angegeben – vielleicht das Datum der endgültigen Fertigstellung. Am 19. November des gleichen Jahres verstarb Schubert im Alter von nur einunddreißig Lebensjahren. Die Symphonie wurde postum am 21. März 1839 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt, unter Leitung des Gewandhauskapellmeisters – des 30jährigen Felix Mendelssohn. Schuberts „Große“ C-Dur Symphonie D 944 wurde jüngst am 1. und 2. Februar 2018 vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons im Herkulessaal der Münchner Residenz aufgeführt. Nun erscheint der Live-Mitschnitt bereits bei BR Klassik als CD – die hochkarätig besetzte und herausragende Interpretation einer der wesentlichsten Kompositionen des symphonischen Repertoires der Romantik."


Cover vergössern

BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BR-Klassik:

  • Zur Kritik... Souveräner Überblick: Mariss Jansons und das BR-Symphonieorchester mit Mahlers Fünfter: ein Ausschnitt aus einem Zyklus, der Lust auf mehr macht. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Explosive Sprengkraft: Altmeister Bernard Haitink führt mit all seiner Routine vor, wie guter Bruckner geht. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Russisches aus München: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons überzeugt hier nur zum Teil: Mussorgsky scheint ihm auf dieser Aufnahme mehr zu liegen als Strawinskys 'Petruschka'. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von BR-Klassik...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Uta Swora:

  • Zur Kritik... Grenzüberschreitend: Mit zwei berühmten Streichquartetten von Schostakowitsch und Schubert zeigt das Aris Quartett auf beeindruckende Weise, was auf ihren Instrumenten möglich ist. Die Interpretation ist von höchstem Niveau und überzeugt vor allem durch ihre Ausdruckstiefe. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Überschäumende Energie: Mit ihrer Darbietung verschiedener Kostbarkeiten aus der Literatur für Blechbläserensemble stellen die Musiker des European Brass Ensemble unter der Leitung von Thomas Clamor die gesamte vielschichtige Bandbreite ihres Könnens unter Beweis. Hörenswert! Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Blick über den musikalischen Tellerrand: Wer die Blockflöte und ihre musikalischen Möglichkeiten einmal von einer komplett anderen Seite kennenlernen möchte, liegt mit der hervorragenden Einspielung des Berliner Blockflötenorchesters unter der Leitung von Simon Borutzki genau richtig. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Uta Swora...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Eruptiv und verschattet: Bis heute immer noch die beste greifbare Gesamteinspielung von drei bedeutenden Werken des Oberpfälzers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gefasst, aber auch durchdrungen?: Mit Eldar Nebolsin und dem internationalen Cello-Preisträger Wolfgang Emanuel Schmidt dürfen mindestens zwei Namen das Interesse an diesem Brahms schüren. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Brandenburgisches Kopenhagen: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss: Concerto Copenhagen spielt die Brandenburgischen Konzerte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte) Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich