> > > Florilegium Portense: Motetten & Hymnen: Vocal Concert Dresden, Cappella Sagittariana Dresden, Peter Kopp
Samstag, 17. November 2018

Florilegium Portense: Motetten & Hymnen - Vocal Concert Dresden, Cappella Sagittariana Dresden, Peter Kopp

Blütenlese


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine schöne chorische Präsentation des Vocal Concert Dresden: lebendig, blutvoll und frisch. Dem Rang des gelegentlich belächelten, in seiner stilistischen Breite gleichwohl wertvollen Florilegium Portense wird damit entsprochen.

In diesem Jahr 2018 wird nicht nur des 400. Jahres des Beginns des Dreißigjährigen Krieges gedacht. Es wird im Reich der Musik auch an 400 Jahre Florilegium Portense gedacht. Jene ‚Pfortaer Blütenlese‘ also, die Erhard Bodenschatz, Kantor in Pforta, als später weithin berühmten und vor allem praktisch rezipierten Sammeldruck herausbrachte. Bei seiner herausgeberischen – und eingebettet darin auch kompositorischen – Tätigkeit beflügelte Bodenschatz der Wunsch, eine praktisch nutzbare Vielfalt zur Verfügung zu stellen. Das ist ein in mehreren Bänden publiziertes, auf den ersten Blick heterogenes, auf den zweiten aber vor allem extrem vielseitiges und vielen Anforderungen gerecht werdendes Konvolut. Es diente der Kodifizierung und Sammlung dessen, was in Kursachsen als führendem protestantischen Land lutherischen Bekenntnisses in der geistlichen Musik Geltung hatte. Und es behielt seinen prägenden musikpraktischen Einfluss im mitteldeutschen Raum bis über die Zeit Johann Sebastian Bachs hinaus.

Erst einer der Nachfolger Bachs, Johann Adam Hiller, sortierte Bodenschatz ab etwa 1790 aus dem Repertoire zumindest der Thomaner aus. In Hillers Äußerungen schwingt sicher die erhobene Nase des Jüngeren mit, wenn er vom ‚lateinischen Singsang, den Meister Bodenschatz zusammengeschleppt hat‘, spricht. Doch ist Hillers Unverständnis nach all der lastenden Tradition auch nachvollziehbar, wenn er zwar nicht ohne Respekt, aber doch ohne Verständnis auf die gelehrte Altertümlichkeit blickte – aus ästhetisch und auch theologisch vollkommen veränderter Perspektive. Aber Leipzig ist nicht alles: In vielen Kantoreien blieben die Stücke weit länger in Gebrauch. Und auch dafür gab es gute Gründe, angesichts der Motetten und Hymnen von teils überragender Qualität. Denn Bodenschatz hatte erstklassige Namen versammelt, von di Lasso, Franck, Gallus, Hassler und Praetorius bis Calvisius oder Gabrieli. Auch eher regionale Größen wie Adam Gumpelzhaimer oder Bodenschatz selbst sind vertreten, durchaus nicht nur mit schlichteren Sätzen.

Farbige Deutung

Die für die aktuelle Carus-Platte getroffene Auswahl aus etlichen hundert Sätzen ist notwendigerweise kursorisch, bietet aber ein schönes Bild jener Vielfalt. Und sie ermöglicht es dem Vocal Concert Dresden, seine Qualitäten zu entfalten. In schlanker Besetzung und homogenen Registern zeigt sich der Chor beweglich und agiert mit betont frischer Anmutung. In größerer Klangentfaltung bewährt sich das Ensemble ebenso deutlich wie in kleinsten Besetzungen: Das stimmliche Vermögen ist reich modulierbar; gerade die ausgeprägten dynamischen Kontraste in prononcierter Mehrchörigkeit sind beeindruckend ausgestaltet. Peter Kopp bringt seine Vokalisten dazu, die verschiedenen Sphären zwischen stillem Hymnus und komplexer Motette klar zu profilieren: Die Vielgestaltigkeit der Sammlung wird nicht über einen Kamm geschert. Intoniert wird weitgehend unproblematisch; gelegentlich scheinen die sich lösenden Soli etwas mehr unter Druck zu stehen als die in dieser Hinsicht freier wirkenden Chorpartien. Eine überaus aktive Diktion sichert dem gesamten Geschehen eine schlüssig gegliederte Klanggestalt.

Eine feine Ergänzung des Vokalklangs bietet die Capella Sagittariana: Die schmale Besetzung aus Zink, Viola, Posaune, Dulzian, Orgel, Theorbe und Violone wird erstaunlich farbenreich registriert und absolut schlüssig zur Geltung gebracht. Die Instrumentalisten explizieren die Musik entscheidend mit. Das gelingt auch dank der erfreulich frischen Tempi, die die inhärente Spritzigkeit manch mehrchörigen Satzes geschickt betonen. Das Klangbild der in der Dresdner Lukaskirche entstandenen Aufnahme ist relativ groß, reich an Ebenen und Tiefe, überzeugend balanciert und gestaffelt. Eine schöne chorische Präsentation des Vocal Concert Dresden: lebendig, blutvoll und frisch. Dem Rang des gelegentlich belächelten, in seiner stilistischen Breite und zeitgenössischen Repräsentanz des beginnenden 17. Jahrhunderts gleichwohl wertvollen Florilegium Portense wird damit entsprochen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Florilegium Portense: Motetten & Hymnen: Vocal Concert Dresden, Cappella Sagittariana Dresden, Peter Kopp

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
06.07.2018
0059:54
2018
EAN:
BestellNr.:

4009350834927
Carus 83.492


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Agazzari, Agostino
Bober, Melody
Calvisius, Seth
Franck, Melchior
Gabrieli, Giovanni
Gallus, Jacobus
Gumpelzhaimer, Adam
Gumpelzhaimer, Adam
Hassler, Hans-Leo
Lasso, Orlando di
Perceval, Julio
Praetorius, Hieronymus


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"Florilegium Portense – diesen Titel trägt eine 1618 erstmals in Leipzig gedruckte Sammlung geistlicher Motetten aus Italien, Deutschland und dem franko-flämischen Raum. In ihr sind Motetten der europaweit bekanntesten Komponisten dieser Zeit wie etwa Hieronymus und Michael Praetorius, Hans Leo Hassler, Orlando di Lasso, Andrea und Giovanni Gabrieli. Ihre Verbreitung war so erfolgreich, dass fast alle Kantoreien, Schulchöre und Hofkapellen zwischen Eisenach und Breslau mit ihr in Berührung kamen. Die Motetten wurden von Sethus Calvisius, dem Kantor von Schulpforte und späteren Leipziger Thomaskantor, angelegt und von dessen Portenser Nachfolger Erhard Bodenschatz herausgeben. Genau 400 Jahre nach Drucklegung würdigen Vocal Concert Dresden und die Cappella Sagittariana unter Leitung von Peter Kopp dieses bedeutende Kulturdenkmal mit einer Aufnahme ausgewählter Motetten und Hymnen, darunter mehrere Ersteinspielungen. "


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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